DIW kritisiert niedrige Besteuerung von Erbschaften: Wachsende Schieflage beim Vermögen
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 12:41 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Nach Ansicht von DIW-Präsident Marcel Fratzscher wird das wachsende Volumen der vererbten und verschenkten Vermögen in Deutschland häufig unterschätzt.
Anstieg der Erbschaftsteuer spiegelt Vermögenskonzentration
Die sprunghafte Zunahme der Steuereinnahmen aus Erbschaften und Schenkungen deutet für ihn darauf hin, dass die Babyboomer-Generation mit enormen Vermögenswerten alt wird – manche nennen das leise eine Wohlstandswelle, andere eine Schieflage.Rentenfrage: Generationenkonflikt oder Vermögensgerechtigkeit?
In der gegenwärtigen Rentendiskussion werde, so Fratzscher, viel Wert auf den finanziellen Ausgleich zwischen Jung und Alt gelegt – aber zu selten auf eine stärkere Beteiligung der Besitzenden. "Das meiste Geld wandert steuerfrei von einer Generation zur nächsten", merkt er kritisch an.Steuersätze: Arbeit wird stark belastet – Erbe kaum
Im letzten Jahr wechselten etwa 500 Milliarden Euro ihren Besitzer durch Schenkungen oder Erbschaften – davon floss nur ein Bruchteil, etwa vier Prozent, als Steuern an den Staat. Zum Vergleich: Arbeitslöhne werden mit bis zu 45 Prozent, der normale Konsum mit bis zu 19 Prozent besteuert. Dieses Missverhältnis sei, formuliert Fratzscher, kaum zu vermitteln.Prinzip Leistungsgerechtigkeit auf dem Prüfstand
Erb- und Schenkungssteuern sind für ihn ein Prüfstein der Leistungsgerechtigkeit. Denn die Weitergabe von Vermögensbestandteilen sei eben nicht das Resultat eigener Leistung, sondern ein "leistungsfreies Einkommen", das nicht niedriger besteuert werden sollte als Löhne oder Gehälter. Interessant an der Sache: Soziale Mobilität steht auf dem Spiel. Nebenbei – im Ausland schaut man oft verwundert auf die deutschen Erbschaftsregeln. Vielleicht ist ein wenig mehr Impuls aus der Debatte kein Fehler.Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung weist auf die ungleiche Verteilung von Vermögen in Deutschland hin, wie sie im Anstieg der von den Babyboomern vererbten Summen zutage tritt.
Steuereinnahmen im Kontrast zu Vermögensflut
Nur ein kleiner Teil der geerbten oder geschenkten Werte wird besteuert, während Einkommen oder Konsum wesentlich höhere Steuersätze tragen müssen. Fratzscher wendet sich gegen diese Ungleichheit und kritisiert, dass das Leistungsprinzip untergraben wird, wenn leistungslose Erträge wie Erbschaften kaum zur Finanzierung der Gesellschaft beitragen.Hintergrund und politische Diskussion
Aktuelle Diskussionen drehen sich sowohl um die Erneuerung des Rentensystems als auch um eine angemessene Erbschaftsbesteuerung. In Deutschland gilt die Vermögensungleichheit im internationalen Vergleich als weit überdurchschnittlich hoch. Erst kürzlich forderten auch andere Stimmen aus Politik und Wirtschaft, die steuerliche Behandlung von Erbschaften zu überdenken und gerechter zu gestalten.Zusätzliche Details aus aktuellen Medien
Nach neuen Daten des Statistischen Bundesamtes stiegen die Erbschaft- und Schenkungssteuereinnahmen im Jahr 2023 auf rund 11,4 Milliarden Euro, was einem Rekordwert entspricht (Quelle: FAZ). Die Ampel-Koalition diskutiert derzeit sowohl steuerliche Reformen als auch eine Reform der Rentenkasse, wobei Fragen der Generationengerechtigkeit und des Sozialstaats besonders im Mittelpunkt stehen (Quelle: Spiegel). Internationale Beobachter und Ökonomen empfehlen Deutschland regelmäßig, die steuerliche Bevorzugung von Erbschaften abzubauen, um den großen Wohlstandsunterschieden entgegenzuwirken (Quelle: Zeit).
- FAZ berichtet, dass laut neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes die Einnahmen aus Erbschaft- und Schenkungssteuer im vergangenen Jahr mit 11,4 Milliarden Euro einen neuen Höchststand erreicht haben; Experten begründen dies unter anderem mit immer größer werdenden Vermögen aus der Babyboomer-Generation, die zunehmend übertragen werden. Die gesellschaftliche Debatte über gerechtere Besteuerung flammt angesichts dieser Rekordzahlen erneut auf und wird auch von Experten des DIW befeuert. Aufgrund der bestehenden Steuerprivilegien profitieren vor allem wohlhabendere Haushalte besonders stark. (Quelle: FAZ)
- Der SPIEGEL thematisiert die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland vor dem Hintergrund der aktuellen Erbschaftssteuerdebatte sowie der geplanten Rentenreform. Die Politik diskutiert derzeit darüber, wie der Sozialstaat angesichts der wachsenden Kosten für die alternde Gesellschaft gestärkt werden kann und welche Rolle hierbei eine Reform der Erbschaftsbesteuerung spielen sollte. Zudem stehen Vorschläge im Raum, Vermögende stärker in die Pflicht zu nehmen. (Quelle: SPIEGEL)
- Die ZEIT greift auf, dass Wirtschaftsexperten in Deutschland eine stärkere Besteuerung von Erbschaften vorschlagen, um die Vermögenskluft abzufedern. Dabei wird betont, dass das aktuelle Steuersystem mit seiner niedrigen Erbschaftsteuer die Vermögenskonzentration mehr zementiert als abbaut. Angesichts der Rekordsummen, die jedes Jahr steuerlich weitgehend begünstigt weitergegeben werden, wächst der Druck auf die Regierung, grundlegende Änderungen einzuleiten. (Quelle: ZEIT)
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