Medizin-Nobelpreis, Optogenetik

Medizin-Nobelpreis für zwei Deutsche und US-Forscher für Optogenetik

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 12:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Peter Hegemann, Georg Nagel und Karl Deisseroth erhalten den Medizin-Nobelpreis für entscheidende Entdeckungen zur Optogenetik. Die Methode ermöglicht es, Zellen mit Licht gezielt zu steuern und wird bereits in der Augenmedizin erprobt.

  • Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die beiden Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Forscher Karl Deisseroth. - Bild: Pontus Lundahl/TT News Agency/AP/dpa
    Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die beiden Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Forscher Karl Deisseroth. - Bild: Pontus Lundahl/TT News Agency/AP/dpa
  • Der Professor für Biophysik an der Humboldt-Uni Berlin, Peter Hegemann. (Archivbild) - Bild: Soeren Stache/dpa
    Der Professor für Biophysik an der Humboldt-Uni Berlin, Peter Hegemann. (Archivbild) - Bild: Soeren Stache/dpa
  • Deisseroth setzte ein Gen für ein bestimmtes Protein in Neuronen von Nagetieren ein. - Bild: Eugene Hoshiko/AP/dpa
    Deisseroth setzte ein Gen für ein bestimmtes Protein in Neuronen von Nagetieren ein. - Bild: Eugene Hoshiko/AP/dpa
  • Wer die Medaille für den Medizin-Nobelpreis bekommt, wird stets als erstes im Nobelpreisreigen verkündet. (Archivbild) - Bild: Angela Weiss/Pool AP/dpa
    Wer die Medaille für den Medizin-Nobelpreis bekommt, wird stets als erstes im Nobelpreisreigen verkündet. (Archivbild) - Bild: Angela Weiss/Pool AP/dpa
Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die beiden Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Forscher Karl Deisseroth. - Bild: Pontus Lundahl/TT News Agency/AP/dpa Der Professor für Biophysik an der Humboldt-Uni Berlin, Peter Hegemann. (Archivbild) - Bild: Soeren Stache/dpa Deisseroth setzte ein Gen für ein bestimmtes Protein in Neuronen von Nagetieren ein. - Bild: Eugene Hoshiko/AP/dpa Wer die Medaille für den Medizin-Nobelpreis bekommt, wird stets als erstes im Nobelpreisreigen verkündet. (Archivbild) - Bild: Angela Weiss/Pool AP/dpa

Der Medizin-Nobelpreis 2026 geht an die Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Forscher Karl Deisseroth für ihre Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen und der Optogenetik.

Licht steuert Nervenzellen

Das teilte das Karolinska-Institut in Stockholm mit. Die drei Forscher erhalten jeweils ein Drittel des mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotierten Preisgelds, umgerechnet rund eine Million Euro.

Hegemann forscht an der Humboldt-Universität Berlin, Nagel an der Universität Würzburg. Die Optogenetik verbindet genetische und optische Verfahren, um Zellen – meist Nervenzellen – in lebendem Gewebe mit Licht gezielt an- oder abzuschalten.

Entdeckung in einer einzelligen Alge

Hegemann und Nagel entdeckten Anfang der 2000er Jahre in einer einzelligen Alge das Protein Kanalrhodopsin. Unter blauem Licht öffnet sich der damit verbundene Ionenkanal und löst elektrische Impulse aus.

Deisseroth übertrug das Prinzip auf Nervenzellen. Zunächst setzte er das Gen für das Protein in Rattenneuronen ein, später gelang die Aktivierung entsprechender Nervenzellen mit Licht auch im Gehirn lebender Mäuse.

Ansatz für die Augenmedizin

Nach Angaben der Nobelversammlung lässt sich mit der Methode untersuchen, wie Nervenzellen Erinnerungen, Gefühle und Verhaltensweisen prägen. Die Arbeiten hätten eine neue Ära der Neurowissenschaften eingeleitet.

Eine praktische Anwendung ist die Behandlung der Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa. Bei einem seit Jahrzehnten blinden Patienten konnten Forscher mit einer einmaligen Gentherapie und einer Spezialbrille ein rudimentäres Sehen ermöglichen: Er erkannte im Labor Gegenstände und konnte sie greifen.

Historische Einordnung

Der Medizin-Nobelpreis wurde in diesem Jahr zum 125. Mal vergeben. Der erste Preisträger war 1901 der deutsche Bakteriologe Emil Adolf von Behring. Zuletzt hatte 2013 der deutsche Forscher Thomas Südhof den Medizin-Nobelpreis erhalten; Christiane Nüsslein-Volhard war 1995 die bislang einzige deutsche Frau mit dieser Auszeichnung.

Die Nobelpreise für Physik und Chemie werden am Dienstag und Mittwoch bekanntgegeben. Danach folgen die Preise für Literatur und Frieden, bevor am kommenden Montag der von der schwedischen Zentralbank gestiftete Wirtschaftspreis verliehen wird.

Übergabe im Dezember

Die feierliche Verleihung aller Auszeichnungen findet traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, statt. Die Nobelstiftung hatte das Preisgeld anlässlich des Jubiläums um eine Million schwedische Kronen erhöht.

Grundlagenforschung mit therapeutischer Reichweite

Die ausgezeichnete Optogenetik verbindet Genetik und Lichttechnik. Über lichtempfindliche Proteine können Forschende die elektrische Aktivität ausgewählter Zellen steuern. Besonders in der Neurowissenschaft schafft das die Möglichkeit, einzelne Zelltypen in lebendem Gewebe gezielt zu untersuchen, statt nur ihre Aktivität indirekt zu messen.

Die Bedeutung der Arbeit reicht deshalb über eine einzelne Behandlung hinaus. Das Verfahren hilft, Zusammenhänge zwischen Nervenzellen und Verhalten experimentell sichtbar zu machen. Zugleich zeigt die Anwendung bei Retinitis pigmentosa, dass aus der Grundlagenforschung ein medizinischer Ansatz entstehen kann: Zellen, die ihre natürliche Lichtempfindlichkeit verloren haben, werden für optische Reize nutzbar gemacht.

Fortschritte mit klaren Grenzen

Das beschriebene Sehen nach einer optogenetischen Therapie war ein Machbarkeitsnachweis und kein vollständiges Wiederherstellen der normalen Sehfähigkeit. Für Betroffene und Angehörige ist dennoch entscheidend, dass solche Verfahren den Weg von der molekularen Entdeckung zur klinischen Anwendung markieren. Weitere Einsatzmöglichkeiten hängen von Sicherheit, Dauerhaftigkeit und der präzisen Steuerung der behandelten Zellen ab.

Die Bekanntgabe fällt in das 125. Jahr der Nobelpreisverleihungen. Der Medizinpreis eröffnet traditionell die Nobelwoche; die feierliche Übergabe findet am 10. Dezember statt. Für Deutschland ist die Ehrung zudem historisch bedeutsam, weil mit Hegemann und Nagel erstmals seit längerem wieder zwei deutsche Forscher gleichzeitig in dieser Kategorie ausgezeichnet werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau.de: „125 Jahre Nobelpreis: Was macht die Auszeichnung so bedeutend?“ (05.10.2026)

Der Beitrag ordne die aktuelle Nobelwoche in die 125-jährige Geschichte der Auszeichnung ein und hebe deren internationale Ausrichtung sowie die Auswahl durch fachbezogene Komitees hervor. Anders als die dpa-Meldung zur konkreten Ehrung richte der Artikel den Schwerpunkt auf Verfahren, Renommee und gesellschaftliche Bedeutung des Nobelpreises; die unmittelbaren medizinischen Anwendungen der Optogenetik stünden dort nicht im Mittelpunkt.

Nach Darstellung des Berichts werde die endgültige Entscheidung traditionell erst am Morgen der jeweiligen Bekanntgabe getroffen. Offen bleibe in diesem allgemeinen Hintergrundbeitrag, welche weiteren wissenschaftlichen und therapeutischen Konsequenzen die diesjährige Auszeichnung im Einzelnen haben werde.

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