Machtmissbrauch in Kliniken, Fehlerkultur im Krankenhaus

Kliniken: Verbände planen Runden Tisch gegen Machtmissbrauch

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 11:20 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Spitzenverbände aus Medizin und Pflege wollen mit einem Runden Tisch gegen Machtmissbrauch, sexuelle Belästigung und ein Klima des Schweigens vorgehen. Im Mittelpunkt stehen vertrauliche Beschwerdewege und bessere Führung in Krankenhäusern.

Beschwerden und Führung in Kliniken

  • Susanne Johna bezeichnete Machtmissbrauch im ärztlichen Arbeitsalltag als strukturelles Problem.
  • Der Runde Tisch basiert auf einem gemeinsamen Leitbild für eine respektvolle Arbeitskultur im Krankenhaus.
  • Marburger Bund, Deutscher Pflegerat und Deutsche Krankenhausgesellschaft sehen Auswirkungen auf die Patientenversorgung.
Vorstellung Runder Tisch gegen Machtmissbrauch im Krankenhaus am 04.11.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Verbände beraten über Machtmissbrauch in Kliniken

Spitzenverbände aus Medizin, Pflege und Krankenhäusern wollen mit einem Runden Tisch die Fehler- und Führungskultur in Kliniken verbessern. Anlass sind Erhebungen zu Machtmissbrauch und sexueller Belästigung im ärztlichen Arbeitsalltag.

Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bundes, bezeichnete das Problem am Mittwoch in Berlin als strukturell.

Leitbild soll Schutz und Transparenz schaffen

Grundlage des Runden Tisches ist ein gemeinsames Leitbild für eine respektvolle Arbeitskultur im Krankenhaus. Beschäftigte sollen Grenzüberschreitungen ansprechen können, ohne Nachteile befürchten zu müssen.

Johna fordert unabhängige und vertrauliche Beratungs- und Beschwerdestellen. Meldewege müssten leicht zugänglich sein, die Abläufe transparent.

Hierarchien begünstigen Schweigen

Als einen wesentlichen Grund nannte Johna die hierarchischen Strukturen in Kliniken. Endentscheidungen seien zwar notwendig, zugleich habe sich über Jahre ein „habituelles Schweigen zu so einem Fehlverhalten“ entwickelt.

Machtmissbrauch könne sich in einem respektlosen oder herablassenden Umgangston, systematischer Herabsetzung, öffentlicher Bloßstellung sowie geschlechtsbezogener Diskriminierung äußern. Auch Benachteiligungen in der ärztlichen Weiterbildung gehörten dazu.

Führung beeinflusst Patientenversorgung

Nach Ansicht Johnas kann Machtmissbrauch indirekt Folgen für Patienten haben. Beschäftigte müssten bereit sein, auf mögliche Fehler hinzuweisen.

Christine Denk, Geschäftsführerin des Deutschen Pflegerats, verwies auf die Folgen einer Kultur der Angst und eines missbräuchlich ausgelebten Hierarchie- und Machtgefälles. Dies könne die Behandlung und Versorgung verschlechtern.

Auch Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, betonte den Zusammenhang zwischen einer positiven Fehlerkultur und der Patientenversorgung.

Die von den Verbänden geforderte Fehlerkultur berührt einen zentralen Zusammenhang im Klinikbetrieb: Medizinische Entscheidungen entstehen in Teams, in denen Informationen häufig über mehrere Hierarchieebenen weitergegeben werden. Wenn Beschäftigte aus Angst vor Nachteilen schweigen, können Warnhinweise verspätet oder gar nicht bei den Verantwortlichen ankommen.

Der Runde Tisch setzt deshalb nicht nur bei individuellem Fehlverhalten an. Das gemeinsame Leitbild soll Regeln für den Umgang miteinander festlegen und zugleich Strukturen schaffen, in denen Betroffene Vorfälle vertraulich melden können. Entscheidend ist, dass Beratungs- und Beschwerdestellen unabhängig arbeiten, bekannt sind und Verfahren nachvollziehbar bleiben.

Führung wird zum Qualitätsfaktor

Für Krankenhäuser hat das Thema eine doppelte Bedeutung. Respekt und Schutz vor Machtmissbrauch betreffen zunächst die Arbeitsbedingungen von Ärzten, Pflegekräften und weiteren Beschäftigten. Zugleich kann eine offene Kommunikation die Patientensicherheit stärken, weil Fehler, Risiken und fachliche Zweifel früher angesprochen werden.

Die Forderung, Leitungspositionen nicht allein nach medizinischer Qualifikation zu besetzen, zielt daher auf einen strukturellen Wandel. Kliniken müssen Führung auch als Verantwortung für Personal, Zusammenarbeit und sichere Abläufe verstehen. Das geplante gemeinsame Vorgehen kann dafür einen Rahmen liefern; wirksam wird es erst, wenn die Leitlinien in Auswahlverfahren, Beschwerdewege und den Stationsalltag einfließen.

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