Merz will Frau als Bundespräsidentin – Entscheidung im Januar
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 19:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Wahl in der Bundesversammlung
- Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier.
- Die Versammlung besteht aus 630 Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Wahlleuten der Länder.
- Eine Vorentscheidung über den Unionsvorschlag könnte am Montag, 9. November, fallen.
Merz legt sich auf Kandidatin für Steinmeier-Nachfolge fest
Bundeskanzler Friedrich Merz will der CDU eine gemeinsame Kandidatin aus der politischen Mitte für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorschlagen. Bei einer CDU-Kreisvorsitzendenkonferenz in Berlin sagte er, es müsse eine Frau werden.
Damit gibt Merz erstmals eine klare Richtung für die seit Monaten laufende Debatte vor. In der 77-jährigen Geschichte der Bundesrepublik gab es bislang keine Bundespräsidentin.
CDU beansprucht Vorschlagsrecht
Die CDU ist als stärkste Kraft in der Bundesversammlung für den Vorschlag zuständig. Merz will zunächst mit den CDU-Landesvorsitzenden und der CSU sprechen und anschließend SPD und Grüne in die Suche einbeziehen.
Die CSU unterstützt die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Auch aus den Reihen von SPD und Grünen gibt es Unterstützung für sie. Merz pocht jedoch darauf, dass das Vorschlagsrecht bei der CDU liegt.
Mehrere Namen werden gehandelt
Neben Aigner werden aus der CDU Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien, die frühere Parteichefin und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die hessische Fraktionsvorsitzende Ines Claus genannt.
Männer, die bisher ebenfalls im Gespräch waren, dürften nach Merz’ Festlegung keine Chance mehr haben. Dazu zählen Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Stephan Harbarth und dessen früherer Amtsinhaber Udo di Fabio.
Union und SPD verfügen über Mehrheit
Die Bundesversammlung besteht aus den 630 Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Wahlleuten der Länder. Union und SPD verfügen dort über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen, weshalb Merz die Zustimmung des Koalitionspartners benötigt.
Eine Vorentscheidung könnte bei der Sitzung der CDU-Gremien am Montag, 9. November, fallen. Ziel ist ein gemeinsamer Vorschlag der Unionsparteien, der mit der SPD abgestimmt werden soll; auch die Grünen will Merz in die Kandidatensuche einbeziehen.
CDU-Basis diskutiert über Aigner
Einzelne CDU-Kreisvorsitzende sprachen sich bereits vor der Konferenz für Aigner aus. Der Dresdener Kreischef Ingo Flemming, der Oldenburger Bundestagsabgeordnete Bastian Ernst und der niedersächsische Kreisvorsitzende Christian Carmienke äußerten Sympathien für die bayerische Landtagspräsidentin.
Merz hatte bereits im August 2025 erklärt, er könne sich eine Frau an der Staatsspitze vorstellen. Nachdem CSU-Chef Markus Söder Aigner im April ins Gespräch gebracht hatte, nahm die Debatte besonders nach dem CSU-Parteitag an Fahrt auf.
Kreisvorsitzende fordern mehr Einfluss
Bei der Konferenz ging es neben der Präsidentenfrage auch um die politische Ausrichtung der CDU. Teilnehmer kritisierten die Parteiführung und verlangten unter anderem Entlastungen für die Bürger sowie eine stärkere Einbindung der Basis.
Einen offenen Aufstand gegen die Parteiführung gab es nach Angaben von Teilnehmern jedoch nicht. Vor der Konferenz war vereinzelt auch gefordert worden, das Amt des Parteivorsitzenden von der Kanzlerschaft zu trennen.
Die Festlegung von Friedrich Merz verändert die bisher offene Suche nach einer Nachfolge für Frank-Walter Steinmeier deutlich. Erstmals grenzt der Kanzler den Kreis der möglichen Bewerberinnen und Bewerber politisch klar ein: Gesucht wird eine Frau aus der politischen Mitte.
Das stärkt zugleich die Bedeutung der innerparteilichen Abstimmung. Die CDU verfügt als stärkste Kraft in der Bundesversammlung über das Vorschlagsrecht, muss für eine Wahl aber Partner gewinnen. Union und SPD kommen laut dpa auf eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen; Merz will darüber hinaus auch die Grünen in die Gespräche einbeziehen.
Mehrere Kandidatinnen im Gespräch
Besonders aufmerksam wird die CSU auf die Entscheidung reagieren, weil sie Ilse Aigner unterstützt. Die bayerische Landtagspräsidentin gilt auch in Teilen der CDU als akzeptabel. Daneben werden Julia Klöckner, Karin Prien, Annegret Kramp-Karrenbauer, Ursula von der Leyen und Ines Claus genannt.
Für die politische Debatte ist die Geschlechterfrage von besonderem Gewicht: In der 77-jährigen Geschichte der Bundesrepublik gab es noch keine Bundespräsidentin. Die Bundesversammlung soll am 30. Januar entscheiden. Eine Vorentscheidung der Unionsparteien könnte bereits bei der CDU-Gremiensitzung am 9. November fallen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
STERN: „Friedrich Merz spricht sich in Bundespräsidenten-Debatte für Frau aus“ (02.11.2026)
Der Artikel berichtet, Merz habe sich bei der CDU-Kreisvorsitzendenkonferenz für eine gemeinsame Kandidatin aus der politischen Mitte ausgesprochen. Als weiterer Schwerpunkt werde der geplante Abstimmungsprozess mit CDU, CSU, SPD und Grünen dargestellt.
FOCUS online: „Merz spricht sich für Frau als Bundespräsidentin aus“ (02.11.2026)
Der Beitrag bestätige Merz’ Festlegung und ordne sie in die Debatte um Steinmeiers Nachfolge ein. Anders als der ausführlichere Bericht des STERN konzentriere er sich auf die Erklärung selbst und nenne mögliche Kandidatinnen wie Ilse Aigner, Karin Prien und Julia Klöckner.
Übereinstimmend werde Merz’ Entscheidung als neue Vorgabe für die Kandidatensuche beschrieben. Offen bleibe, ob sich CDU und CSU auf Aigner verständigten oder die CDU eine eigene Kandidatin vorschlage.
