Kommunalwahlen Niedersachsen: OBs in vier Großstädten vor Stichwahl
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 19:54 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSIn Niedersachsens vier größten Städten müssen die amtierenden Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister ihre Ämter in zwei Wochen in Stichwahlen verteidigen. Nach den Kommunalwahlen am Sonntag zeichnet sich in allen Fällen ein Vorsprung der jeweiligen Amtsinhaber ab, eine direkte Entscheidung im ersten Wahlgang blieb jedoch aus.
Hannover: Onay deutlich vor von der Ohe
In Hannover tritt Oberbürgermeister Belit Onay von den Grünen gegen seinen SPD-Herausforderer Axel von der Ohe an. Nach Auszählung von etwas mehr als der Hälfte der Stimmen kam Onay auf 44 Prozent, von der Ohe erreichte 22 Prozent. CDU-Kandidat Peter Karst, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, lag nach dem Zwischenstand im Bereich von rund 13 Prozent und lieferte sich ein knappes Rennen um Platz drei mit der AfD-Landtagsabgeordneten Jessica Schülke, die ebenfalls bei etwa 13 Prozent lag.
Braunschweig: Kornblum mit klarem Vorsprung
In Braunschweig muss Oberbürgermeister Thorsten Kornblum von der SPD sein Amt voraussichtlich gegen den CDU-Kandidaten Maximilian Pohler verteidigen. Bei Auszählung von rund zwei Dritteln der Stimmen lag Kornblum bei etwa 43 Prozent, Pohler bei knapp 16 Prozent. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Mirco Hanker erreichte mit rund 14 Prozent ein knapp dahinterliegendes Ergebnis, während Grünen-Kandidat Michael Walther auf einem ähnlichen Zustimmungsniveau lag.
Osnabrück: Pötter gegen Bajus
In Osnabrück kommt es zur Stichwahl zwischen der CDU-Amtsinhaberin Katharina Pötter und dem Grünen-Politiker Volker Bajus. Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen lag Pötter bei etwa 42 Prozent, Bajus bei 22 Prozent. Der SPD-Kandidat Robert Alferink erreichte rund 17 Prozent und landete damit auf Platz drei. Die weiteren Bewerber Thomas Groß (Linke) und Thorsten Wassermann (AfD) blieben mit Ergebnissen zwischen 8 und 9 Prozent deutlich zurück.
Oldenburg: Duell zwischen Rohr und Prange
In Oldenburg gehen Jascha Rohr von den Grünen und Ulf Prange von der SPD in die Stichwahl. Nach Auszählung von 85 Prozent der Stimmen lag Prange mit etwa 33 Prozent einige Punkte vor Rohr, der auf rund 30 Prozent kam. Der bisherige Oberbürgermeister Jürgen Krogmann von der SPD war nach zwölf Jahren im Amt nicht erneut angetreten. Die AfD stellte in Oldenburg keinen eigenen Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt auf.
Landesweiter Ausgang und Blick auf die AfD
Mit Spannung erwartet wird nun das landesweite Ergebnis der Wahlen zu Stadt- und Kreisparlamenten, das voraussichtlich erst am Montag vorliegt. Aus den kommunalen Stimmanteilen wollen die Parteien Hinweise auf die aktuelle politische Stimmung im Bundesland ableiten, insbesondere mit Blick auf ein mögliches Erstarken der AfD. Bei den letzten Kommunalwahlen 2021 hatte die Partei landesweit 4,6 Prozent erreicht und gegenüber 2016 um mehr als drei Prozentpunkte verloren. In Umfragen zur nächsten Landtagswahl am 26. September 2027 wird die AfD hingegen derzeit bei rund 20 Prozent gesehen.
Die Kommunalwahlen in Niedersachsen gelten als wichtiger Stimmungstest vor der nächsten Landtagswahl im Herbst 2027. In den vier größten Städten des Landes kommt es nun zu Stichwahlen um das Amt des Oberbürgermeisters, was die Fragmentierung der Parteienlandschaft und den Bedeutungsverlust klarer Mehrheiten in urbanen Räumen sichtbar macht.
Wachsende Konkurrenz und zersplitterte Stadtlandschaften
In Hannover, Braunschweig, Osnabrück und Oldenburg treten jeweils mehrere große Parteien mit starken Persönlichkeiten an. Dass kein Kandidat die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang erreicht hat, verweist auf eine heterogene Wählerschaft, in der klassische Milieus von SPD und CDU nicht mehr automatisch zu klaren Mehrheiten führen. Zugleich zeigt sich: Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber können sich trotz knapper Ressourcen im kommunalen Alltag behaupten, müssen ihren Kurs aber in der Stichwahl gezielt breiter legitimieren.
Auffällig ist die Bandbreite der Konstellationen: In Hannover und Oldenburg stehen Grüne gegen SPD, in Braunschweig SPD gegen CDU und in Osnabrück CDU gegen Grüne. Diese Vielfalt spiegelt wider, dass Kommunalpolitik stark von lokalen Themen und Personen geprägt ist und weniger entlang klassischer Lagertrennlinien verläuft. Strategische Mobilisierung in der Stichwahl – etwa durch Unterstützung unterlegener Kandidaten – wird nun entscheidend.
AfD zwischen kommunaler Schwäche und Umfragehöhe
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Abschneiden der AfD. Landesweit lag die Partei bei der Kommunalwahl 2021 nur bei 4,6 Prozent, obwohl sie damals gegenüber 2016 bereits an Boden verloren hatte. Nun wird mit Spannung erwartet, ob sie in Stadt- und Kreisparlamenten stärker zulegt, denn in aktuellen Umfragen zur Landtagswahl 2027 liegt sie bei rund 20 Prozent. Dieser Kontrast zeigt, dass die AfD auf kommunaler Ebene zwar teils deutlich schwächer ist als in landesweiten Stimmungslagen, ihre Präsenz in Stadträten und Kreistagen aber dennoch spürbar zunehmen könnte.
Ausblick auf die Stichwahlen und die Landespolitik
Für die großen Parteien ist der Ausgang der Stichwahlen mehr als eine Personalentscheidung. Er liefert Hinweise darauf, wie tragfähig ihre kommunalen Netzwerke, ihre lokalen Themen und ihre Fähigkeit zur Bündnisbildung sind. Gewinne oder Verluste in den vier größten Städten werden landespolitisch genau beobachtet, weil Oberbürgermeister in der öffentlichen Wahrnehmung wichtige Gesichter ihrer Parteien sind. Zugleich bleibt offen, ob sich die kommunalen Trends der AfD – schwächer, aber wachsend – langfristig mit den deutlich höheren Landesumfragewerten angleichen werden oder ob Stadtpolitik ein eigenes Korrektiv bleibt.
