Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern, Abgeordnetenhauswahl Berlin

Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern und Berlin: AfD vorne, Linke siegt – CDU stürzt ab

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 20:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Mecklenburg-Vorpommern stürzt die CDU auf ein Rekordtief, in Berlin wird die Linke um Spitzenkandidatin Elif Eralp klar stärkste Kraft. Die Ergebnisse erhöhen den Druck auf Kanzler Friedrich Merz und stellen die Koalitionsfrage in beiden Ländern neu.

  • Kanzler Merz sagt, am Ergebnisder CDU in Mecklenburg-Vorpommern gebe es nichts schönzureden. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa
    Kanzler Merz sagt, am Ergebnisder CDU in Mecklenburg-Vorpommern gebe es nichts schönzureden. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa
  • Der CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, muss eine Niederlage einstecken. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
    Der CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, muss eine Niederlage einstecken. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
  • Für die Berliner Linke ist es ein guter Abend. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
    Für die Berliner Linke ist es ein guter Abend. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Ganz vorn in Berlin: Die Linke Elif Eralp. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
    Ganz vorn in Berlin: Die Linke Elif Eralp. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Hat eine Aufholjagd hingelegt: Regierungschefin Schwesig. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa
    Hat eine Aufholjagd hingelegt: Regierungschefin Schwesig. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa
  • Das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern bezeichnete Merz als «Desaster». - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern bezeichnete Merz als «Desaster». - Bild: Michael Kappeler/dpa
Kanzler Merz sagt, am Ergebnisder CDU in Mecklenburg-Vorpommern gebe es nichts schönzureden. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa Der CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, muss eine Niederlage einstecken. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa Für die Berliner Linke ist es ein guter Abend. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Ganz vorn in Berlin: Die Linke Elif Eralp. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Hat eine Aufholjagd hingelegt: Regierungschefin Schwesig. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa Das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern bezeichnete Merz als «Desaster». - Bild: Michael Kappeler/dpa

Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus haben die politischen Kräfteverhältnisse in Deutschland deutlich verschoben und die CDU in eine schwere Krise gestürzt.

AfD siegt im Nordosten, CDU vor historischem Absturz

In Mecklenburg-Vorpommern liegt laut Hochrechnungen die AfD mit 37,9 Prozent deutlich vorn und wird damit nach Thüringen und Sachsen-Anhalt bereits in einem dritten Bundesland stärkste Kraft. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erreicht 35,7 Prozent und bleibt damit klar hinter der AfD zurück.

Die Linke fällt im Nordosten auf 6,5 bis 6,7 Prozent. Besonders hart trifft es die CDU: Sie rutscht auf 5 Prozent ab und verzeichnet damit ihr schlechtestes Ergebnis der Nachkriegsgeschichte in einem Land, im Bund und in Europa. Ob sie überhaupt im Landtag vertreten sein wird, ist offen. Auch die Grünen liegen mit 5,4 bis 5,6 Prozent im Bereich der Fünf-Prozent-Hürde, während das Bündnis Sahra Wagenknecht mit rund 4,9 Prozent und die FDP mit 1 Prozent voraussichtlich draußen bleiben.

Hohe Beteiligung und schwierige Regierungsbildung

Die Wahlbeteiligung in Mecklenburg-Vorpommern liegt nach den Zahlen zwischen 78 und 79 Prozent und damit deutlich höher als 2021. Die bisherige rot-rote Koalition unter Schwesig hat ihre Mehrheit verloren. Da alle etablierten Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen haben, ist offen, welche Konstellation künftig regieren wird. Möglich wäre etwa ein Dreierbündnis aus SPD, Linken und Grünen, sofern die Grünen im Landtag bleiben.

Linke wird stärkste Kraft in Berlin

In Berlin sackt die CDU laut Hochrechnungen auf 19,1 bis 19,7 Prozent ab und verliert damit deutlich im Vergleich zur Wahl 2023, als sie 28,2 Prozent erzielte. Die SPD kommt nur noch auf 11,8 bis 12,1 Prozent und erreicht damit ihr schlechtestes Ergebnis seit 1990.

Deutlich zulegen kann die Linke, die mit 25,3 bis 25,6 Prozent klar stärkste Kraft wird. Die Grünen erreichen 14,5 bis 15,3 Prozent, die AfD 15,1 bis 16,2 Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht liegt mit rund 5 bis 5,2 Prozent knapp über der Hürde und muss ebenfalls zittern. Die Wahlbeteiligung liegt in Berlin mit 73 bis 75 Prozent ebenfalls deutlich höher als zuletzt.

Koalitionsoptionen und mögliche Machtwechsel

Das bisherige Regierungsbündnis aus CDU und SPD in Berlin verliert seine Mehrheit. Als wahrscheinliche Option gilt nun eine Dreierkoalition aus Linken, Grünen und SPD. Die Grünen-Landesspitze spricht sich für ein solches Bündnis aus. Sollte die Linke mit ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp eine Regierung bilden können, würde die Hauptstadt erstmals seit der Wiedervereinigung sozialistisch regiert werden.

Eralp, bisher Vize-Fraktionschefin und im Wahlkampf mit dem Versprechen angetreten, „Miet-Abzocke“ zu stoppen, will Regierende Bürgermeisterin werden, damit die Menschen nach ihren Worten wieder ein besseres Leben in Berlin haben. Zugleich muss die Juristin sich mit innerparteilichen Debatten über Palästina-Aktivismus und Antisemitismus-Vorwürfe auseinandersetzen.

Druck auf Kanzler Merz und die Bundesparteien

Bundesweit verstärken die Wahlergebnisse den Druck auf Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz. Nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen und dem erneuten Absturz in Mecklenburg-Vorpommern sowie den Verlusten in Berlin wurde in der Union über seine Zukunft spekuliert.

Merz betonte am Abend, er wolle sowohl das Kanzleramt als auch den Parteivorsitz behalten und den Reformkurs seiner schwarz-roten Bundesregierung fortsetzen. Er erklärte, er wolle das Land voranbringen, die notwendigen Reformen müssten kommen. CDU-Vize Ines Claus sprach von einem Wahlabend, an dem die ganz Linken und die ganz Rechten gewonnen hätten und die politische Mitte geschwächt sei.

SPD mit Verlusten, AfD ohne Koalitionspartner

Auch die SPD muss am Wahlabend deutliche Einbußen hinnehmen. In Mecklenburg-Vorpommern bleibt sie mit Schwesig hinter der AfD zurück, in Berlin stürzt sie auf ein historisches Tief und verliert ihre Rolle als dominierende Hauptstadtpartei. Parteichef Lars Klingbeil fordert überzeugende Anstrengungen für Reformen und räumt ein, dass die Bundesregierung Veränderungen bislang nicht ausreichend sichtbar gemacht habe.

In Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD trotz ihres Sieges ohne Machtoption da, weil alle anderen Parteien eine Koalition mit ihr ausgeschlossen haben. Ihre Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel reklamieren dennoch einen Regierungsauftrag und verlangen den Rücktritt von Kanzler Merz. Auch in Berlin bleibt die AfD bei der Regierungsbildung außen vor, da die übrigen Parteien eine Zusammenarbeit mit der Rechtsaußenpartei ablehnen.

Personelle Konsequenzen in Berlin

In Berlin tritt die SPD mit dem neuen Spitzenkandidaten Steffen Krach an, nachdem die frühere Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey parteiintern zur Seite gerückt worden war. Krach bezeichnet das Ergebnis als katastrophal und erklärt, die SPD könne nicht mehr für sich beanspruchen, über Jahrzehnte die Berlin-Partei gewesen zu sein.

Linken-Bundesvorsitzender Luigi Pantisano sieht im Erfolg seiner Partei in Berlin ein deutliches Zeichen für einen Politikwechsel und eine Abwahl des Kanzlers. Wie sich die Mehrheitsverhältnisse in beiden Parlamenten konkret auf die Regierungsbildung auswirken, wird sich nach Auszählung aller Stimmen und den anstehenden Koalitionsverhandlungen entscheiden.

Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse

Die parallelen Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin markieren eine deutliche Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse in Deutschland. In Mecklenburg-Vorpommern wird mit der AfD als stärkster Kraft und der SPD knapp dahinter sichtbar, wie stark sich das Parteiensystem am rechten und linken Rand polarisiert, während die Mitte an Bindungskraft verliert. Die CDU verfehlt dort mit einem historischen Tiefstwert voraussichtlich sogar den Wiedereinzug in den Landtag und erlebt damit einen Einschnitt, der über das Bundesland hinausweist.

Druck auf Kanzler Merz und die große Koalition im Bund

Die erneute Wahlniederlage der CDU nach dem Debakel in Sachsen-Anhalt belastet unmittelbar die Autorität von Kanzler und Parteichef Friedrich Merz. Seine Ankündigung, trotz der Rückschläge an Reformkurs und Ämtern festzuhalten, zeigt, dass er eine grundlegende Richtungsdebatte in der Union vermeiden will. Zugleich geraten die unionsgeführte Bundesregierung und der Koalitionspartner SPD unter Rechtfertigungsdruck, weil beide Parteien in den beiden Ländern deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Die Frage, ob die große Koalition im Bund noch als Kraft glaubwürdig ist, die Wandel gestalten kann, dürfte die politische Diskussion der kommenden Wochen prägen.

Signalwirkung der Berliner Wahl und Koalitionsfragen

Die Wahl in Berlin hat symbolische Bedeutung, weil mit der Linken als stärkster Kraft und Elif Eralp als möglicher Regierender Bürgermeisterin eine politische Konstellation entsteht, die bundesweit Aufmerksamkeit findet. Ein mögliches Dreierbündnis aus Linken, Grünen und SPD würde die Hauptstadt erstmals seit der Wiedervereinigung unter einer sozialistischen Führung sehen und könnte Themen wie Mieten, soziale Gerechtigkeit und Stadtentwicklung stärker nach links rücken. Gleichzeitig bleibt die AfD trotz Zuwächsen sowohl in Berlin als auch in Mecklenburg-Vorpommern von Regierungsverantwortung ausgeschlossen, weil andere Parteien eine Zusammenarbeit ablehnen. Für die Leserinnen und Leser deutet sich damit eine Phase an, in der Koalitionsverhandlungen, innerparteiliche Konflikte und Diskussionen über Reformfähigkeit und Demokratieakzeptanz die politische Agenda bestimmen werden.

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