Kanada-Premier Mark Carney bekräftigt Allianz mit der EU
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 12:13 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSKanadas Premierminister Mark Carney hat im EU-Parlament in Straßburg die geplante neue Allianz mit der Europäischen Union ausdrücklich unterstützt. Eine „überwältigende Mehrheit der Kanadier“ wünsche sich nach seinen Worten deutlich engere Beziehungen zu Europa.
Carney würdigt Vorstoß von der Leyens
Carney begrüßte die „Ambition“ von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die einen Weg zu einer „assoziierten“ EU-Mitgliedschaft Kanadas skizziert hatte. Ein „Bündnis für die Zukunft“ sei ein einzigartiger, positiver Ansatz, den beide Seiten gemeinsam gestalten würden, sagte der Premierminister.
Die vertiefte Partnerschaft solle auf gemeinsamen Stärken und Werten beruhen. Kanada und Europa sollten nach Carneys Vorstellung ihre strategische Autonomie durch intensive Zusammenarbeit in zentralen Bereichen strategischer Fähigkeiten sichern.
Breites Feld gemeinsamer strategischer Fähigkeiten
Als Schlüsselfelder nannte Carney unter anderem kritische Mineralien, Verteidigung, industrielle Kapazitäten, Künstliche Intelligenz, Rechenleistung, Energiesicherheit, Weltraum und Zahlungsverkehr. Die Kooperation solle diese Bereiche so stärken, dass offene Märkte, Souveränität und territoriale Integrität geschützt werden.
Zudem solle auf einen „nahtlosen digitalen Handel mit nichtlandwirtschaftlichen Gütern und einer breiten Palette von Dienstleistungen“ hingearbeitet werden. Im Fokus stehen damit sowohl klassische Industriezweige als auch digitale Geschäftsmodelle.
Mehr Mobilität für die Jugend beider Seiten
Ein weiterer Schwerpunkt der Rede war die Vertiefung der zwischenmenschlichen Beziehungen. Carney sprach sich dafür aus, jungen Menschen zu ermöglichen, auf beiden Seiten des Atlantiks zu arbeiten, zu studieren und zu leben, wo immer sie möchten.
Damit verbindet die Allianz nicht nur wirtschaftliche und sicherheitspolitische Ziele, sondern auch eine engere gesellschaftliche Verflechtung zwischen Kanada und den EU-Staaten. Der Premierminister stellte dies als Investition in die nächste Generation und deren Chancen dar.
Abgrenzung von klassischer Großmachtpolitik
Zugleich betonte Carney, es gehe nicht darum, „ein Rivale der Großmächte zu werden – nur mit besseren Manieren“. Den US-Präsidenten Donald Trump erwähnte er in seiner Rede nicht namentlich, spielte mit der Bemerkung aber erkennbar auf die derzeit angespannte Lage im Verhältnis zu seinem südlichen Nachbarn an.
Carney unterstrich, Kanada strebe nicht nach Macht, um andere zu beherrschen. Ziel sei vielmehr Widerstandsfähigkeit, damit niemand die offenen Märkte kontrollieren, die Souveränität beeinträchtigen, die territoriale Integrität bedrohen oder die Freiheiten, Demokratien und Rechtsstaatlichkeit untergraben könne.
Die bekräftigte Allianz zwischen Kanada und der EU markiert einen weiteren Schritt in der strategischen Annäherung zweier enger Partner, die bereits durch das Freihandelsabkommen CETA und eine intensive sicherheitspolitische Zusammenarbeit verbunden sind. Mit seiner Rede im EU-Parlament signalisiert Mark Carney, dass Ottawa bereit ist, diese Beziehungen deutlich über klassische Handels- und Kooperationsformate hinaus auszubauen.
Strategische Vertiefung über CETA hinaus
Bemerkenswert ist, dass Carney ausdrücklich eine Zusammenarbeit in nahezu allen Feldern strategischer Fähigkeiten anspricht – von kritischen Mineralien über Verteidigung und industrielle Kapazitäten bis hin zu KI, Rechenleistung und Weltraum. Damit rückt Kanada sich faktisch in die Nähe jener Staaten, mit denen die EU besonders enge, teils quasi-integrative Beziehungen pflegt. Die von Ursula von der Leyen skizzierte Perspektive einer „assoziierten“ EU-Mitgliedschaft wäre politisch und juristisch Neuland und würde über etablierte Modelle wie das Wirtschafts- und Währungsabkommen mit der Schweiz oder die EWR-Beziehungen hinausgehen.
Geopolitischer Kontext und Abgrenzung von Großmachtlogik
Die Abgrenzung von einem klassischen Großmachtansatz – Carney betont ausdrücklich, man wolle „kein Rivale der Großmächte werden“ – macht deutlich, dass Kanada und die EU ihre Allianz als Schutz und Stärkung offener, regelbasierter Märkte verstehen. Der Verweis auf kritische Mineralien, Energiesicherheit und Zahlungsverkehr zeigt zugleich, dass beide Partner auf systemische Verwundbarkeiten reagieren, die sich in den vergangenen Jahren durch Handelskonflikte, Sanktionen und Lieferkettenkrisen offenbart haben.
Konsequenzen für Bürger und Unternehmen
Für Bürgerinnen und Bürger wäre besonders die angekündigte Vertiefung der zwischenmenschlichen Beziehungen spürbar: Erleichterte Möglichkeiten für Arbeit, Studium und Leben auf beiden Seiten des Atlantiks würden Mobilität und Karrierechancen deutlich erhöhen. Unternehmen in Schlüsselbranchen könnten von vereinfachtem digitalen Handel und besser abgestimmten Standards profitieren. Ob und wie schnell sich die von der Leyen angedeutete „assoziierte Mitgliedschaft“ realpolitisch konkretisiert, bleibt offen – klar ist jedoch, dass Kanada und die EU ihren Schulterschluss langfristig anlegen.
