Ilse Aigner, Bundespräsidentenwahl

Ilse Aigner: Zwei CDU-Ministerpräsidenten werben für sie

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 17:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt und Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer werben für die CSU-Politikerin. Die CDU-Spitze will am Montag über ihren Vorschlag für die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier beraten.

Die Wahl der Bundesversammlung im Januar

  • Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier.
  • Die Hälfte der Wahlleute kommt aus den Ländern und wird von den Landesparlamenten entsandt.
  • CDU, CSU und SPD verfügen zusammen über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.
Die Regierungschefs von Thüringen und Sachsen sprechen sich für Aigner aus. (Archivfoto) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa

CDU-Ministerpräsidenten unterstützen Ilse Aigner

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt und Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer sprechen sich als erste CDU-Ministerpräsidenten für Ilse Aigner als gemeinsame Kandidatin der Union für das Amt der Bundespräsidentin aus. Kretschmer erklärte, er wünsche sich eine Entscheidung zugunsten der bayerischen Landtagspräsidentin und ein Ende der Debatte.

Kretschmer fordert ein Ende der Debatte

„Ich gehe davon aus und wünsche mir, dass Ilse Aigner am Montag unsere gemeinsame Kandidatin der Union wird“, sagte Kretschmer. Voigt sagte zuvor, Aigner habe nach seiner Einschätzung „das Zeug zur Bundespräsidentin“.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte sich am Montag für eine Frau als Nachfolgerin Frank-Walter Steinmeiers ausgesprochen, aber keinen Namen genannt. Die CSU hatte Aigner bereits im April ins Gespräch gebracht und sich vor knapp zwei Wochen auf ihrem Parteitag in München auf sie festgelegt.

CDU entscheidet über den Unionsvorschlag

Nun hängt die Entscheidung maßgeblich von der CDU ab. Eine wichtige Rolle spielen die Ministerpräsidenten und Landesvorsitzenden, weil die Hälfte der Wahlleute in der Bundesversammlung aus den Ländern kommt.

Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar über die Nachfolge Steinmeiers. CDU, CSU und SPD verfügen zusammen über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.

Merz wirbt für Kandidatin der Mitte

Merz hatte angekündigt, den CDU-Spitzengremien am Montag eine gemeinsame Kandidatin der politischen Mitte vorzuschlagen. Das deutet auf das Ziel hin, auch Zustimmung bei den Grünen zu gewinnen.

Kretschmer betonte, das Amt des Bundespräsidenten dürfe kein Gegenstand parteipolitischer Taktik sein. Gesucht werde eine Persönlichkeit, die das Land zusammenführen könne.

CSU wartet auf erstes Staatsoberhaupt

In der Geschichte der Bundesrepublik gab es bislang keine Bundespräsidentin. Alle zwölf bisherigen Staatsoberhäupter waren Männer; außerdem stellte die CSU noch nie einen Bundespräsidenten.

Neben Aigner wurden aus der CDU Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bundesbildungsministerin Karin Prien, die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die hessische Fraktionsvorsitzende Ines Claus als mögliche Kandidatinnen genannt. Klöckner wurden zuletzt die besten Chancen gegen Aigner eingeräumt.

Spitzengremien beraten am Montag

Auch mehrere CDU-Kreisvorsitzende signalisierten Sympathien für Aigner. Ein hochrangiger CDU-Politiker hatte sich bis dahin öffentlich nicht gegen sie ausgesprochen.

Merz will vor der Sitzung mit den CDU-Landesvorsitzenden sowie mit CSU und SPD sprechen. Gespräche mit den Grünen sollen spätestens nach den Sitzungen der CDU-Spitzengremien folgen.

Die Unterstützung von Mario Voigt und Michael Kretschmer verschiebt die innerparteiliche Debatte in der Union zugunsten Ilse Aigners. Beide Ministerpräsidenten verfügen über politischen Einfluss in den Ländern, deren Delegierte bei der Wahl des Bundespräsidenten eine zentrale Rolle spielen.

Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar 2027 über die Nachfolge Frank-Walter Steinmeiers. Ihr gehören die Mitglieder des Bundestages sowie eine gleich große Zahl von Vertreterinnen und Vertretern der Länder an. Deshalb ist die Unterstützung durch CDU-Landesverbände für die Findung einer Unionskandidatin besonders bedeutsam.

Breite Mehrheit als Ziel

Bundeskanzler Friedrich Merz hat eine Kandidatin der politischen Mitte angekündigt und damit eine Zustimmung über die Parteigrenzen hinweg als Ziel markiert. Aigner gilt in diesem Verfahren als anschlussfähig, weil neben der CSU auch Signale aus SPD und Grünen auf Sympathie für ihre Kandidatur hindeuten.

Für die CDU bleibt die Entscheidung dennoch offen. Neben Aigner wurden zuletzt auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und die hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus als mögliche Kandidatinnen genannt. Merz will den Spitzengremien der CDU am Montag einen Vorschlag unterbreiten.

Historische Besonderheit

Eine Wahl Aigners hätte über ihre persönliche Eignung hinaus symbolische Bedeutung: In der Geschichte der Bundesrepublik gab es bislang weder eine Bundespräsidentin noch ein Staatsoberhaupt aus der CSU. Die Entscheidung der Union dürfte daher nicht nur die Nachfolge Steinmeiers, sondern auch die politische Repräsentation im höchsten Staatsamt prägen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

stern: „Wahl des Staatsoberhaupts: Auch Kretschmer wirbt für Aigner als Bundespräsidentin“ (04.11.2026)

Der Beitrag berichtet, Kretschmer habe sich für Aigner ausgesprochen und ein Ende der Debatte gefordert. Als offenen Punkt nennt er die Entscheidung der CDU-Spitzengremien, die Anfang der folgenden Woche erwartet werde.

stern: „Merz vor der Wahl: Diese drei Frauen könnten Bundespräsidentin werden“ (04.11.2026)

Der Artikel ordnet Aigner als Favoritin unter drei möglichen Kandidatinnen ein und stellt ihr Julia Klöckner sowie Ines Claus gegenüber. Anders als der erste Beitrag konzentriert er sich stärker auf die innerparteiliche Konkurrenz und die politische Ausgangslage für Friedrich Merz.

Beide Beiträge stimmen darin überein, dass Aigner Unterstützung aus der Union erhält und die Entscheidung bei den CDU-Gremien liegt. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: Im Vordergrund stehen einmal Kretschmers öffentliche Festlegung, einmal das gesamte Kandidatinnenfeld und die offenen strategischen Optionen.

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