Landtagswahl, AfD

Landtagswahlen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern: AfD-Sieg, Linken-Triumph und Schwesigs Aufholjagd

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 19:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bei den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern liegen AfD und Linke vor der CDU, während SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig knapp an einem Sieg vorbeischrammt. Die Ergebnisse verschieben die politischen Kräfteverhältnisse und erhöhen den Druck auf die Parteien im Bund.

  • AfD-Chefin Alice Weidel (zweite von rechts) feiert mit der Berliner AfD und fordert von Bundeskanzler Friedrich Merz nach dem schlechten Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern Konsequenzen. - Bild: Britta Pedersen/dpa
    AfD-Chefin Alice Weidel (zweite von rechts) feiert mit der Berliner AfD und fordert von Bundeskanzler Friedrich Merz nach dem schlechten Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern Konsequenzen. - Bild: Britta Pedersen/dpa
  • AfD-Co-Chef Tino Chruppalla (links) spricht von einem «sensationellen Ergebnis» für seine Partei und feiert mit Mecklenburg-Vorpommerns AfD-Wahlsieger Leif-Erik Holm.  - Bild: Jens Büttner/dpa
    AfD-Co-Chef Tino Chruppalla (links) spricht von einem «sensationellen Ergebnis» für seine Partei und feiert mit Mecklenburg-Vorpommerns AfD-Wahlsieger Leif-Erik Holm. - Bild: Jens Büttner/dpa
  • Schwesig hat trotz Aufholjagd wohl knapp nicht gewonnen.   - Bild: Bernd Wüstneck/dpa
    Schwesig hat trotz Aufholjagd wohl knapp nicht gewonnen. - Bild: Bernd Wüstneck/dpa
  • Die Linke um Spitzenkandidatin Elif Eralp ist in Berlin im Freudentaumel.  - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
    Die Linke um Spitzenkandidatin Elif Eralp ist in Berlin im Freudentaumel. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
AfD-Chefin Alice Weidel (zweite von rechts) feiert mit der Berliner AfD und fordert von Bundeskanzler Friedrich Merz nach dem schlechten Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern Konsequenzen. - Bild: Britta Pedersen/dpa AfD-Co-Chef Tino Chruppalla (links) spricht von einem «sensationellen Ergebnis» für seine Partei und feiert mit Mecklenburg-Vorpommerns AfD-Wahlsieger Leif-Erik Holm.  - Bild: Jens Büttner/dpa Schwesig hat trotz Aufholjagd wohl knapp nicht gewonnen.   - Bild: Bernd Wüstneck/dpa Die Linke um Spitzenkandidatin Elif Eralp ist in Berlin im Freudentaumel.  - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Die Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern haben AfD und Linke deutliche Erfolge beschert und die CDU auf beiden Bühnen zurückgedrängt.

AfD setzt Serie von Wahlsiegen fort

In Berlin verbessert die AfD ihr Ergebnis Hochrechnungen zufolge deutlich und legt im Vergleich zur Wiederholungswahl von 2023 mehrere Prozentpunkte zu. Noch stärker fällt der Zuwachs in Mecklenburg-Vorpommern aus, wo die Partei ihren Stimmenanteil mehr als verdoppelt und nach Thüringen und Sachsen-Anhalt in einem dritten Bundesland stärkste Kraft wird. Co-Parteichef Tino Chrupalla sprach am Wahlabend von einem „sensationellen Ergebnis“ und kündigte an, die Erfolge ausgiebig zu feiern.

Für die AfD ist neben den eigenen Zahlen vor allem der schwache Auftritt der CDU von Bedeutung. In Mecklenburg-Vorpommern kommt die Union ersten Zahlen zufolge nur knapp über die Fünf-Prozent-Hürde, in Berlin verliert sie deutlich und könnte den Posten des Regierenden Bürgermeisters einbüßen. AfD-Chefin Alice Weidel wertet dies als Beleg für das Ziel ihrer Partei, die CDU langfristig zu verdrängen und selbst Regierungspartei zu werden.

Linke feiert historischen Sieg in Berlin

In der Hauptstadt gelingt der Linken ein historischer Erfolg: Nach ersten Hochrechnungen erreicht sie rund 25 Prozent und wird damit klar stärkste Kraft. Spitzenkandidatin Elif Eralp sprach auf der Wahlparty davon, Berlin gemeinsam zu verändern und zu einem besseren Ort zu machen; sie sieht in dem Ergebnis ein Signal, dass Liebe und Gerechtigkeit über Hass gesiegt hätten.

Noch Ende 2024 lag die Linke in Berliner Umfragen bei sechs bis sieben Prozent, bundesweit sogar nur bei zwei bis drei Prozent. Nun hat sie gute Chancen, mit Eralp erstmals die Regierende Bürgermeisterin zu stellen und damit ihr Gewicht in der Bundespolitik und im Bundesrat zu erhöhen. Der Politikwissenschaftler Stefan Marschall sieht darin Ausdruck einer tiefgreifenden Erneuerung: Die Linke sei urbaner, weiblicher, jünger, akademischer und stärker westdeutsch geprägt geworden und habe mit dem Thema hohe Mieten im städtischen Milieu gepunktet.

Regierungsverantwortung als Risiko für die Linke

Marschall warnt zugleich vor Risiken der Regierungsübernahme: Beim zentralen Wahlversprechen, große Wohnungskonzerne zu vergesellschaften, müsse die Linke mit potenziellen Koalitionspartnern SPD und Grünen womöglich weitreichende Kompromisse eingehen. Das könne für viele neue, sehr engagierte und stark links orientierte Mitglieder zur Belastungsprobe werden, wenn zentrale Forderungen nur abgeschwächt umgesetzt würden.

Schwesigs Aufholjagd in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern holt SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im Wahlkampf massiv auf. Lag sie vor einem Jahr in Umfragen fast 20 Punkte hinter der AfD, ist der Abstand am Wahlabend auf weniger als zwei Punkte geschrumpft. Der Sieg bleibt ihr nach den vorliegenden Zahlen zwar knapp verwehrt, dennoch kann sie voraussichtlich Ministerpräsidentin bleiben, etwa in einer Koalition mit Linken und Grünen.

Schwesig dürfte ihren Einfluss auf die Bundespolitik weiter ausbauen. Für die Parteichefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil ist sie eine unbequeme Stimme, weil sie sich wiederholt gegen Beschlüsse der Regierungskoalition gestellt hat, zuletzt bei der Abschaffung der Rente mit 63. Sie betont, nicht das zu tun, was Kanzler oder Bundespartei verlangten, sondern das, was aus ihrer Sicht den Menschen nütze.

Mögliche Folgen für die SPD-Führung

In der SPD stehen Bas und Klingbeil wegen schwacher Umfragewerte im Bund unter Druck. Ein Sturz der Parteispitze durch Schwesig gilt zwar nicht als wahrscheinlich, doch ihre starke Stellung im Nordosten verschafft ihr erheblichen Einfluss auf die bundespolitische Linie. Mit ihrer Haltung könnte sie in den kommenden Jahren faktisch zur Schattenvorsitzenden der SPD werden, die Parteiführung vor sich hertreiben und über die Länderpolitik indirekt Kurs auf Berlin nehmen.

Für 2029 wird ihr in der Partei bereits die Option einer Kanzlerkandidatur zugeschrieben – eine Perspektive, die durch die aktuelle Wahl und ihre knappe Aufholjagd zusätzlich Nahrung erhält.

Neue politische Gewichte in Bund und Ländern

Die parallelen Wahlerfolge von AfD und Linker in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin markieren eine weitere Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse in Deutschland. Während die AfD in nun drei ostdeutschen Bundesländern stärkste Kraft ist und sich als zentrale Oppositionsmacht gegen die Union inszeniert, gelingt der Linken erstmals der Sprung an die Spitze in der Hauptstadt. Beide Entwicklungen erhöhen den Druck auf die bisher dominierenden Volksparteien CDU und SPD, ihre strategische Ausrichtung zu überdenken.

Signalwirkung für Bundespolitik und Parteienlandschaft

Für die Bundespolitik ist vor allem bedeutsam, dass die AfD ihren Anspruch untermauert, perspektivisch die Rolle der CDU als führende konservative Kraft ablösen zu wollen. Ihre hohen Umfragewerte auf Bundesebene und die Serie von Wahlsiegen in Ostdeutschland stärken diese Erzählung und können Debatten über Koalitionsausschlüsse und mögliche Zusammenarbeit weiter verschärfen. Zugleich zeigt der Linken-Erfolg in Berlin, dass eine konsequent stadtpolitisch ausgerichtete, sozial-ökologische Agenda in urbanen Milieus wieder mehrheitsfähig sein kann – insbesondere mit Themen wie Mieten, sozialer Gerechtigkeit und einer jüngeren, diverseren Parteibasis.

Spannungen in der SPD und mögliche Konfliktlinien

Die starke Aufholjagd von Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern, trotz verfehltem Sieg, verschafft der SPD-Ministerpräsidentin zusätzliche Autorität in ihrer Partei. Ihre wiederholten Konflikte mit Entscheidungen der Bundesregierung weisen darauf hin, dass innerhalb der SPD die Spannungen zwischen Bundesführung und erfolgreichen Landesregierungen zunehmen können. Für die Koalitionspolitik in Berlin – sowohl im Bund als auch im Land – zeichnet sich ab, dass komplizierte Mehrheitsbildungen und harte Verhandlungen über zentrale Projekte wie Wohnungspolitik, Rentenfragen und den Umgang mit der AfD zur neuen Normalität werden.

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