Medizin-Nobelpreis 2026, Optogenetik

Medizin-Nobelpreis für Deutsche Hegemann und Nagel sowie US-Forscher Deisseroth

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 11:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Peter Hegemann, Georg Nagel und Karl Deisseroth erhalten den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung und Anwendung lichtgesteuerter Ionenkanäle. Ihre Forschung machte es möglich, die Aktivität von Zellen gezielt mit Licht zu steuern.

Wer die Medaille für den Medizin-Nobelpreis bekommt, wird stets als erstes im Nobelpreisreigen verkündet. (Archivbild) - Bild: Angela Weiss/Pool AP/dpa
Wer die Medaille für den Medizin-Nobelpreis bekommt, wird stets als erstes im Nobelpreisreigen verkündet. (Archivbild) - Bild: Angela Weiss/Pool AP/dpa

Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an die Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Forscher Karl Deisseroth für ihre Forschung zur lichtgesteuerten Veränderung von Zellen.

Grundlage ist die Optogenetik

Das Karolinska-Institut in Stockholm würdigte die Entdeckungen im Bereich lichtgesteuerter Ionenkanäle und der Optogenetik. Hegemann forscht an der Humboldt-Universität Berlin, Nagel an der Universität Würzburg.

Die drei Forscher erhalten jeweils ein Drittel des Preisgelds von zwölf Millionen schwedischen Kronen, umgerechnet rund einer Million Euro. Die Nobelstiftung hatte die Dotierung anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Preise um eine Million Kronen angehoben.

Zellen mit Licht an- und abschalten

Optogenetik verbindet genetische und optische Verfahren. Mit ihrer Hilfe lassen sich Zellen, meist Nervenzellen, in lebendem Gewebe und sogar bei frei beweglichen Tieren gezielt aktivieren oder hemmen.

Hegemann und Nagel entdeckten das Protein Kanalrhodopsin, das Zellen lichtempfindlich macht. Deisseroth setzte das Gen für dieses Protein in Nervenzellen von Ratten ein und konnte die Zellen anschließend mit Licht aktivieren.

Nobelpreis-Reigen beginnt

Im vergangenen Jahr wurden Mary Brunkow, Fred Ramsdell und Shimon Sakaguchi für ihre Entdeckungen zur peripheren Immuntoleranz ausgezeichnet. Dieser Mechanismus verhindert, dass das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift.

Seit 1901 haben insgesamt 232 Menschen den Medizin-Nobelpreis erhalten, darunter 14 Frauen. Der erste Preis ging an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung einer Therapie gegen Diphtherie.

Verleihung am 10. Dezember

Nach der Bekanntgabe des Medizinpreises folgen die Nobelpreise für Physik, Chemie, Literatur und Frieden. Die Reihe endet mit dem von der schwedischen Zentralbank gestifteten Wirtschaftspreis.

Die feierliche Übergabe aller Auszeichnungen findet traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, statt.

Grundlage moderner Neurotechnik

Die ausgezeichnete Optogenetik verbindet genetische Verfahren mit Lichtsteuerung. Forschende können damit die Aktivität bestimmter Zellen gezielt beeinflussen, statt ganze Zellverbände unspezifisch zu stimulieren. Besonders in der Neurowissenschaft ermöglicht das, die Rolle einzelner Nervenzellen in komplexen Vorgängen wie Bewegung, Wahrnehmung und Verhalten zu untersuchen.

Die Entdeckung von Kanalrhodopsin war dafür entscheidend: Das Protein macht Zellen lichtempfindlich. Deisseroths Arbeiten übertrugen dieses Prinzip auf Nervenzellen und schufen eine experimentelle Methode, mit der neuronale Schaltkreise in lebendem Gewebe untersucht werden können. Die Technik dient damit vor allem der Grundlagenforschung, hat aber auch Perspektiven für die Entwicklung künftiger Therapien.

Chancen und Grenzen

Für Patientinnen und Patienten liegt die mögliche Bedeutung langfristig in präziseren Behandlungen neurologischer Erkrankungen. Anwendungen am Menschen stehen jedoch vor hohen biologischen, technischen und ethischen Anforderungen. Genetische Veränderungen, die kontrollierte Lichtzufuhr und die sichere Langzeitfunktion entsprechender Systeme müssen jeweils zuverlässig beherrscht werden.

Ein Wissenschaftspreis mit internationaler Wirkung

Die Auszeichnung rückt zugleich die Bedeutung langfristiger Grundlagenforschung ins Zentrum. Der Nobelpreis wird seit 1901 verliehen und gehört zu den international angesehensten Wissenschaftspreisen. Im Jubiläumsjahr steht damit nicht nur eine konkrete Entdeckung im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, wie aus grundlegenden Erkenntnissen über Zellfunktionen neue Werkzeuge für Medizin und Biologie entstehen.

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