Marinehafen Emden: Neuer Marinestandort an der Nordsee geplant
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 16:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Deutschland soll einen zweiten Marinehafen an der Nordseeküste bekommen: Nach dpa-Informationen soll der neue Militärstandort im ostfriesischen Emden entstehen.
Platz für Schiffe und Beschäftigte
Die Marine benötigt dafür eine Fläche von 40 Hektar mit einer Option auf weitere 10 Hektar. Geplant sind Liegeplätze für sieben Fregatten, zehn Minensucher und zehn Schlepper. Voraussichtlich soll dort eine vierstellige Zahl an Soldaten und zivilen Mitarbeitern tätig sein.
Der bislang einzige deutsche Marinehafen an der Nordseeküste liegt in Wilhelmshaven. Dort befinden sich neben dem Marinestützpunkt unter anderem ein Marinearsenal und ein Logistikzentrum.
Termin mit Pistorius und Lies
Verteidigungsminister Boris Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, beide SPD, werden am 5. Oktober in Emden erwartet. Nach einer Einladung der Staatskanzlei in Hannover wollen sie das „weitere Vorgehen hinsichtlich eines möglichen neuen Marinestützpunktes erläutern“.
An dem Termin sollen auch der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Wilhelm Tobias Abry, und Emdens erster Stadtrat Horst Jahnke, SPD, teilnehmen. Pistorius äußerte sich bei einem Termin in Bremen nicht zu einer möglichen Standortentscheidung.
Bremerhaven ebenfalls geprüft
Für die Standortsuche hatte sich die Marine in den vergangenen Monaten mehrere Küstenorte angeschaut. Dazu gehörte Bremerhaven, wo bereits militärische Güter bei Truppentransporten und Verlegeübungen umgeschlagen werden.
Zu den Kriterien und weiteren geprüften Orten wurden keine Einzelheiten bekannt. Das Verteidigungsministerium hatte zuletzt auf neue Standort- und Liegenschaftserfordernisse durch den geplanten Aufwuchs der Streitkräfte verwiesen.
Land warb für Emden
Die niedersächsische Landesregierung hatte sich für Emden als Marinestandort ausgesprochen. In der größten Stadt Ostfrieslands gab es bis 1997 einen Marinestützpunkt. Das Land verwies auf Niedersachsens besondere Bedeutung als Bundeswehrstandort und sein Interesse an einem starken Standort Emden.
Der Emder Hafen verfügt nach Angaben der landeseigenen Hafeninfrastrukturgesellschaft Niedersachsen Ports über das größte noch ungenutzte Flächenpotenzial unter den niedersächsischen Häfen. Als mögliche Fläche gilt der Rysumer Nacken, eine Hafenerweiterungsfläche an der Ems westlich der Stadt, die dem Land gehört.
Wilhelmshaven bleibt zentral
In Wilhelmshaven ist die Einsatzflottille 2 stationiert, zu der Fregatten, Einsatzgruppenversorger und Flottentanker gehören. Der Standort ist zugleich der größte Bundeswehrstandort in Deutschland.
Militärische Infrastruktur an der Küste
Der geplante Standort in Emden steht im Zusammenhang mit dem vorgesehenen Aufwuchs der Bundeswehr und neuen Anforderungen an Transport, Logistik und Einsatzbereitschaft. Die Marine benötigt dafür nicht nur Schiffe, sondern auch ausreichend große, belastbare Hafenflächen mit geeigneten Liegeplätzen und Verbindungen ins Hinterland.
Die genannten Kapazitäten würden den neuen Hafen zu einem bedeutenden Bundeswehrstandort machen. Sie umfassen Liegeplätze für sieben Fregatten, zehn Minensucher und zehn Schlepper sowie Arbeitsplätze für eine vierstellige Zahl an Soldaten und zivilen Beschäftigten. Für Emden wäre das ein erheblicher wirtschaftlicher und infrastruktureller Impuls.
Rysumer Nacken als Schlüsselfläche
Besondere Bedeutung hat die mögliche Nutzung des Rysumer Nackens westlich der Stadt. Die Fläche befindet sich im Eigentum des Landes und wurde bislang vor allem für zivile Hafenerweiterungen betrachtet. Eine militärische Nutzung würde daher neue Abstimmungen mit Hafenwirtschaft, Kommunen und Umweltbehörden erfordern.
Folgen für Norddeutschland
Mit Emden käme neben Wilhelmshaven ein zweiter deutscher Marinehafen an der Nordseeküste hinzu. Das könnte die Einsatz- und Logistikmöglichkeiten der Marine regional breiter verteilen, zugleich aber zusätzlichen Bedarf bei Verkehr, Wohnraum, Werften, Versorgung und Sicherheitsinfrastruktur auslösen. Die für den 5. Oktober angekündigte Erläuterung des weiteren Vorgehens dürfte deshalb auch für die zivile Entwicklung des Emder Hafens von Bedeutung sein.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
NDR: „Militär-Investition in Hafen Bremerhaven und Flughafen Bremen geplant“ (29.09.2026)
Der Bericht bestätige, dass Emden als möglicher Standort eines weiteren Marinehafens gelte, und benenne den Rysumer Nacken als mögliche Fläche. Anders als die dpa-Meldung stelle der Beitrag zugleich die militärische Bedeutung Bremerhavens sowie geplante Investitionen in Hafen und Flughafen heraus; als offene Frage bleibe die endgültige Standortentscheidung beschrieben.
