Lufthansa erhält 44,9 Prozent an Portugals Airline TAP
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 15:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDetails zum TAP-Verkauf
- Die portugiesische Regierung verkauft mindestens 44,9 Prozent der TAP an Lufthansa.
- Der Transaktionswert beträgt einschließlich der fünf Prozent für Beschäftigte 1,201 Milliarden Euro.
- Die TAP soll ihre Flotte bis 2035 auf 117 Flugzeuge und nach dem neuen Flughafenbau auf 130 Maschinen ausbauen.
Lufthansa erhält Zuschlag für TAP-Beteiligung
Die Lufthansa will 44,9 Prozent an der portugiesischen Staatsairline TAP übernehmen. Die portugiesische Regierung erteilte dem deutschen Konzern dafür den Zuschlag; Verträge und die wettbewerbsrechtliche Genehmigung der EU stehen noch aus.
Staat bleibt zunächst Mehrheitseigner
Portugal verkauft mindestens 44,9 Prozent der Anteile an der Transportes Aéreos Portugueses. Einschließlich der für Beschäftigte reservierten fünf Prozent beläuft sich der Gesamtwert der Transaktion auf 1,201 Milliarden Euro.
Nutzen die Mitarbeiter ihr Erwerbsrecht nicht, kann Lufthansa auch diese Anteile übernehmen. Die Mehrheit bleibt zunächst beim portugiesischen Staat.
Lufthansa setzte sich gegen Air France-KLM durch
Im Bieterrennen war die British-Airways-Mutter IAG frühzeitig ausgestiegen. Von Lufthansa und Air France-KLM verlangte die Regierung nach den ersten Angeboten Nachbesserungen.
Für Lufthansa sprach nach Angaben der Regierung ein vollständig in Geldmitteln gezahlter Kaufpreis. Das Angebot sei 16 Prozent höher als das des Konkurrenten und mit geringeren Unsicherheiten verbunden.
Flotte soll deutlich wachsen
Lufthansa verpflichtet sich, die TAP-Flotte bis 2035 auf 117 Maschinen auszubauen. Nach der Fertigstellung des neuen Flughafens von Lissabon soll sie auf 130 Flugzeuge steigen.
Nach 2030 sollen zudem acht Airbus A350-900 von Lufthansa zu TAP wechseln. Auch die Flotte der Regionalgesellschaft Portugália soll modernisiert werden.
TAP ist saniert, aber nicht ohne Risiken
Der portugiesische Staat hatte eine Privatisierung aus dem Jahr 2015 während der Corona-Krise rückgängig gemacht und rund 3,2 Milliarden Euro in TAP investiert. Die Airline verfügt über gut 100 Airbus-Flugzeuge und erzielte 2025 das vierte Jahr in Folge einen Gewinn.
Der Gewinn betrug allerdings nur 4,1 Millionen Euro bei einem Umsatz von 4,3 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2026 schrieb TAP wegen hoher Kerosinpreise einen Verlust von 99,2 Millionen Euro.
Lissabon als Tor nach Brasilien
Die strategische Bedeutung von TAP liegt vor allem im Drehkreuz Lissabon und im engen Streckennetz nach Brasilien und Südamerika. Lufthansa ist auf der Iberischen Halbinsel bislang deutlich schwächer vertreten als die spanische IAG-Tochter Iberia.
Der Konzern will mit dem Einstieg seine Position gegenüber IAG und Air France-KLM stärken. TAP arbeitet bereits im Bündnis Star Alliance eng mit Lufthansa zusammen.
Vollständige Übernahme bleibt offen
Eine vollständige Übernahme ist nicht beschlossen. Lufthansa bewertet die gesamte portugiesische Airline einschließlich einer Kontrollprämie von rund 150 Millionen Euro mit 2,552 Milliarden Euro.
Für den Verkauf aller Anteile wäre ein eigenes Verfahren und die Unterstützung der Opposition im portugiesischen Parlament nötig. Als Teil des Angebots soll Portugal im Gegenzug fünf Prozent am Lufthansa-Konzern erhalten.
EU-Prüfung entscheidet über Spielraum
Für Passagiere können sich durch eine engere Zusammenarbeit zusätzliche Verbindungen und Kostenvorteile ergeben. Werden Strecken zusammengelegt oder entfällt Konkurrenz, könnten zugleich Angebot und Preiswettbewerb unter Druck geraten.
Deshalb muss die EU-Kommission den Einstieg wettbewerbsrechtlich prüfen. Beim Erwerb der italienischen Ita musste Lufthansa bereits Start- und Landerechte in Rom und Mailand an Wettbewerber abgeben.
Der geplante Einstieg bei TAP steht für die Südexpansion der Lufthansa. Mit Ita in Italien und TAP in Portugal würde der Konzern seine Präsenz an zwei wichtigen Mittelmeer- und Atlantikstandorten ausbauen und zugleich das bestehende Star-Alliance-Netz verdichten.
Für TAP ist Lissabon der zentrale Werttreiber. Der Flughafen verbindet Portugal mit Europa, Afrika und insbesondere Brasilien. Diese Verbindungen sind für die Lufthansa strategisch relevant, weil sie Zugang zu portugiesischsprachigen Märkten schaffen und das eigene Langstreckennetz ergänzen können.
Wettbewerb und Folgen für Reisende
Der Einstieg ist noch nicht gleichbedeutend mit einer vollständigen Übernahme. Zunächst bleibt der portugiesische Staat Mehrheitsaktionär; zudem steht die EU-Wettbewerbsprüfung aus. Wie beim Ita-Einstieg könnten Auflagen zu Start- und Landerechten erforderlich werden, falls die Kommission Nachteile für den Wettbewerb auf einzelnen Strecken sieht.
Für Passagiere hängt der Nutzen davon ab, wie eng Lufthansa und TAP ihre Flugpläne, Vielfliegerprogramme und Umsteigeverbindungen verzahnen. Möglich sind mehr Anschlussoptionen und eine stabilere Airline; auf Strecken mit weniger Konkurrenz könnten dagegen Preise und Auswahl unter Druck geraten.
Portugals industriepolitisches Ziel
Portugal verbindet mit dem Deal den Erhalt von Arbeitsplätzen, die Stärkung des Flughafens Lissabon und eine langfristige Modernisierung der Flotte. Die angekündigten Investitionen sollen TAP Wachstum ermöglichen, während Lufthansa mit dem Zuschlag ihre Stellung gegenüber IAG und Air France-KLM absichert.
