JU-Schatzmeisterin Clara von Nathusius attackiert Kanzler Merz scharf
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 20:55 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Schatzmeisterin der Jungen Union, Clara von Nathusius, hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf kritisiert und der Union ein Glaubwürdigkeitsproblem bescheinigt. Ihrer Ansicht nach darf Merz deshalb nicht erneut zur Wahl zum Bundeskanzler antreten.
JU-Schatzmeisterin stellt Kanzlerkandidatur infrage
Von Nathusius sagte am Sonntag der ARD, das Glaubwürdigkeitsproblem der Union liege auch an Merz. Daraus folge für sie, dass Merz nicht noch einmal als Kanzlerkandidat antreten dürfe. Damit stellt eine prominente Vertreterin der Jungen Union die bisherige personelle Aufstellung der Partei öffentlich zur Diskussion.
Die CDU habe in den vergangenen Jahren vor allem versucht zu definieren, „gegen wen oder was wir sind, und nicht zu definieren, wofür wir stehen", so von Nathusius weiter. Die Union müsse nun dringend zu einer klaren Positivbestimmung ihrer politischen Ziele und Inhalte kommen.
Kritik an Brandmauer nach rechts
Besonders deutlich äußerte sich die JU-Schatzmeisterin zur von der Union propagierten Brandmauer gegenüber der AfD. Diese bezeichnete sie als ein „gescheitertes Projekt". Mit dieser Formulierung widerspricht sie der bisherigen Darstellung, die Brandmauer sei ein tragfähiges Instrument zur Abgrenzung von der AfD.
Ihre Einschätzung legt nahe, dass sie die bisherige Strategie als unzureichend ansieht, um das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen. Die Brandmauer war in den vergangenen Monaten immer wieder Thema innerparteilicher Diskussionen, insbesondere mit Blick auf Koalitions- und Tolerierungsfragen in den Ländern.
Offenheit für Gespräche mit der AfD in Sachsen-Anhalt
Mit Blick auf die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt zeigte sich von Nathusius offen für Gespräche zwischen CDU und AfD. Sie sagte, wenn man eingeladen werde, solle man zunächst mit jedem sprechen. Gleichzeitig betonte sie, dass die Maßstäbe ihrer Partei im Bund und in den Ländern unterschiedlich gesetzt seien.
Diese Aussagen markieren einen Kontrast zur bisherigen öffentlichen Linie der CDU, Gespräche oder Kooperationen mit der AfD grundsätzlich abzulehnen. Die Differenzierung zwischen Bundes- und Landesebene könnte in kommenden Verhandlungen eine Rolle spielen und weitergehende Debatten über den Kurs der Union auslösen.
Die öffentliche Kritik der JU-Schatzmeisterin Clara von Nathusius an Bundeskanzler Friedrich Merz fällt in eine Phase, in der die Union intensiv um ihre programmatische Ausrichtung und ihr Verhältnis zur AfD ringt. Dass eine Funktionsträgerin der Nachwuchsorganisation die Glaubwürdigkeit der Partei infrage stellt und Merz explizit als Teil des Problems benennt, verdeutlicht innerparteiliche Spannungen.
Innerparteiliche Konfliktlinien
In der CDU und ihrer Jugendorganisation verlaufen seit Monaten Konfliktlinien zwischen jenen, die an einer strikten Abgrenzung zur AfD festhalten wollen, und Kräften, die zumindest Gespräche nicht grundsätzlich ausschließen. Die von Nathusius als „gescheitertes Projekt" bezeichnete Brandmauer steht für den Versuch, eine klare Grenzziehung zu rechts außen zu etablieren. Wenn aus der Jungen Union nun offen von einem Scheitern gesprochen wird, deutet das auf ein wachsendes Unbehagen hin, wie diese Abgrenzung in der Praxis funktioniert.
Bedeutung für Merz und die Union
Bemerkenswert ist, dass von Nathusius nicht nur die strategische Linie kritisiert, sondern eine persönliche Konsequenz fordert: Merz solle nicht erneut als Kanzlerkandidat antreten. Das unterläuft die sonst nach außen demonstrierte Geschlossenheit und könnte den Druck auf die Parteiführung erhöhen, die eigene Rolle in der aktuellen Lage zu reflektieren. Für die Glaubwürdigkeit einer Volkspartei ist es zentral, ein erkennbares inhaltliches Profil zu entwickeln – genau hier sieht die Schatzmeisterin ein Defizit.
Regierungsbildung und Umgang mit der AfD
Mit Blick auf Sachsen-Anhalt berührt die Debatte eine praktische Frage: Wie verhält sich die CDU in Ländern, in denen ohne die AfD stabile Mehrheiten schwer zu bilden sind? Die Offenheit für Gespräche, die von Nathusius signalisiert, steht im Spannungsverhältnis zu bisher formulierten Abgrenzungsbeschlüssen. Für viele Wählerinnen und Wähler ist entscheidend, ob die Union einen klaren Kurs findet, der sowohl Mehrheitsfähigkeit als auch verlässliche Distanz zu extremen Positionen gewährleistet.
