Ines Schwerdtner fordert Stopp der Reformpläne von Union und SPD
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 09:25 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSLinken-Chefin Ines Schwerdtner fordert nach dem Koalitionsausschuss einen Stopp der Reformpläne von Union und SPD. In der RTL- und ntv-Sendung „Frühstart“ kritisierte sie, dass Beschäftigte und arme Menschen für die Verzögerungen und Konflikte innerhalb der Bundesregierung bezahlen müssten.
Schwerdtner kritisiert soziale Verteilung
„Mir geht es gar nicht so sehr um das Tempo dieses Sozialkahlschlags, sondern darum, dass er wirklich gestoppt werden muss“, sagte Schwerdtner. Die Linken-Politikerin erklärte, CDU und SPD seien bei den Vorhaben offensichtlich nicht einig; zudem sei unklar, ob der Haushalt zustande komme.
Reformen hält Schwerdtner grundsätzlich für notwendig. Die Lasten müssten jedoch stärker von den finanziell Leistungsfähigen getragen werden, forderte die Linken-Chefin.
Forderung nach breiterer Finanzierung
„Ja, wir brauchen Reformen. Aber das bedeutet, dass die stärkeren Schultern mehr zahlen müssen, dass in die Sozialversicherungskassen alle einzahlen, in die Rente, in die Pflege“, sagte Schwerdtner. Die Bundesregierung lasse sich zu viel Zeit und „schröpft die Menschen in diesem Land“, so die Linken-Chefin.
Koalitionsausschuss endet ohne Pressekonferenz
Der Koalitionsausschuss von Union und SPD war in der Nacht ohne Pressekonferenz zu Ende gegangen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte erklärt, bis Weihnachten werde nicht mehr alles zu schaffen sein.
Der Koalitionsausschuss hat die offenen Konflikte innerhalb der schwarz-roten Bundesregierung nicht aufgelöst. Union und SPD beraten über ein Reformpaket, das unter anderem Rente, Pflege, Arbeitsmarkt und Steuern umfasst. Bundeskanzler Friedrich Merz hat zugleich eingeräumt, dass eine vollständige Umsetzung bis Weihnachten nicht zu erwarten ist.
Besonders eng verknüpft sind die Reformvorhaben mit dem Bundeshaushalt 2027. Geplante Steuermehreinnahmen sind in den Etat einbezogen, während zusätzliche Forderungen der Union den finanziellen Spielraum weiter begrenzen. Eine Verzögerung bei den Gesetzen kann deshalb auch die Haushaltsberatungen erschweren.
Streit über Verteilung und soziale Sicherung
Schwerdtners Kritik zielt auf die Verteilung der finanziellen Lasten. Ihre Forderung nach einer breiteren Finanzierung von Renten- und Pflegeversicherung entspricht dem Konzept einer Bürgerversicherung, bei der grundsätzlich mehr Einkommensgruppen und Einkommensarten zur Finanzierung beitragen. Union und SPD verfolgen in diesen Fragen jedoch unterschiedliche politische Schwerpunkte.
Für Bürgerinnen und Bürger stehen damit konkrete Folgen bei Beiträgen, Leistungen, Arbeitszeitregeln und Steuern im Raum. Bei der Pflege geht es zunächst um die finanzielle Stabilisierung des Systems; bei der Rente bleibt insbesondere die Ausgestaltung der abschlagsfreien Altersrente nach 45 Versicherungsjahren umstritten. Der weitere Zeitplan entscheidet darüber, ob die Koalition ihre Vorhaben noch in dieser Legislaturperiode geschlossen voranbringen kann.
