Katja Wolf gründet in Erfurt neue Partei „Thüringen Gerecht“
Veröffentlicht am: 06.09.2026 um 19:43 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSIn Thüringen haben ehemalige Spitzenpolitiker der BSW eine neue Partei mit dem Namen „Thüringen Gerecht“ gegründet. Die Parteigründung fand am Sonntag in Erfurt statt und wurde am Abend öffentlich gemacht.
Wolf übernimmt Vorsitz, Schütz wird Stellvertreter
Zur Vorsitzenden der neuen Partei wurde die frühere BSW-Landesvorsitzende und stellvertretende Ministerpräsidentin Katja Wolf gewählt. Infrastrukturminister Steffen Schütz sowie Steffi Eschrich wurden als stellvertretende Vorsitzende bestimmt und gehören damit zur Führungsspitze von „Thüringen Gerecht“.
Schwerpunkte und programmatische Ziele
Die Partei nennt als besondere Schwerpunkte die Stärkung der Wirtschaft, den sozialen Zusammenhalt, bezahlbare Energie und mehr Bürgerbeteiligung. Ziel sei es nach eigenen Angaben, Thüringen eine „starke Stimme“ zu geben und das Land mit „Mut, Respekt und Zuversicht“ in die Zukunft zu führen.
Weiterer Aufbau der Parteistrukturen
„Thüringen Gerecht“ will nun zügig weitere Mitglieder aufnehmen und einen Parteitag einberufen, um die organisatorischen Grundlagen zu festigen. Die Gründung folgt auf einen Bruch mit der Bundespartei BSW: Zuvor hatten 13 von 15 BSW-Landtagsabgeordneten, darunter auch Katja Wolf und Steffen Schütz, im Streit mit dem Bundesvorstand und Parteigründerin Sahra Wagenknecht ihren Austritt erklärt.
Die Gründung der neuen Partei „Thüringen Gerecht“ durch ehemalige Spitzenpolitiker der BSW markiert eine Zäsur in der politischen Landschaft des Freistaats. Der Schritt erfolgt unmittelbar nach dem Austritt eines Großteils der bisherigen BSW-Landtagsfraktion aus der Mutterpartei und dürfte die Kräfteverhältnisse im Thüringer Landtag spürbar verändern.
Hintergrund des Bruchs mit der BSW
Ausgangspunkt der Neugründung ist ein eskalierter Konflikt zwischen der Thüringer Landesorganisation und dem Bundesvorstand der BSW um Parteiführung und strategische Ausrichtung. Als Folge erklärten 13 von 15 Landtagsabgeordneten, darunter Katja Wolf und Steffen Schütz, ihren Austritt aus der von Sahra Wagenknecht gegründeten Partei. Mit „Thüringen Gerecht“ schaffen sie nun eine eigene organisatorische Basis, um ihre bisherige Arbeit im Landtag und im Regierungshandeln fortzusetzen, ohne an bundespolitische Vorgaben der BSW gebunden zu sein.
Politische Bedeutung für Thüringen
Die neue Partei richtet ihren Schwerpunkt ausdrücklich auf wirtschaftliche Stabilität, sozialen Zusammenhalt, bezahlbare Energie und stärkere Bürgerbeteiligung. Damit positioniert sie sich im Spannungsfeld zwischen klassischer Landespolitik und einer auf soziale Gerechtigkeit ausgerichteten Protestpartei. Da zentrale Regierungsämter – etwa das Infrastrukturressort – von den Gründungsmitgliedern gehalten werden, gewinnt „Thüringen Gerecht“ auf Anhieb erhebliches politisches Gewicht und könnte künftig eigenständig Koalitions- und Mehrheitsfragen im Landtag beeinflussen.
Ausblick und mögliche Folgen
Für Wählerinnen und Wähler entsteht kurzfristig ein zusätzliches Angebot im linken bis sozialpolitischen Spektrum, das sich ausdrücklich auf Thüringen konzentriert. Entscheidend wird sein, ob die neue Partei rasch Strukturen, Mitglieder und ein klares Programm aufbauen kann und wie andere Parteien im Landtag auf die veränderte Lage reagieren. Auch das Verhältnis zur bundesweit aktiven BSW dürfte ein politischer Konfliktpunkt bleiben: Der Bruch in Erfurt könnte als Signal gelten, dass Landesverbände stärker eigene Wege gehen, wenn sie mit der Führung einer bundesweiten Bewegung nicht übereinstimmen.
