Sachsen-Anhalt, Arbeitsmarkt

IWH warnt vor Folgen einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 12:33 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen, sollte die AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die Regierung stellen. Eine gegen Zuwanderung gerichtete Politik könnte dem Bundesland Tausende Arbeitskräfte und Milliarden an Wertschöpfung kosten.

IWH: AfD könnte Arbeitskräftemangel in Sachsen-Anhalt verschärfen
IWH - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle warnt vor deutlichen wirtschaftlichen Risiken, falls die AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die Regierung stellt. Nach neuen Berechnungen des Instituts könnte ein fremdenfeindliches Klima im Land dazu führen, dass in der kommenden Legislaturperiode Tausende Arbeitskräfte und eine Wertschöpfung von bis zu 3,2 Milliarden Euro verloren gehen.

IWH sieht besondere Verwundbarkeit Sachsen-Anhalts

Das Institut verweist darauf, dass Sachsen-Anhalt vom demografischen Wandel besonders stark betroffen ist. Die Altersstruktur der Beschäftigten gilt als eine der ältesten in Deutschland, und der Anteil ausländischer sozialversicherungspflichtig Beschäftigter gehört im bundesweiten Vergleich zu den niedrigsten. Zugleich habe die Integration von Flüchtlingen in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, den Arbeitsmarkt zu stabilisieren.

In seinen Berechnungen geht das IWH davon aus, dass am Ende der nächsten Legislaturperiode im Jahr 2031 bei einer Fortführung der aktuellen Politik rund 32.000 Beschäftigte fehlen könnten. Eine gegen Migration gerichtete Politik würde diese Lücke demnach deutlich vergrößern und zu etwa 46.000 fehlenden Beschäftigten führen.

Warnung vor Wohlstandsverlust durch offene Stellen

IWH-Präsident Reint Gropp betont, dass das Land angesichts der alten Beschäftigtenstruktur besonders auf Zuwanderung angewiesen ist. Wenn die Politik Stimmung gegen Zuwanderung mache, würden nach seiner Einschätzung Tausende zusätzliche Stellen unbesetzt bleiben. Dies könnte sich in einem spürbaren Wohlstandsverlust niederschlagen, weil Unternehmen Produktion zurückfahren müssten oder Dienstleistungen nicht im gewohnten Umfang anbieten könnten.

Besonders betroffen sieht das Institut Branchen, die schon heute stark auf zusätzliche Arbeitskräfte angewiesen sind. Genannt werden unter anderem die Lebensmittelzubereitung, die Gastronomie, der Tiefbau, die Logistik sowie die Human- und Zahnmedizin. In diesen Bereichen könnten Engpässe bei Personal und Fachkräften die wirtschaftliche Entwicklung und die Versorgung der Bevölkerung deutlich beeinträchtigen.

Landtagswahl entscheidet über migrationspolitischen Kurs

Die Analyse des IWH steht im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September. Laut aktuellen Umfragen erscheint eine Alleinregierung der AfD im Landtag in greifbarer Nähe. Aus Sicht des Instituts hätte eine solche Konstellation angesichts der migrationspolitischen Positionen der Partei weitreichende Folgen für den Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Entwicklung des Bundeslandes.

Die Berechnungen unterstreichen damit die Bedeutung der anstehenden Wahlentscheidung für Unternehmen, Beschäftigte und potenzielle Zuwanderer. Wie sich Sachsen-Anhalt politisch ausrichtet, dürfte maßgeblich beeinflussen, ob das Bundesland die absehbaren demografischen Herausforderungen abfedern kann oder ob sich der prognostizierte Arbeitskräftemangel weiter verschärft.

Die Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle setzt an einem zentralen Problem Sachsen-Anhalts an: Die Bevölkerungsstruktur ist überdurchschnittlich alt, viele Beschäftigte gehen in den kommenden Jahren in Rente, und bereits heute klagen Unternehmen über Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Vor diesem Hintergrund kommt der Zuwanderung qualifizierter und anlernbarer Arbeitskräfte eine besondere Bedeutung zu, um Produktionskapazitäten zu sichern und öffentliche Dienstleistungen aufrechtzuerhalten.

Arbeitsmarkt und demografischer Druck

Das Institut verweist darauf, dass der Anteil ausländischer sozialversicherungspflichtig Beschäftigter in Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich niedrig ist. Gleichzeitig tragen in den letzten Jahren vor allem Geflüchtete dazu bei, den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Diese Entwicklung zeigt, dass zusätzliche Zuwanderung ein zentrales Instrument ist, um dem Rückgang der einheimischen Erwerbsbevölkerung entgegenzuwirken und Fachkräfteengpässe zu verringern.

Ein politisches Umfeld, das Zuwanderung erschwert oder abschreckt, wirkt in einer solchen Lage doppelt: Es verhindert neue Zuzüge und kann dazu führen, dass bereits zugewanderte oder mobile inländische Fachkräfte das Bundesland verlassen. Die vom IWH genannten Szenarien mit deutlich steigenden Lücken bei der Zahl der Beschäftigten verdeutlichen, wie empfindlich Wirtschaft und öffentliche Versorgung auf Veränderungen im migrationspolitischen Kurs reagieren.

Wirtschaftliche Folgen und politische Dimension

Die prognostizierten Einbußen bei der Wertschöpfung im Milliardenbereich zeigen, dass es sich nicht nur um ein arbeitsmarktpolitisches Detailthema, sondern um eine zentrale Standortfrage handelt. Unbesetzte Stellen in Branchen wie Bau, Logistik, Gastronomie oder Medizin treffen sowohl exportorientierte Unternehmen als auch die alltägliche Versorgung der Bevölkerung. Engpässe in der Human- und Zahnmedizin können etwa Wartezeiten verlängern und die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum weiter schwächen.

Die Landtagswahl am 6. September erhält damit eine zusätzliche wirtschaftliche Dimension: Neben klassischen Themen wie Bildung, Infrastruktur und Finanzen rückt die migrations- und gesellschaftspolitische Ausrichtung der künftigen Landesregierung in den Fokus. Die IWH-Berechnungen machen deutlich, dass die Entscheidung über den politischen Kurs in Sachsen-Anhalt unmittelbare Folgen für Arbeitsplätze, Wohlstand und die Attraktivität des Standortes für Unternehmen und Fachkräfte haben kann.

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