Michel Friedman, Bundesversammlung

Michel Friedman soll am 30. Januar Steinmeier-Nachfolger wählen

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die hessische SPD will den Publizisten und früheren Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland als Wahlmann entsenden. Die Suche nach einer gemeinsamen Nachfolge für Frank-Walter Steinmeier ist in Berlin noch nicht abgeschlossen.

Friedmans Rolle bei der Präsidentenwahl

  • Die hessische SPD-Landtagsfraktion will Michel Friedman am Dienstag für die Bundesversammlung nominieren.
  • Der 70-Jährige soll am 30. Januar 2027 über die Nachfolge Frank-Walter Steinmeiers abstimmen.
  • Die schwarz-rote Koalition hat sich bislang nicht auf eine Kandidatin oder einen Kandidaten festgelegt.
Michel Friedman verbindet die Wahl des nächsten Staatsoberhauptes mit der Warnung vor einer Partei, die «die Verfassung mit Füßen tritt». (Archivbild) - Bild: Thomas Banneyer/dpa

Michel Friedman soll über Steinmeier-Nachfolge entscheiden

Der Publizist Michel Friedman soll im Januar über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mitentscheiden. Die hessische SPD-Landtagsfraktion will den ehemaligen Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland am Dienstag für die Bundesversammlung nominieren, wie die Partei mitteilte.

SPD hebt Friedmans Einsatz für Demokratie hervor

Die Entscheidung fiel unter Einbindung von SPD-Bundestagsfraktionschef Matthias Miersch. Er würdigte den 70-Jährigen als entschiedenen Verteidiger der freiheitlichen Demokratie und verwies auf dessen Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit.

Friedman sagte, für einen leidenschaftlichen Demokraten sei es eine große Ehre, den nächsten Bundespräsidenten zu wählen. In einer Zeit, in der eine Partei die Verfassung mit Füßen trete und sie zerstören wolle, sei diese Wahl von höchster Bedeutung.

Eckert erinnert an Friedman-Rede

Der hessische SPD-Fraktionschef Tobias Eckert verwies auf eine Rede Friedmans vor zwei Jahren bei einer Feierstunde im Landtag zum Gedenken an den 50. Todestag von Oskar Schindler. Sie habe für entschiedenen Widerstand gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit, Achtung der Menschenwürde, Aufklärung und Respekt gestanden.

Bundesversammlung wählt am 30. Januar 2027

Über die Nachfolge Steinmeiers soll am 30. Januar 2027 entschieden werden. Die Bundesländer benennen derzeit ihre Wahlleute für die Bundesversammlung.

Die schwarz-rote Koalition in Berlin hat sich noch nicht auf eine Kandidatin oder einen Kandidaten festgelegt. Friedmans Nominierung erfolgt damit in einer Phase, in der die Zusammensetzung des Wahlgremiums vorbereitet wird und die parteipolitische Suche nach einer Nachfolge weiterläuft.

Die Nominierung Friedmans fällt in die Vorbereitungsphase für die 17. Bundesversammlung. Das Gremium tritt am 30. Januar 2027 zusammen und entscheidet über die Nachfolge Frank-Walter Steinmeiers. Neben den Bundestagsabgeordneten gehören ihm Delegierte der Länder an; deren Zahl richtet sich nach der Bevölkerungsstärke. Die Länder bestimmen ihre Wahlleute derzeit schrittweise.

Offene Kandidatenfrage

Die Wahl gilt als politisch bedeutsam, weil die schwarz-rote Koalition in Berlin noch keine gemeinsame Kandidatin und keinen gemeinsamen Kandidaten benannt hat. Damit bleibt offen, ob sich die Regierungsparteien auf eine Personalie verständigen oder ob mehrere Vorschläge in der Bundesversammlung gegeneinander antreten.

Friedmans Nominierung setzt zugleich ein öffentliches Zeichen für die Themen, mit denen die SPD ihre Auswahl verbindet: die Verteidigung der Demokratie, den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus sowie den Schutz der Menschenwürde. Als Publizist und früherer Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland steht Friedman seit Jahren für diese Positionen. Seine Wahl zum Mitglied der Bundesversammlung würde ihm eine Stimme bei der Entscheidung über das höchste Staatsamt geben.

Bedeutung des Wahltermins

Die Bundespräsidentenwahl ist formal eine Wahl der Bundesversammlung, politisch aber auch ein Test für die Mehrheitsfähigkeit der Parteien. Bis zum 30. Januar können deshalb Personalvorschläge und parteiübergreifende Gespräche die öffentliche Debatte prägen. Eine Festlegung der Koalition würde den Ausgang stärker bündeln; mehrere Kandidaturen könnten die Abstimmung offener machen.

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