Jürgen Klopp verteidigt Doppelsechs und fordert Zeit für den DFB-Neustart
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 06:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundestrainer Jürgen Klopp hat vor dem dritten Länderspiel unter seiner Leitung gegen Serbien um Zeit für die Entwicklung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gebeten und dies mit dem Einstudieren eines Balletts verglichen.
Klopp verteidigt seine Mittelfeldspieler
Auf die Frage nach dem Zusammenspiel von Joshua Kimmich und Felix Nmecha im Zentrum reagierte Klopp energisch. Nach dem Fehlstart in der Nations League müssten sich die Spieler zunächst an seine Vorgaben und die neue Taktik gewöhnen.
„Wenn man ein Ballett zusammenstellt, nicht dass wir ein Ballett wären, aber wenn man eins zusammenstellt und nach vier Tagen sollen die auftreten, rennen die sich über den Haufen“, sagte Klopp vor der Partie gegen Serbien am Abend in München. „Das haben wir nicht getan, um das mal klarzustellen.“
Kimmich und Nmecha nicht im Aufgebot
Kritik an Kimmich und Nmecha wies der Bundestrainer zurück. Beide stehen wie geplant nicht mehr im Aufgebot für das Serbien-Spiel. Im 4-3-3-System agieren sie zudem nicht als klassische Doppelsechs: Kimmich spielt deutlich defensiver, Nmecha davor.
Nach dem 0:1 gegen Griechenland war Nmecha vor dem Gegentor einem Zweikampf ausgewichen, Kimmich hatte den Ball unglücklich abgefälscht. Klopp betonte, auch eine perfekt funktionierende Doppelsechs könne ein Spiel nicht allein entscheiden, wenn das Umfeld nicht funktioniere.
Keine vorschnellen Urteile
Generell warnte Klopp davor, Nationalspieler während des Neustarts nach der WM-Enttäuschung zu schnell zu bewerten. Der Prozess stehe wegen des großen öffentlichen Interesses unter besonderer Beobachtung, werde dadurch aber nicht beschleunigt.
„Ich bin seit 25 Jahren im Fußball und nach fünf Tagen hat in meinem ganzen Leben noch keine Doppelsechs funktioniert“, sagte der 59-Jährige. Geduld bedeute auch, Spieler nicht sofort zu bewerten.
Klopp erwartet Fortschritte
Für eine erfolgreiche Zukunft müssten bestimmte Abläufe bei jedem Spieler in absehbarer Zeit fest verankert sein, sagte Klopp. Davon sei die Mannschaft noch entfernt.
Die DFB-Elf müsse sich auf die eigenen Fortschritte konzentrieren und eine Mannschaft aufbauen, die allen Gegnern Probleme bereiten könne. Zwar hätten die Niederlande und Griechenland auch ohne deutschen Sieg vor Herausforderungen gestanden, die Ergebnisse störten Klopp nach eigener Aussage jedoch nur im jeweiligen Moment.
,Neustart unter besonderem Zeitdruck
Jürgen Klopp steht nach zwei Nations-League-Partien bei einem Punkt. Dem 1:1 in den Niederlanden folgte eine 0:1-Niederlage gegen Griechenland. Gegen Serbien bestreitet die deutsche Auswahl in München ihr drittes Spiel unter dem neuen Bundestrainer.
Klopp setzt dabei auf einen ungewöhnlich großen personellen Neustart. Für die ersten vier Nations-League-Partien plante er mit zwei Kadern und insgesamt 43 Spielern. Dieses Verfahren soll ihm einen breiten Eindruck von verfügbaren Nationalspielern verschaffen, erschwert aber zugleich eingespielte Abläufe. Gerade im Mittelfeld sind Abstimmung, Laufwege und Rollenverteilung besonders abhängig von gemeinsamer Trainingszeit.
Ergebnisdruck trotz Entwicklungsphase
Die Partie gegen Serbien hat deshalb eine doppelte Bedeutung: Sie ist einerseits ein weiterer Test für Klopps taktische Ideen, andererseits zählt sie für die Tabellensituation. Serbien steht in der Gruppe bislang ohne Punkt, Deutschland liegt nach zwei Spielen hinter Griechenland und den Niederlanden.
Für die Zuschauer bedeutet Klopps Ansatz, dass kurzfristig nicht jede Formation stabil wirken muss. Zugleich bleibt der sportliche Anspruch bestehen, weil die Nations League Auswirkungen auf Auf- und Abstieg sowie die öffentliche Bewertung des Neustarts hat. Der angekündigte Kaderschnitt im November dürfte zeigen, welche Spieler sich in der Erprobungsphase dauerhaft empfehlen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesspiegel: „Fußball-Nationalmannschaft: Wirklich „alternativlos“? Klopps Kaderpolitik als Streitfall“ (29.09.2026)
Der Bericht stelle Klopps Vorgehen mit zwei Kadern und 43 Spielern als zentralen Streitpunkt dar. Er beschreibe sowohl die möglichen Vorteile des breiten Tests als auch die Risiken für Stabilität, Hierarchien und Ergebnisse; damit bestätige er den Entwicklungsansatz, setze den Schwerpunkt aber stärker auf die grundsätzliche Kaderpolitik.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Nations League: Deutschland – Serbien“ (30.09.2026)
Der Beitrag betone, Klopp benötige Zeit, um die vielen neuen Spieler zu einer Einheit zu formen. Zugleich hebe er hervor, dass Deutschland gegen Serbien erneut mit Abstimmungsproblemen und fehlender offensiver Dominanz rechnen müsse; offen bleibe damit, ob der Entwicklungsprozess bereits zu sichtbaren Ergebnissen führe.
Beide Berichte bestätigten den personellen und taktischen Umbruch. Während der Tagesspiegel die Kadergröße und ihre Folgen kontrovers beleuchte, konzentriere sich der WDR stärker auf die kurzfristige sportliche Aufgabe gegen Serbien.
