Kospi stürzt nach US-Wahl zeitweise um neun Prozent ab
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 09:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIndexstände und betroffene Chipkonzerne
- Der Kospi rutschte im Frühhandel zunächst um knapp neun Prozent ab und fiel erstmals seit Februar unter 5.000 Punkte.
- Der Nikkei 225 schloss 5,9 Prozent tiefer bei 57.434,77 Punkten.
- Der CSI-300-Index verlor 1,4 Prozent, der Hang-Seng-Index 1,3 Prozent und der australische S&P ASX 200 0,49 Prozent.
Asiens Technologiebörsen folgen dem US-Ausverkauf
Die Aktienmärkte in Fernost haben deutlich verloren und die Verkaufswelle aus den USA aufgenommen. Auslöser sind Sorgen, dass der Sieg der Demokraten bei den US-Kongresswahlen zu einer strengeren Regulierung der Künstlichen Intelligenz und zu Verzögerungen bei Rechenzentrumsprojekten führen könnte.
Kospi verliert zeitweise fast neun Prozent
Besonders stark fiel der Rückgang an den technologielastigen Börsen in Südkorea, Japan und Taiwan aus. Der südkoreanische Kospi brach im Frühhandel um knapp neun Prozent ein und rutschte erstmals seit Februar unter 5.000 Punkte, bevor er das Minus auf sechs Prozent verringerte.
Stabilisierte US-Futures federten die Verluste etwas ab. Im Jahresverlauf lag der Kospi dennoch weiterhin gut 20 Prozent im Plus, hatte seit seinem Rekordhoch von fast 9.400 Punkten im Juni aber fast die Hälfte eingebüßt.
Chipwerte geben deutlich nach
Die Aktien der Speicherchip-Produzenten SK Hynix und Samsung gaben deutlich nach. Beide Unternehmen hatten im Sommer maßgeblich vom Boom am südkoreanischen Aktienmarkt profitiert.
Auch in Taiwan belastete der Kurs des Schwergewichts TSMC den Markt. Der Philadelphia Semiconductor Index hatte am Donnerstag zugleich seine stärksten Verluste seit dem Corona-Einbruch 2020 verzeichnet.
Nikkei verliert knapp sechs Prozent
Der Nikkei 225 beendete den Handel 5,9 Prozent tiefer bei 57.434,77 Punkten. Neben Technologiewerten belasteten auch die wieder gestiegenen Ölpreise die japanischen Aktien.
Chinesische Märkte weniger stark betroffen
Die chinesischen Börsen kamen vergleichsweise glimpflich davon. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Werten vom Festland sank um 1,4 Prozent, der Hang-Seng-Index in Hongkong gab 1,3 Prozent nach.
Der australische S&P ASX 200 verlor wegen seiner geringeren Abhängigkeit vom Technologiesektor lediglich 0,49 Prozent und schloss bei 9.020,80 Punkten.
Der Ausverkauf folgt auf eine Neubewertung der politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für den KI-Ausbau in den USA. Der Sieg der Demokraten bei den Kongresswahlen erhöht aus Sicht der Anleger die Wahrscheinlichkeit, dass Rechenzentren, Energieverbrauch und Investitionen der Technologiebranche stärker reguliert werden könnten.
Für die asiatischen Märkte ist das besonders relevant, weil Unternehmen wie SK Hynix, Samsung Electronics und TSMC stark vom weltweiten Ausbau von KI-Rechenzentren und der Nachfrage nach Hochleistungsspeichern profitieren. Sinkende Gewinnerwartungen oder ein langsamerer Kapazitätsausbau treffen daher nicht nur einzelne Technologiewerte, sondern auch wichtige Börsenindizes in Ländern mit hoher Halbleiterabhängigkeit.
Bewertungen stehen unter Druck
Die Kursverluste spiegeln zugleich die hohe Bewertung vieler KI- und Chipunternehmen wider. Je größer die bisherigen Erwartungen an Wachstum und Investitionen waren, desto empfindlicher reagieren die Aktien auf politische Risiken, steigende Finanzierungskosten oder Zweifel am Tempo der Nachfrage.
Zusätzlichen Druck erzeugen die wieder gestiegenen Ölpreise und die schwächere Entwicklung an der Wall Street. Dass chinesische Märkte und der australische Leitindex vergleichsweise weniger nachgeben, zeigt die unterschiedliche Branchenstruktur: Technologielastige Börsen reagieren stärker auf Veränderungen im KI-Narrativ als breit diversifizierte Märkte.
Folgen für Anleger und Unternehmen
Für Anleger rückt damit die Frage in den Vordergrund, ob die hohen Investitionen der vergangenen Jahre tatsächlich dauerhaft hohe Erträge rechtfertigen. Unternehmen müssen mögliche Verzögerungen bei Rechenzentren, strengere Genehmigungen und veränderte politische Prioritäten in ihre Planungen einbeziehen.
Die Kursbewegungen allein entscheiden noch nicht über den langfristigen KI-Ausbau. Sie erhöhen aber den Druck auf die Branche, Nachfrage, Margen und konkrete Projekte nachvollziehbarer zu belegen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: „Marktbericht: Aus Wahleuphorie wird Wahlkater“ (06.11.2026)
Der Beitrag berichtet ebenfalls über den kräftigen Rückgang des Kospi und ordnet ihn in die Reaktion der internationalen Märkte auf die US-Wahlen und die KI-Sorgen ein. Der Schwerpunkt liegt stärker auf dem Übergang von der anfänglichen Börsenbegeisterung zur Ernüchterung an den Märkten.
n-tv: „06:54 Audi plant noch größeres US-Werk“ (06.11.2026)
Der Börsenbericht nennt ebenfalls deutliche Verluste bei SK Hynix und Samsung Electronics. Anders als die dpa-Meldung bündelt der Beitrag die Chipbewegungen mit weiteren aktuellen Unternehmens- und Marktmeldungen.
Übereinstimmend steht die Belastung von Technologiewerten nach der US-Wahl im Mittelpunkt. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Fokus: Während die dpa-Meldung die regionale Breite des Ausverkaufs und die Indexentwicklung hervorhebt, setzen die anderen Beiträge eigene Schwerpunkte bei Marktstimmung und Einzelwerten.
