Long Covid: Arbeitsgruppe fordert bessere Versorgung für Patienten
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 11:04 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Arbeitsgruppe „Postinfektiöse Erkrankungen“ fordert eine bessere Versorgung für Menschen mit Long Covid und anderen postinfektiösen Erkrankungen. Nach Angaben der Gruppe reichen kleinere Änderungen im klinischen Ablauf oder die Umnutzung bestehender Medikamente nicht aus, um die medizinischen Herausforderungen zu bewältigen.
Versorgung weist Lücken auf
Mediziner Norbert Suttorp, Co-Sprecher der Arbeitsgruppe, erklärte, neuartige Krankheitsbilder wie Long Covid erforderten „wissenschaftliches Neuland“. Die Gruppe beschreibt Defizite an den Schnittstellen zwischen ambulanter, hausärztlicher und spezialisierter Versorgung sowie bei Akutkliniken und Reha-Zentren.
Leopoldina-Vizepräsidentin Regina Riphahn erklärte, die Erfahrungen mit Long Covid könnten helfen, sich auf künftige Pandemien vorzubereiten und Strategien für die Versorgung postinfektiöser Erkrankungen zu entwickeln. Langfristig könnten die wirtschaftlichen Kosten solcher Erkrankungen nach Einschätzung der Arbeitsgruppe 0,1 bis 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen.
Mehr Daten für Diagnostik und Forschung
Für eine bessere Diagnostik und Behandlung fordert die Arbeitsgruppe eine verbesserte Datenlage. In Deutschland gebe es zu wenige und nicht ausreichend miteinander verknüpfte Daten, die unter anderem bei der Suche nach Biomarkern für Long Covid helfen könnten.
Die elektronische Patientenakte biete die Chance, eine belastbare Datengrundlage für die Forschung zu schaffen. Voraussetzung sei, dass die Datenerhebung auf einer breiten Einwilligung der Erkrankten beruhe.
Prävention bleibt zentral
Die Mediziner betonen außerdem die Bedeutung der Prävention. Impfungen könnten nicht nur vor schweren Krankheitsverläufen, sondern auch vor postinfektiösen Erkrankungen schützen.
Long Covid umfasst anhaltende oder neu auftretende Beschwerden nach einer SARS-CoV-2-Infektion. Dazu können unter anderem Erschöpfung, Atemnot, Konzentrationsprobleme und Belastungsintoleranz gehören. Die Krankheitsbilder überschneiden sich teilweise mit anderen postinfektiösen Syndromen, unterscheiden sich aber in Verlauf und Ausprägung erheblich.
Die von der Arbeitsgruppe beschriebenen Probleme an den Übergängen zwischen Hausarztpraxen, Fachambulanzen, Akutkliniken und Reha-Einrichtungen betreffen damit einen zentralen Punkt der Versorgung: Betroffene benötigen häufig mehrere medizinische und therapeutische Ansprechpartner, während Zuständigkeiten und Behandlungsangebote regional unterschiedlich organisiert sind. Eine bessere Vernetzung könnte Untersuchungen bündeln und Doppelstrukturen vermeiden.
Daten als Grundlage für bessere Behandlung
Für Diagnostik und Therapie fehlt bislang ein einheitliches Bild darüber, welche biologischen Merkmale Long Covid zuverlässig kennzeichnen und welche Behandlung bei welchem Krankheitsverlauf hilft. Verknüpfte Versorgungs- und Forschungsdaten könnten die Suche nach Biomarkern unterstützen. Die elektronische Patientenakte kann dafür eine technische Grundlage schaffen, setzt aber eine rechtssichere und verständliche Einwilligung sowie hohe Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit voraus.
Folgen für Gesundheitswesen und Wirtschaft
Die genannte mögliche Belastung von 0,1 bis 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts macht deutlich, dass postinfektiöse Erkrankungen nicht nur eine individuelle, sondern auch eine gesundheits- und wirtschaftspolitische Bedeutung haben. Kosten entstehen unter anderem durch medizinische Behandlung, Rehabilitation, Arbeitsausfälle und längerfristige Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit.
Die Forderung nach Prävention ergänzt den Versorgungsansatz. Impfungen können das Risiko schwerer Infektionen senken; zugleich verweist die Arbeitsgruppe auf ihren möglichen Beitrag zur Vermeidung postinfektiöser Erkrankungen. Für künftige Pandemien wird deshalb entscheidend sein, Prävention, Forschung, Datenerhebung und Versorgung von Beginn an stärker miteinander zu verbinden.
