Mecklenburg-Vorpommern Wahl, AfD Leif-Erik Holm

Mecklenburg-Vorpommern Wahl: AfD mit Leif-Erik Holm stärkste Kraft, aber ohne Weg zur Staatskanzlei

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 22:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die AfD gewinnt die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern mit Spitzenkandidat Leif-Erik Holm, doch ein Weg in die Staatskanzlei ist vorerst nicht erkennbar. Innerhalb der Partei entzündet sich zugleich eine Debatte über Führungspersonal und strategische Ausrichtung.

Leif-Erik Holm, Ministerpräsidentenkandidat der AfD, zeigte sich im Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern bürgerlich und nahbar. - Bild: Jens Büttner/dpa
Leif-Erik Holm, Ministerpräsidentenkandidat der AfD, zeigte sich im Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern bürgerlich und nahbar. - Bild: Jens Büttner/dpa

Leif-Erik Holm führt die AfD als Wahlsieger aus der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, bleibt aber zunächst ohne erkennbare Koalitionsoptionen für den Weg in die Schweriner Staatskanzlei.

AfD gewinnt, Vergleich mit Sachsen-Anhalt

Am Sonntagabend umarmt Holm Parteifreunde auf der AfD-Wahlparty in Schwerin, als erste Prognosen den Sieg seiner Partei im Nordosten melden. Der Erfolg fällt jedoch weniger deutlich aus als zwei Wochen zuvor in Sachsen-Anhalt, wo Ulrich Siegmund als Spitzenkandidat auftrat. Innerhalb der AfD wird auf der Wahlparty immer wieder betont, Holm sei „kein Ulrich Siegmund“ – Menschen hätten sich im Wahlkampf nicht in langen Schlangen für Fotos und Autogramme angestellt.

Der 56-Jährige setzt im Wahlkampf auf ein bürgerliches und lockeres Auftreten. Als ehemaliger Radiomoderator weiß Holm, wie er gut gelaunt wirken und mit Bürgern ins Gespräch kommen kann. Häufig zeigt er sich mit hochgekrempeltem Hemd, Daumen hoch und Lächeln in die Kamera; zu Wahlkampfständen in seiner Heimatstadt Schwerin fährt er mit dem Fahrrad samt Kindersitz.

Laufbahn und Rolle in der AfD

Holm ist gelernter Elektriker und studierter Volkswirt, vierfacher Vater und in Schwerin geboren. In der Wendezeit kam er zum Radio und arbeitete mehr als 20 Jahre als Moderator, zuletzt bei Antenne MV. Diese Tätigkeit verschaffte ihm regionale Bekanntheit. Seit 2013 gehört er der AfD an und ist mit kurzer Unterbrechung Landessprecher in Mecklenburg-Vorpommern. Im Herbst 2016 zog er in den Landtag ein, 2017 wechselte er in den Bundestag.

Inhaltlich fordert Holm wie andere AfD-Vertreter eine restriktivere Migrationspolitik und kritisiert den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dem er teilweise Desinformation vorwirft. Im Ton tritt er jedoch mitunter gemäßigter auf als andere Parteikollegen. Der Rostocker Politikwissenschaftler Wolfgang Muno ordnete ihn zuletzt als bürgerliches Aushängeschild der Partei ein und bezeichnete ihn zugleich als „Wolf im Schafspelz“.

Wahlziele, Koalitionsfragen und Kritik

Längere Zeit hatte Holm eine AfD-Alleinregierung in Schwerin als Ziel ausgegeben. Gegen Ende des Wahlkampfs zeigte er sich offener für Koalitionsgespräche und kündigte nach der Wahl an, alle Parteien einladen zu wollen. Es gehe darum, das Land „wieder auf Vordermann zu bringen“, sagte er. Konkrete Koalitionsoptionen, die ihm den Weg in die Staatskanzlei eröffnen könnten, sind am Wahlabend jedoch nicht in Sicht.

Im Wahlkampf lag die AfD lange deutlich vorn, bevor die SPD eine spürbare Aufholjagd hinlegte. Parteivertreter bescheinigen Holm nach der Wahl einen fleißigen und guten Wahlkampf, ein Landtagsabgeordneter deutet aber auch Kritik an. Man müsse prüfen, was man aus dem Wahlkampf lernen könne, und es müsse künftig nicht zwingend dieselbe Person an der Spitze stehen. Immer wieder fällt der Satz, Holm sei eben kein Siegmund.

Strategen und innerparteiliche Debatten

Vor der Wahl hatte der viel beachtete Vordenker Benedikt Kaiser auf der Plattform X kritisiert, Holm habe das Momentum aus Sachsen-Anhalt gestoppt. Er sprach von „völligem inhaltlichem, strategischem und wahlkämpferischem Versagen“ mit Auswirkungen auf die gesamte AfD. Politikwissenschaftler Muno beschrieb Holm als „Auslaufmodell“ und verwies darauf, dass andere Akteure, etwa Dario Seifert, mehr Einfluss hätten.

Der Kreisverband, aus dem Seifert stammt, gilt nach eigenen Angaben als mitgliederstärkster Ostdeutschlands. Der 32 Jahre alte Bundestagsabgeordnete übernahm in diesem Jahr den neu geschaffenen Posten des Generalsekretärs im Landesverband. Trotz des Wahlkampfs war Holm kurz vor der Landtagswahl auf der Facebook-Seite Seiferts schwer zu finden, während SPD-Generalsekretär Julian Barlen dort Ministerpräsidentin Manuela Schwesig oft präsentierte. Seifert wies den Eindruck zurück und betonte, Holm komme in vielen seiner zeitweise sichtbaren Beiträge vor, man habe zahlreiche gemeinsame Veranstaltungen absolviert.

Doppelspitze und Listenplatz-Frage

Holm bestritt den Wahlkampf zusammen mit Co-Landessprecher Enrico Schult als Doppelspitze. Ursprünglich hatte sich der Landesvorstand mehrheitlich für Schult als Spitzen- und Ministerpräsidentenkandidaten ausgesprochen, später einigte man sich auf Holm als Anwärter auf die Schweriner Staatskanzlei. Holm verzichtete auf einen Platz auf der AfD-Landesliste und setzte darauf, SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ihr Direktmandat in Schwerin abzunehmen. Schwesig warf ihm im Wahlkampf vor, sich damit den Rückweg nach Berlin offenzuhalten.

Schult gilt als Bildungsexperte der AfD-Landtagsfraktion und ist Vorsitzender der Landesprogrammkommission, die maßgeblich das Wahlprogramm verfasste. Im Kampf um Listenplatz 1 setzte er sich Anfang des Jahres bei einer Abstimmung gegen Nikolaus Kramer durch und löste ihn Mitte Juni auch als Fraktionsvorsitzenden ab.

AfD-Zuwachs und zurückgewiesene Personaldebatte

Über mögliche personelle Konsequenzen des Wahlausgangs zu diskutieren, bezeichnete Schult bereits kurz vor der Wahl als „völlig aberwitzig“. Er verwies auf den absehbaren Zugewinn im Vergleich zur Landtagswahl 2021, als die AfD 16,7 Prozent erreicht hatte. Man müsse sich ansehen, von welchem Ausgangsniveau die Partei komme, argumentierte er – und stellte den erwarteten Stimmenzuwachs als Erfolg dar, der unabhängig von Personaldebatten zu bewerten sei.

AfD-Sieg ohne Machtperspektive

Der Wahlsieg der AfD in Mecklenburg-Vorpommern markiert einen politischen Einschnitt, bleibt aber zunächst ohne direkte Regierungsoption. Zwar wird Leif-Erik Holm als Gewinner der Landtagswahl beschrieben, doch Koalitionsmöglichkeiten, die ihm den Weg in die Staatskanzlei öffnen könnten, sind am Wahlabend nicht erkennbar. Damit setzt sich ein Muster fort, das bereits in anderen Bundesländern zu beobachten war: Die AfD erzielt hohe Stimmenanteile, bleibt aber aufgrund klarer Abgrenzungsbeschlüsse der anderen Parteien von der Regierungsbildung ausgeschlossen.

Personaldebatten innerhalb der AfD

Die Agenturmeldung zeigt zugleich, dass der Wahlerfolg von innerparteilichen Machtfragen überlagert wird. Kritik aus dem parteinahen Umfeld, die Holm als „Auslaufmodell“ charakterisiert, verdeutlicht Spannungen zwischen einem eher bürgerlich auftretenden Lager und strategischen Vordenkern, die einen härteren Kurs bevorzugen. Die prominente Rolle von Dario Seifert und die innerparteiliche Aufwertung von Enrico Schult deuten darauf hin, dass in Mecklenburg-Vorpommern junge Funktionsträger Einfluss gewinnen, während über die künftige Rolle Holms zumindest hinter den Kulissen diskutiert wird. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass Wahlergebnisse und Personalfragen in der AfD eng miteinander verknüpft sind.

Folgen für Landespolitik und Parteienlandschaft

Für die Landespolitik im Nordosten ist entscheidend, wie die etablierten Parteien mit einer erstarkten AfD umgehen. Die SPD hat im Wahlkampf aufgeholt, dennoch steht sie einem deutlich gewachsenen rechten Lager gegenüber. Holms Ankündigung, alle Parteien zu Gesprächen einzuladen, dürfte auf die ablehnende Haltung der potenziellen Partner treffen. Gleichzeitig verschärft der Wahlausgang den Druck auf die anderen Parteien, eigene Strategien im Umgang mit der AfD zu überdenken – etwa durch inhaltliche Abgrenzung, stärkere Profilierung in der Migrations- und Sozialpolitik oder durch neue Koalitionsmodelle. Für die bundespolitische Diskussion liefert die Wahl damit ein weiteres Beispiel dafür, wie sich regionale Mehrheitsverhältnisse verändern, ohne dass daraus automatisch Regierungsbeteiligungen der AfD folgen.

Disclaimer...

de | politik | 70140141 |