Friedrich Merz, Anke Rehlinger

Merz bleibt trotz Wahl-Desaster Kanzler – Rehlinger widerspricht

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 17:18 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Saarlands Regierungschefin Anke Rehlinger wirft Bundeskanzler Friedrich Merz vor, die Botschaft der jüngsten Wahlergebnisse falsch zu deuten, während CDU-Spitzen wie Karl-Josef Laumann demonstrativ zu ihm stehen. Die Debatte dreht sich um Kurs, Kommunikation und Konsequenzen aus den Verlusten in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Rehlinger kritisiert Merz: Kanzler schätzt Lage falsch ein
Friedrich Merz am 21.09.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Saarlands Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) kritisiert Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach dessen Rede zu den jüngsten Wahlergebnissen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Seine Äußerungen seien „nicht die richtige Antwort auf die Ergebnisse der letzten beiden Wahlsonntage“ gewesen, sagte Rehlinger am Montag in der ntv-Sendung „Pinar Atalay“.

Rehlinger sieht Kanzlerbewertung der Lage kritisch

Rehlinger warf Merz vor, die Stimmung bei Bürgern und in der eigenen Partei falsch zu bewerten. Im Kern habe der Kanzler gesagt, nicht er habe etwas nicht richtig verstanden, sondern die Wählerinnen und Wähler müssten die Politik besser verstehen. Diese Deutung werde der Botschaft der Wahlergebnisse nach ihrer Auffassung nicht gerecht.

Auf die Frage, ob Merz für sie noch der richtige Kanzler sei, verwies Rehlinger darauf, dass dies „am Ende sicherlich die CDU entscheiden“ müsse. Zugleich betonte sie, ein bloßer Austausch an der Spitze ändere nichts an den Herausforderungen. Die zuletzt schwachen CDU-Ergebnisse seien auch Ausdruck einer geringen Begeisterung in der Bevölkerung über Vorschläge der Bundesregierung.

Appell an Bundesregierung und Unterstützung für Merz

Rehlinger machte deutlich, dass sie sich nun ein zügiges Anpacken der „nötigen Punkte“ durch die Bundesregierung wünscht. Auf die Frage, ob Merz es als Kanzler noch durch diese Woche schaffe, antwortete sie: „Ich wünsche mir, dass er es schafft.“ Damit verband sie Kritik an seiner Analyse mit dem Wunsch nach Stabilität an der Spitze der Regierung.

Unterdessen stellt sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) den Personalspekulationen entgegen. Der CDU-Politiker und Präsidiumsmitglied sagte der „Rheinischen Post“, die Wahlergebnisse aus Mecklenburg-Vorpommern seien ein tiefer Einschnitt für die CDU, zugleich sei es in außergewöhnlich schwierigen Zeiten wichtig, dass der Kanzler unmittelbar klargemacht habe, dass die Regierung handlungsfähig bleibe und im Amt sei.

Laumann betont Reformkurs und Sozialausgleich

Laumann unterstrich, die Parteispitze stehe hinter Merz. Er hob hervor, dass der Kanzler deutlich gemacht habe, am eingeschlagenen Reformkurs festzuhalten. Die Reformvorhaben der Koalition seien nach seiner Darstellung richtig, müssten aber so ausgestaltet werden, dass sie im Alltag der Menschen praktikabel seien.

Wesentlich sei, dass die geplanten Veränderungen sozial ausgewogen blieben und die Bevölkerung auf diesem Weg mitgenommen werde. Damit stellte Laumann die Verbindung zwischen Reformbereitschaft und sozialer Absicherung in den Mittelpunkt und signalisierte zugleich Geschlossenheit in der CDU-Führung hinter dem Kanzler.

Die Kritik von Anke Rehlinger trifft Bundeskanzler Friedrich Merz in einer Phase, in der die CDU nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und der Abgeordnetenhauswahl in Berlin unter massivem Druck steht. In Mecklenburg-Vorpommern ist die CDU an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und erstmals seit ihrer Gründung nicht mehr im Landtag vertreten, während AfD und SPD das Feld anführen. Gleichzeitig hat die Partei auch in Berlin deutliche Einbußen hinnehmen müssen.

Bundespolitische Dimension der Wahlergebnisse

Vor diesem Hintergrund steht Merz’ Kurs zur Reformpolitik der schwarz-roten Bundesregierung im Zentrum der Debatte. In seinem Auftritt nach den Wahlen betonte der Kanzler, trotz der schlechten Ergebnisse an seinem Reformkurs festhalten zu wollen und die Arbeit an den angekündigten Maßnahmen fortzusetzen. Kritiker wie Rehlinger sehen darin allerdings die Gefahr, dass die Ursachen der Wahlniederlagen – insbesondere Unzufriedenheit mit der Bundespolitik und Unsicherheit in Teilen der Bevölkerung – nicht ausreichend reflektiert werden. Die SPD-Spitze drängt auf Kurskorrekturen, ohne jedoch die Stabilität der Koalition infrage zu stellen.

Machtfragen in CDU und Koalition

Innerhalb der CDU bemühen sich führende Vertreter wie Karl-Josef Laumann und weitere Präsidiumsmitglieder, Geschlossenheit zu demonstrieren und Merz den Rücken zu stärken. Sie verweisen auf die Notwendigkeit einer handlungsfähigen Regierung und warnen vor personellen Experimenten in einer innen- und außenpolitisch angespannten Lage. Zugleich wächst der Druck, die Ursachen des CDU-Absturzes offen zu analysieren – von der Ansprache an enttäuschte Wähler bis zur sozialen Ausgewogenheit der Reformen. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass kurzfristige Personalwechsel zwar diskutiert werden, die entscheidende Frage aber bleibt, ob die Regierungsparteien ihre Politik so gestalten, dass sie als alltagstauglich und gerecht wahrgenommen wird.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

WDR: „Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin: So reagiert die Politik in NRW auf die Ergebnisse" (21.09.2026)

Der WDR berichtet ausführlich über Reaktionen aus Nordrhein-Westfalen und hebt hervor, dass CDU-Vize Karl-Josef Laumann den Kurs von Friedrich Merz ausdrücklich unterstützt und die klare Botschaft einer weiter handlungsfähigen Bundesregierung lobt. Der Beitrag bestätigt die schweren Verluste der CDU und ordnet sie als Debakel ein, legt den Schwerpunkt aber auf innerparteiliche Rückendeckung für Merz.

ZDFheute: „Merz will Arbeit fortsetzen - 'Reformen müssen kommen'" (20.09.2026)

ZDFheute stellt Merz’ eigenes Statement nach den Wahlen in den Mittelpunkt und zitiert ihn mit der Einschätzung des Ergebnisses in Mecklenburg-Vorpommern als „Desaster“, verbunden mit der Ankündigung, den Reformkurs dennoch fortzusetzen. Der Artikel betont die Botschaft, dass die Regierung im Amt bleibt und Merz weder Kanzleramt noch Parteivorsitz infrage stellt, während kritische Stimmen auf den zunehmenden politischen Druck hinweisen.

BR24: „Trotz Wahl-‚Desaster‘: Merz will Kanzler und CDU-Chef bleiben" (20.09.2026)

BR24 beschreibt die innerparteiliche Lage nach den Wahlniederlagen und unterstreicht, dass Merz beide Ämter behalten und den eingeschlagenen Kurs fortführen will. Der Bericht bestätigt die Charakterisierung des Ergebnisses als Desaster, verweist aber zugleich auf Unterstützung aus der Parteiführung. Im Zusammenspiel zeichnen die Beiträge das Bild eines Kanzlers, der unter Druck steht, aber vorerst fest im Amt verankert ist – bei gleichzeitigen Differenzen über Interpretation und Konsequenzen der Wahlergebnisse.

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