Klimaneutralität 2045 kostet Deutschland sechs Billionen Euro
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 11:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVerkehr prägt die Investitionssumme
- Prognos beziffert die nötigen Investitionen bis 2045 auf etwa 6.000 Milliarden Euro.
- Verbraucher und Unternehmen müssten den größten Teil finanzieren, der Staat trüge laut Studie 12 Prozent.
- Rund 145 Milliarden Euro pro Jahr entfielen zusätzlich auf die Umstellung gegenüber einem fossilen Szenario.
Deutschland müsste nach einer Studie des Prognos-Forschungsinstituts im Auftrag der KfW bis 2045 rund sechs Billionen Euro investieren, um klimaneutral zu werden.
Bruttosumme enthält ohnehin nötige Ausgaben
Die Studie umfasst den Zeitraum von 2025 bis 2045. In diesem Zeitraum wären Investitionen auch dann erforderlich, wenn Deutschland an Kohle, Öl und Gas festhielte, etwa für den Ersatz von Fahrzeugen, Gebäuden und Anlagen.
Deshalb fällt der zusätzliche Klimaschutzaufwand deutlich niedriger aus als die Bruttosumme. Von den durchschnittlich etwa 290 Milliarden Euro pro Jahr blieben nach der Berechnung rund 145 Milliarden Euro, die durch die Umstellung zusätzlich anfielen.
Verkehr verursacht größten Anteil
Fast die Hälfte des gesamten Investitionsbedarfs entfällt auf den Verkehr. Im Mittelpunkt stehen klimafreundlichere Antriebe bei Pkw. Weil Fahrzeuge ohnehin ersetzt würden und sich der Preisabstand zwischen Elektroautos und Verbrennern verringere, müsse der Nettoaufwand in diesem Bereich nur um knapp ein Fünftel steigen.
Energiesystem muss umgebaut werden
Etwa ein Viertel der sechs Billionen Euro entfällt auf den Energiesektor. Vor allem Stromnetze müssen ausgebaut werden, wenn Wind- und Solarenergie eine größere Rolle übernehmen. In diesem Bereich seien besonders viele staatliche Investitionen erforderlich.
Gebäude und Industrie vor hohen Aufgaben
Rund ein Fünftel der Investitionen betrifft den Gebäudesektor, vor allem Wohngebäude. Dort fällt laut Studie ein besonders großer Anteil als zusätzliche Klimaschutzinvestition an.
Auf die Industrie entfällt knapp ein Zehntel. Betroffen seien vor allem wenige energieintensive Unternehmen, die Produktionsprozesse und Geschäftsmodelle verändern sowie hohe Summen in neue Anlagen investieren müssten.
Weniger Energieverbrauch möglich
Die Autoren sehen neben den Kosten auch finanzielle Vorteile. Deutschland importierte zuletzt fossile Energieträger im Wert von durchschnittlich rund 81 Milliarden Euro pro Jahr. Der Umstieg könne diese Abhängigkeit verringern und die Kosten für Energieimporte senken.
Wärmepumpen und Elektroautos nutzten Energie effizienter als fossile Technologien. Zusammen mit Energiesparmaßnahmen könne der Energieverbrauch bis 2045 je nach Szenario um 26 bis 35 Prozent sinken. Zudem wachse der globale Markt für saubere Technologien laut Studie zuletzt um 9,6 Prozent pro Jahr.
Gesetzliches Ziel für 2045
Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein. Die Berechnungen beruhen auf mehreren Szenarien und stellen Durchschnittswerte dar; 2024 war das letzte Jahr mit gesicherten Investitionsdaten.
Investitionsbedarf verteilt sich auf mehrere Bereiche
Die Studie betrachtet nicht nur staatliche Klimaschutzprogramme, sondern sämtliche Investitionen, die bis 2045 für den Umbau von Verkehr, Energieversorgung, Gebäuden und Industrie erforderlich wären. Dadurch fällt die Bruttosumme von sechs Billionen Euro deutlich höher aus als der zusätzliche Finanzierungsbedarf. Entscheidend für die politische Debatte ist deshalb die Nettogröße von rund 145 Milliarden Euro pro Jahr.
Verkehr und Energie als zentrale Hebel
Der Verkehrssektor trägt den größten Anteil, obwohl ein Teil der Ausgaben ohnehin für den Ersatz alter Fahrzeuge anfiele. Beim Energiesystem ist der zusätzliche Aufwand größer, weil Stromerzeugung, Netze und Speicher auf einen höheren Anteil erneuerbarer Energien ausgerichtet werden müssen. Besonders bei den Netzen entstehen Aufgaben, die einzelne Haushalte oder Unternehmen nicht allein bewältigen können.
Folgen für Staat, Unternehmen und Verbraucher
Dass der Staat laut Studie nur 12 Prozent der Bruttoinvestitionen tragen müsste, bedeutet nicht, dass seine Rolle gering wäre. Öffentliche Netze, Förderbedingungen und Planungssicherheit beeinflussen, ob private Investitionen tatsächlich ausgelöst werden. Für Verbraucher stehen vor allem Fahrzeuge, Heizungen und Gebäude im Mittelpunkt; für energieintensive Unternehmen können neue Produktionsanlagen und dauerhaft höhere Kosten entscheidend werden.
Die wirtschaftliche Wirkung reicht über die Ausgaben hinaus. Weniger fossile Importe könnten die Abhängigkeit von internationalen Preisen verringern, während klimafreundliche Technologien neue Märkte eröffnen. Zugleich bleibt die Finanzierung eine Verteilungsfrage: Investitionen fallen heute an, Einsparungen bei Energieimporten und vermiedene Klimaschäden wirken teilweise erst später.
