Ilse Aigner: Stegner wirft Merz Führungsschwäche vor
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 08:31 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSUnion plant nächsten Schritt im Bundespräsidialamt
- Ralf Stegner bewertet die Nominierung von Ilse Aigner als Zeichen einer Führungsschwäche von Friedrich Merz.
- Stegner bezeichnet Aigner als klug, integer, überparteilich respektiert und bodenständig.
- Er verweist auf die Rolle von Markus Söder und sieht Merz als Getriebenen des Auswahlverfahrens.
Stegner kritisiert Merz wegen Aigner-Nominierung
SPD-Politiker Ralf Stegner sieht in der Art und Weise, wie die Union Ilse Aigner als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt nominiert, ein Autoritätsproblem von Bundeskanzler Friedrich Merz. „Das ganze Verfahren zeigt die Führungsschwäche, die ein zentrales Problem dieser Regierungskoalition ist“, sagte Stegner der „Rheinischen Post“.
Aigner erhält ausdrücklich positive Bewertung
Die Personalie selbst bewertet Stegner positiv. Aigner sei eine gute Wahl als erste Bundespräsidentin des Landes, „weil sie klug und integer, überparteilich respektiert und zugleich bodenständig ist“.
In Zeiten großer Herausforderungen für die Demokratie durch rechtsextremistische Parteien sei das nicht gering zu schätzen, erklärte der SPD-Politiker weiter. Seine Kritik richtet sich damit gegen den Ablauf und die politische Führung des Auswahlprozesses, nicht gegen Aigners persönliche Eignung.
Söder prägt den Auswahlprozess mit
Stegner verwies zugleich auf CSU-Chef Markus Söder. Dass Merz „auch dank Markus Söder als Getriebener dieses Auswahlverfahrens wirkt“, ändere nichts an seiner positiven Einschätzung Aigners, sagte der SPD-Politiker.
Die Unionsparteien wollen Aigner nach übereinstimmenden Berichten als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt vorschlagen. Aigner ist CSU-Politikerin und Präsidentin des Bayerischen Landtags.
Die Debatte über die Nachfolge im Bundespräsidialamt fällt in eine Phase, in der die Union ihre Personalentscheidung für Ilse Aigner öffentlich vorbereitet. Aigner ist seit November 2018 Präsidentin des Bayerischen Landtags und gehört der CSU an. Ihre mögliche Nominierung verbindet damit eine bundespolitisch erfahrene Persönlichkeit mit einer klaren Verankerung im Freistaat.
Für Friedrich Merz ist das Verfahren politisch besonders relevant, weil der Bundespräsident parteiübergreifend gewählt werden muss. Die Union benötigt deshalb nicht nur Geschlossenheit zwischen CDU und CSU, sondern auch Unterstützung außerhalb des eigenen Lagers. Die Bewertung Aigners als überparteilich respektierte Kandidatin zielt genau auf diese Voraussetzung.
Personalentscheidung mit Koalitionswirkung
Die Berichte über Aigner stellen zugleich das Verhältnis zwischen Merz und CSU-Chef Markus Söder in den Mittelpunkt. Söder wirbt seit Monaten für Aigner; damit entsteht der Eindruck, dass die Kandidatin aus dem bayerischen Teil der Union besonders stark unterstützt wird. Stegners Vorwurf der Führungsschwäche richtet sich daher weniger gegen Aigners Eignung als gegen die politische Steuerung des Auswahlprozesses.
Für die Bundesregierung kann die Personalie über das Amt hinaus Bedeutung gewinnen. Eine breit akzeptierte Kandidatin könnte die Zusammenarbeit in der Koalition erleichtern, während ein als uneinheitlich wahrgenommenes Verfahren neue Konflikte über Führungsanspruch und Zuständigkeiten auslösen kann. Der nächste entscheidende Schritt ist die formelle Nominierung durch die zuständigen Gremien und anschließend die Wahl durch die Bundesversammlung.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Ilse Aigner soll laut ARD-Informationen Bundespräsidentin ...“ (06.11.2026)
Der Beitrag berichtet über die Einigung von CDU und CSU auf Ilse Aigner als Kandidatin. Im Mittelpunkt steht die unionsinterne Entscheidung; Stegners Kritik an Merz wird dort nicht als eigener Schwerpunkt behandelt.
Der Deutschlandfunk hebt neben der Unterstützung für Aigner hervor, dass Merz sich öffentlich zurückhält, und ordnet Söders länger andauernde Unterstützung für die CSU-Politikerin ein. Damit liegt der Schwerpunkt stärker auf dem Führungs- und Kommunikationsproblem der Union.
Übereinstimmend wird Aigners Kandidatur als unionsinterne Entscheidung beschrieben. Unterschiede bestehen vor allem bei der Gewichtung von Aigners persönlicher Eignung und der Kritik am Ablauf sowie an Merz’ Rolle; offen bleibt die formelle Nominierung.
