Kinderschutzbund, sexuelle Gewalt im Netz

Kinderschutzbund fordert mehr Schutz für Kinder im Netz

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 07:27 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Sabine Andresen verlangt politische Konsequenzen aus den Erfahrungen von mehr als 3.000 Betroffenen. Besonders Plattformanbieter müssten Kinder nach ihrer Forderung besser vor sexualisierter Gewalt und KI-generierten Darstellungen schützen.

Kinderschutzbund fordert mehr Schutz vor sexueller Gewalt im Netz
Netzwerk-Patchpanel (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Mehr als 3.000 Berichte in zehn Jahren

  • Die Aufarbeitungskommission legte erstmals einen Bericht direkt an Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung vor.
  • Mehr als 3.000 Menschen vertrauten der Kommission in den vergangenen zehn Jahren ihre Erfahrungen an.
  • Sabine Andresen fordert, Plattformen von Beginn an sicher zu gestalten und konsequent gegen sexualisierte Gewalt vorzugehen.

Die Präsidentin des Kinderschutzbundes, Sabine Andresen, fordert angesichts des Berichts der Bundesmissbrauchsbeauftragten Kerstin Claus mehr Einsatz gegen sexuelle Gewalt im Internet. Die Erfahrungen der Betroffenen dürften nicht länger nur dokumentiert werden, sondern müssten politische Konsequenzen haben.

Bericht erstmals direkt an staatliche Stellen

„Dass die Aufarbeitungskommission nun erstmals einen eigenen Bericht direkt an Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung vorlegt, ist ein wichtiger Schritt“, sagte Andresen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Bundesmissbrauchsbeauftragte Claus hatte den ersten Bericht nach der gesetzlichen Verankerung ihres Amtes im vergangenen Jahr am Dienstag gemeinsam mit der unabhängigen Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs präsentiert.

Digitale Gewalt erreicht Kinder über Plattformen

Aus den mehr als 3.000 anvertrauten Geschichten erwachse eine Verantwortung für die Politik und für Institutionen, in denen Kinder und Jugendliche sexualisierte Gewalt erfahren hätten. Andresen betonte, sexualisierte Gewalt finde längst auch über Chats, soziale Netzwerke und digitale Plattformen statt.

Durch künstliche Intelligenz entstünden zusätzliche Gefahren. Aus harmlosen Kinderfotos könnten sexualisierte Darstellungen erzeugt werden.

Anbieter sollen Schutz fest verankern

Die Verantwortung für den Schutz dürfe nicht allein bei Kindern und Eltern liegen, erklärte die Kinderschutzbund-Präsidentin. Anbieter müssten verpflichtet werden, ihre Plattformen von vornherein sicher zu gestalten und konsequent gegen sexualisierte Gewalt vorzugehen.

„Kinder haben ein Recht darauf, sich auch im digitalen Raum sicher bewegen und an ihm teilhaben zu können“, sagte Andresen.

Digitale Tatorte und neue Schutzlücken

Der Bericht von Kerstin Claus rückt den digitalen Raum als eigenständigen Bereich des Kinderschutzes in den Mittelpunkt. Chats, soziale Netzwerke und andere Plattformen erleichtern die Kontaktaufnahme durch Täter und können sexualisierte Gewalt beschleunigen oder dauerhaft verfügbar machen.

Besondere Bedeutung hat dabei der Einsatz künstlicher Intelligenz. Aus ursprünglich harmlosen Kinderfotos können sexualisierte Darstellungen entstehen. Für Betroffene erhöht das den Druck, weil Bilder schnell verbreitet, vervielfältigt und für Erpressung eingesetzt werden können.

Claus verbindet die Bestandsaufnahme mit konkreten politischen Forderungen. Dazu gehören ein Schulfach zur digitalen Bildung, die aktive Suche und Entfernung von Missbrauchsdarstellungen sowie eine Anpassung des Strafrechts. Außerdem sollen Schutzkonzepte in Schulen, Kitas und Freizeiteinrichtungen digitale Gewalt ausdrücklich berücksichtigen.

Verantwortung von Plattformen und Politik

Die Forderung des Kinderschutzbundes nach sicher gestalteten Plattformen zielt auf eine Verlagerung der Verantwortung: Kinder und Eltern sollen Risiken nicht allein bewältigen müssen. Anbieter müssten Schutzvorkehrungen bereits bei der Gestaltung ihrer Dienste einplanen und bei Hinweisen konsequent handeln.

Für Familien bedeutet die Debatte, dass Medienkompetenz zwar wichtig bleibt, aber keinen Ersatz für wirksame technische, pädagogische und rechtliche Schutzmaßnahmen bildet. Politisch steht damit die Frage im Vordergrund, wie verbindlich Plattformpflichten, Prävention und Hilfeangebote umgesetzt werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesschau: „Missbrauchsbeauftragte Claus: ‚Risiken im digitalen Raum...‘“ (13.10.2026)

Der Beitrag bestätigt den Schwerpunkt des Berichts auf digitalen Tatorten und künstlicher Intelligenz. Er hebt zusätzlich die Forderung nach einem Schulfach „Digitale Welt/Digitalität“ sowie die hohe Zahl polizeilich registrierter Fälle hervor.

BR24: „Missbrauchsbeauftragte: Risiko für Kinder so hoch wie nie“ (13.10.2026)

Der Bericht stellt ebenfalls die Gefahren durch Cyber-Grooming und KI heraus. Einen anderen Akzent setzt er auf Schutzkonzepte in Schulen sowie auf die von Claus geforderte Änderung des Strafrechts.

Beide Beiträge unterstreichen die wachsende Bedeutung des digitalen Raums für den Kinderschutz. Offen bleibt vor allem, wie schnell Bund, Länder und Plattformanbieter die geforderten Maßnahmen verbindlich umsetzen.

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