Ilse Aigner: Miersch erhöht Druck auf Merz vor Januar-Wahl
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 15:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEntscheidung in der Bundesversammlung
- Matthias Miersch spricht sich für Ilse Aigner als Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier aus.
- Die 120 SPD-Abgeordneten entscheiden am 30. Januar in der Bundesversammlung mit.
- Die CDU-Führung berät am 9. November über die Präsidentenfrage.
SPD-Fraktionschef unterstützt Aigner
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hat sich als erster führender Sozialdemokrat eindeutig für die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als nächste Bundespräsidentin ausgesprochen. Damit wächst der Druck auf Bundeskanzler Friedrich Merz, eine Entscheidung über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier herbeizuführen.
Miersch wirbt für eine Frau
„Worauf warten wir eigentlich noch? Hat Ilse Aigner nicht längst über Parteigrenzen hinweg eine Mehrheit hinter sich? Ich wäre dabei!“, sagte Miersch. Er bezeichnete Aigner zudem als überzeugte Demokratin, die klare Kante gegen Rechtsextremismus zeige und für demokratische Werte eintrete.
Bundesversammlung entscheidet im Januar
Miersch führt die 120 Bundestagsabgeordneten der SPD, die am 30. Januar in der Bundesversammlung über Steinmeiers Nachfolge mitentscheiden. Steinmeier darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten.
Merz hält sich bislang zurück
Merz hatte Aigner am Samstag auf dem CSU-Parteitag nach Parteichef Markus Söder begrüßt, sich aber nicht zum Vorschlag der CSU positioniert. Am Montag reiste der Kanzler für insgesamt fünf Tage nach Asien.
Nach seiner Rückkehr soll die Personalie geklärt werden. Am 9. November beraten die Führungsgremien der CDU über die Präsidentenfrage; anschließend werden weitere Gespräche mit CSU, SPD und möglicherweise Grünen erwartet.
CDU diskutiert eigene Vorschläge
In der CDU gibt es weiterhin Stimmen für eine eigene Kandidatur. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte, Aigner erfülle die Anforderungen an eine integre Persönlichkeit, die das Land zusammenführen und nach außen vertreten könne. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann verwies zugleich auf mögliche Kandidaten aus der eigenen Partei.
Genannt werden unter anderem Bundesbildungsministerin Karin Prien, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer. Auch Monika Grütters und Hessens Ministerpräsident Boris Rhein wurden zeitweise als mögliche Kandidaten gehandelt.
Koalition muss Mehrheit organisieren
Da Steinmeier aus der SPD kommt, gilt es in der Koalition als vereinbart, dass die Union den Vorschlag für das höchste Staatsamt macht. CDU, CSU und SPD verfügen in der Bundesversammlung über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen und könnten die Wahl unter sich entscheiden.
Eine Entscheidung soll noch im November fallen. Sollte Merz einen Mann vorschlagen, wäre dies nach Einschätzung der dpa-Meldung in der SPD schwer zu vermitteln.
Die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier wird zu einem frühen Belastungstest für die schwarz-rote Koalition. Weil Steinmeier nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten darf, muss die Bundesversammlung am 30. Januar ein neues Staatsoberhaupt wählen.
Die Union verfügt gemeinsam mit der SPD über eine Mehrheit in der Bundesversammlung. Damit kann die Koalition die Entscheidung grundsätzlich unter sich treffen, doch die Personalie berührt mehrere Machtfragen zugleich: Die CSU wirbt für Ilse Aigner, während Teile der CDU auf einen eigenen Vorschlag drängen. Für Friedrich Merz geht es deshalb nicht nur um die Auswahl einer geeigneten Persönlichkeit, sondern auch um seine Autorität innerhalb der Union.
Mehrheit und Signalwirkung
Aigner verbindet als Präsidentin des Bayerischen Landtags langjährige politische Erfahrung mit einem Amt, das über Parteigrenzen hinweg angelegt ist. Ihre Unterstützung durch CSU und nun auch den SPD-Fraktionschef erhöht den öffentlichen Entscheidungsdruck auf die CDU. Zugleich macht die Debatte sichtbar, dass eine Kandidatur nicht allein nach parteiinternem Anspruch bewertet werden soll, sondern auch nach Integrationskraft und demokratischer Glaubwürdigkeit.
Für die Koalition wird der Zeitplan entscheidend. Nach Merz’ Rückkehr aus Asien sollen die Gespräche beginnen; am 9. November beraten die CDU-Führungsgremien über die Personalie. Eine Entscheidung noch im November würde die monatelange öffentliche Debatte beenden, könnte aber neue Spannungen auslösen, falls die CDU Aigner nicht mitträgt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag ordnet den CSU-Vorstoß als Führungstest für Friedrich Merz ein und nennt neben Aigner mehrere weitere diskutierte Namen. Anders als die dpa-Meldung legt er den Schwerpunkt auf mögliche Risiken für Merz, falls die Union keine mehrheitsfähige Lösung findet.
Stern: „Steinmeier-Nachfolge: Aigner als Bundespräsidentin? Miersch: 'Ich wäre dabei!'“ (26.10.2026)
Der Artikel bestätigt Mierschs Unterstützung für Aigner und hebt seine Begründung mit ihrer demokratischen Haltung und ihrer möglichen Integrationskraft hervor. Im Mittelpunkt steht dort stärker die parteiübergreifende Zustimmung und der Wahltermin am 30. Januar.
Beide Beiträge beschreiben Aigner als zentrale Kandidatin und Merz als entscheidenden Akteur. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: Im Vordergrund stehen einmal innerparteiliche Risiken, einmal Mierschs Argumentation und die mögliche Unterstützung über Parteigrenzen hinweg.
