Künstliche Intelligenz: Experten verneinen aktuelle Auslöschungsgefahr
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 17:25 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSMehrere Experten halten ein Auslöschungsszenario durch eine außer Kontrolle geratene Künstliche Intelligenz derzeit nicht für realistisch. Sie sehen die größeren Risiken dort, wo Menschen KI gezielt einsetzen, um Schaden anzurichten.
Technische Grenzen heutiger KI-Systeme
Die Unternehmerin Elisabeth L`Orange sagte in der Sendung „ntv Talk Spezial - Die KI-Revolution“, sie gehe nicht davon aus, dass autonome Systeme irgendetwas ausrichten könnten. Sie verweist vor allem auf die technischen Grenzen heutiger Systeme und betont, dass Gefahren dort entstehen, wo Menschen KI für schädliche Zwecke nutzen.
Als Beispiel nennt sie Cyberangriffe, die mithilfe Künstlicher Intelligenz deutlich effektiver werden könnten. KI könne Angreifern helfen, komplexe Angriffsmuster zu automatisieren und zu verschleiern.
Verantwortung bei Menschen und Unternehmen
Auch Matthias Spielkamp, Geschäftsführer der Organisation Algorithm-Watch, hält wenig von der Vorstellung einer KI, die einen eigenen Willen entwickelt und sich der menschlichen Kontrolle entzieht. Die Annahme, KI entwickle einen eigenen Willen und breche aus dem Labor aus, sei „völliger Quatsch“, so Spielkamp.
Gleichwohl könne KI seiner Ansicht nach massive Schäden verursachen. Die Verantwortung dafür müsse aber bei den Menschen und Unternehmen liegen, die die Systeme entwickeln und einsetzen, nicht bei den Technologien selbst.
Kritik an Auslöschungswarnungen
Der frühere Bitkom-Präsident, Investor und Multi-Aufsichtsrat Achim Berg weist Warnungen vor einer Auslöschung der Menschheit durch KI scharf zurück. Das halte er für „totalen Blödsinn, totalen Unsinn und extrem kontraproduktiv“.
Berg sieht als wesentlich größere Gefahr die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz, Menschen individuell zu beeinflussen. Besonders problematisch könne es werden, wenn Menschen künftig Ergebnisse von KI-Systemen glaubten, obwohl sie deren Zustandekommen nicht mehr nachvollziehen könnten.
Risiken durch bewussten Missbrauch
Auch Wolf-Dieter Adlhoch, Vorstandsvorsitzender der Dussmann Group, sieht die unmittelbare Gefahr vor allem beim Menschen. Er halte das Risiko derzeit für größer, dass der Mensch die KI nutzt, um bewusst Schaden anzurichten.
Unternehmen und Gesellschaft müssten sich deshalb mit diesen Risiken auseinandersetzen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Chancen der Technologie im Blick behalten. Es gehe darum, Schutzmechanismen zu stärken und verantwortliche Einsatzformen zu fördern.
Die Aussagen der im ntv-Format diskutierenden Experten fügen sich in eine zunehmend differenzierte Debatte über Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz. Während prominente Tech-Persönlichkeiten in den vergangenen Jahren wiederholt vor existenziellen Risiken gewarnt haben, verschiebt sich der Schwerpunkt vieler Fachleute hin zu konkreten, bereits beobachtbaren Gefahren.
Aktuelle Diskussionslage zu KI-Risiken
Im Kern stellen die zitierten Stimmen klar, dass heutige KI-Systeme weder über einen eigenen Willen verfügen noch autonom aus Laboren „ausbrechen“. Sie betonen stattdessen die technischen Grenzen gegenwärtiger Modelle und die Tatsache, dass KI-Anwendungen stets in menschliche Entscheidungs- und Verantwortungsstrukturen eingebettet sind. Damit knüpfen sie an eine Linie der Forschung an, die vor allem auf algorithmische Verzerrungen, mangelhafte Datengrundlagen und fehlerhafte Implementierungen hinweist.
Gleichzeitig verweisen die Experten auf reale Gefahren: KI-gestützte Cyberangriffe, automatisierte Manipulationskampagnen und die massenhafte Generierung von Täuschungsinhalten gehören bereits heute zum Instrumentarium krimineller und politischer Akteure. Die Warnung, dass Menschen Ergebnissen von KI-Systemen glauben könnten, ohne deren Zustandekommen zu verstehen, zielt auf diese Gemengelage aus Intransparenz und Vertrauensvorschuss.
Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft
Für Unternehmen und Gesellschaft ergibt sich daraus ein doppelter Auftrag. Einerseits gilt es, Sicherheitsstandards, Regulierung und Aufklärung so weiterzuentwickeln, dass Missbrauch und Fehlanreize eingedämmt werden. Andererseits sollen die wirtschaftlichen Potenziale – von effizienteren Serviceprozessen bis zu neuen datengetriebenen Geschäftsmodellen – genutzt werden, ohne die Kontrolle über Einsatzgrenzen und Verantwortlichkeiten zu verlieren. Die Debatte verschiebt sich damit weg von spekulativen Weltuntergangsszenarien hin zu der praktischen Frage, wie KI-Systeme verantwortungsvoll gestaltet und eingesetzt werden.
