Medizinische Versorgung: 54 Prozent erwarten Verschlechterung
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 06:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSVersorgungserwartungen nach Regionen
- 68 Prozent der Befragten sind aktuell mit der medizinischen Versorgung vor Ort zufrieden oder sehr zufrieden.
- Im Osten liegt die Zufriedenheit bei 50 Prozent, während 66 Prozent dort eine Verschlechterung erwarten.
- 71 Prozent wünschen sich von der Politik mehr Einsatz für die medizinische Versorgung vor Ort.
Forsa-Umfrage zur medizinischen Versorgung
Eine Mehrheit der Deutschen erwartet in den kommenden zehn Jahren eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv hervor.
Aktuelle Zufriedenheit bleibt mehrheitlich bestehen
68 Prozent der Befragten sind mit der medizinischen Versorgung vor Ort zufrieden oder sehr zufrieden. 32 Prozent äußern sich dagegen weniger oder gar nicht zufrieden.
Für die kommenden zehn Jahre rechnen 54 Prozent mit einer Verschlechterung. Nur 14 Prozent erwarten eine Verbesserung, während 30 Prozent von einer unveränderten Versorgung ausgehen.
Ostdeutschland blickt skeptischer voraus
Zwischen Ost- und Westdeutschland zeigen sich deutliche Unterschiede. Im Westen sind 71 Prozent mit der Versorgung zufrieden, im Osten lediglich 50 Prozent.
Im Osten erwarten 66 Prozent eine Verschlechterung in den kommenden zehn Jahren. Im Westen liegt dieser Anteil bei 52 Prozent.
Großstädte schneiden aktuell besser ab
Auch die Gemeindegröße beeinflusst die Einschätzung. In Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern sind 59 Prozent zufrieden und 40 Prozent unzufrieden.
In Großstädten mit mindestens 500.000 Einwohnern liegt die Zufriedenheit bei 78 Prozent. Dennoch erwartet auch dort jeder Zweite eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung in den kommenden zehn Jahren.
Mehr Einsatz von der Politik gefordert
71 Prozent der Deutschen sind der Ansicht, dass sich die Politik stärker um eine gute medizinische Versorgung vor Ort kümmern müsste. 24 Prozent halten das bisherige Engagement für ausreichend.
Der Wunsch nach mehr politischem Einsatz ist sowohl in ländlichen Regionen als auch in Großstädten weit verbreitet.
Die Umfrage verbindet eine vergleichsweise hohe Zufriedenheit mit der aktuellen Versorgung mit einer deutlich pessimistischeren Erwartung für die kommenden zehn Jahre. Diese Differenz deutet darauf hin, dass viele Menschen ihre gegenwärtige Situation noch als ausreichend erleben, zugleich aber mit strukturellen Belastungen rechnen.
Regionale Unterschiede prägen die Wahrnehmung
Besonders groß ist der Abstand zwischen Ost und West. Die geringere Zufriedenheit im Osten und die stärkere Zukunftssorge passen zu regional unterschiedlich wahrgenommenen Zugangsbedingungen, etwa bei Hausarztpraxen, Fachärzten und erreichbaren Kliniken. Auf dem Land verschärfen längere Wege und kleinere Versorgungsangebote die Lage zusätzlich.
Die Stadt-Land-Unterschiede zeigen jedoch, dass eine gute aktuelle Erreichbarkeit nicht automatisch Vertrauen in die Zukunft schafft. Selbst in Großstädten erwartet die Hälfte der Befragten eine Verschlechterung. Damit geht es nicht nur um einzelne Regionen, sondern um die Belastbarkeit des gesamten Systems.
Politischer Handlungsdruck wächst
Der Wunsch nach stärkerem politischen Einsatz richtet sich vor allem auf die konkrete Versorgung vor Ort. Für Bürger sind dabei kurze Wege, erreichbare Ansprechpartner und verfügbare Termine unmittelbar spürbare Kriterien. Die Ergebnisse erhöhen den Druck, Reformen nicht allein an Finanzierungsfragen, sondern auch an regionalen Versorgungslücken und Personalengpässen zu messen.
