Josef Schuster fordert bei EKD-Synode Mut zum Widerspruch
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 12:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSchusters Appell an den Alltag
- Josef Schuster sprach bei der EKD-Synode in Würzburg über den Umgang mit antisemitischen und rassistischen Äußerungen.
- Er forderte Lehrer zum Einschreiten auf, wenn Schüler rassistisch beleidigt werden.
- Die Tagung läuft bis Mittwoch unter dem Motto „Gemeinsam weiter“.
Schuster ruft bei EKD-Synode zum Widerspruch auf
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat bei der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland in Würzburg dazu aufgerufen, Unrecht klar zu benennen. Wer den Mund aufmache, erleichtere es anderen, ebenfalls zu widersprechen, sagte Schuster.
Appell an Schulen und Arbeitsplätze
Lehrer müssten einschreiten, wenn Schüler von Mitschülern rassistisch beleidigt würden, sagte Schuster. Auch im Freundeskreis, am Arbeitsplatz und im Verein sollten Menschen nicht schweigen, wenn Antisemitismus Raum greife.
Schuster verwies darauf, dass Widerspruch besonders im Umgang mit vertrauten Menschen Mut erfordern könne. Man wolle einen Kollegen nicht bloßstellen oder beim Familienessen einen Streit beginnen. Trotzdem solle niemand darauf warten, dass jemand anderes den Anfang mache.
Steinmeier wird in Würzburg erwartet
Die diesjährige EKD-Tagung findet bis Mittwoch unter dem Motto „Gemeinsam weiter - Kirche als Werkstatt für Demokratiebildung und intergenerationales Lernen als Ausdruck gelebten Glaubens“ statt. Am Dienstag wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Gast erwartet.
Wechsel an der Synodenspitze
Die Synode ist das Kirchenparlament der EKD. Im April 2027 tritt das Gremium in neu gewählter Form zusammen; die Präses Anna-Nicole Heinrich kandidiert nach sechsjähriger Amtszeit nicht erneut.
Als möglicher Nachfolger wird der frühere Verkehrsminister Volker Wissing genannt. Zur EKD zählen insgesamt knapp 17,4 Millionen Menschen.
Schusters Appell steht im Zentrum einer EKD-Synode, die Demokratiebildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt beraten will. In Würzburg kommen 128 Delegierte des evangelischen Kirchenparlaments zusammen. Die Tagung findet vor dem Hintergrund politischer Polarisierung und der Debatte über den Umgang mit demokratiefeindlichen Positionen statt.
Der Aufruf zum Widerspruch richtet sich dabei nicht nur an kirchliche Gremien. Schuster nennt Alltagssituationen in Schulen, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis und in Familien. Für Leser bedeutet das eine sehr konkrete Handlungsaufforderung: Diskriminierende oder antisemitische Äußerungen sollen nicht unwidersprochen bleiben, auch wenn ein Eingreifen persönliche Konflikte auslösen kann.
Kirche als demokratischer Lernort
Die EKD will bei ihrer Tagung darüber sprechen, wie Kirchen Räume für Begegnung, Diskussion und demokratische Bildung schaffen können. Zugleich wird innerhalb der Synode darüber gestritten, wie weit kirchliche Positionierungen reichen sollen und wo gesellschaftlicher Dialog Grenzen braucht.
Die Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder unterstreicht die politische Bedeutung des Treffens. Neben Demokratiefragen stehen auch die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs und ein anstehender Wechsel an der Spitze der Synode im Blickpunkt. Anna-Nicole Heinrich kandidiert nach sechs Jahren Amtszeit nicht erneut; die Neuwahl soll im April 2027 erfolgen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Bayerischer Rundfunk: „Evangelische Jahressynode berät über Demokratie“ (08.11.2026)
Der Beitrag berichtet über den Auftakt der Synode mit mehr als 100 Delegierten und dem Grußwort Josef Schusters. Im Mittelpunkt stehen Menschenrechte und gesellschaftlicher Zusammenhalt; der Artikel hebt außerdem die erwarteten Besuche von Steinmeier und Söder hervor.
Bayerischer Rundfunk: „Evangelisches Kirchenparlament kommt in Würzburg zusammen“ (08.11.2026)
Der Beitrag ordnet die Zusammenkunft in Würzburg als Tagung des evangelischen Kirchenparlaments ein und verweist auf die für Dienstag angekündigten Besuche von Steinmeier und Söder. Damit liegt der Schwerpunkt stärker auf Ablauf und Gästen als auf Schusters Appell.
Beide Beiträge bestätigen den Tagungsort, den Beginn der Synode und die geplanten politischen Gäste. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Gewichtung: Während der eine Bericht Demokratie und Menschenrechte hervorhebt, konzentriert sich der andere auf das Zusammentreffen und den Terminplan.
