Ilse Aigner: Merz schlägt CSU-Politikerin am Montag vor
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 21:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehrheit der Bundesversammlung und Parteivoten
- Friedrich Merz will Ilse Aigner am Montag den CDU-Parteigremien vorschlagen.
- Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier.
- Union und SPD verfügen dort gemeinsam über einen Vorsprung von etwa 50 Stimmen.
Aigner soll Steinmeier im Amt folgen
Bundeskanzler Friedrich Merz will die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner am Montag den CDU-Parteigremien als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt vorschlagen. Damit ist eine Vorentscheidung für die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier gefallen, über die die Bundesversammlung am 30. Januar entscheidet.
Formale Nominierung steht bevor
Die 61-jährige CSU-Politikerin soll nach dem Willen von Merz die erste Frau und die erste CSU-Vertreterin an der Staatsspitze der Bundesrepublik werden. Die SPD hat ihre Unterstützung zugesichert, die CDU muss den Vorschlag nun noch offiziell beschließen.
Koalition mit Mehrheit
In der Bundesversammlung verfügt die Koalition nach Angaben der dpa-Meldung über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Merz strebt zugleich eine Kandidatin der politischen Mitte an und will damit auch die Grünen für Aigner gewinnen.
Aigner bringt Regierungserfahrung mit
Aigner war Bundestags- und Landtagsabgeordnete sowie Ministerin im Bund und in Bayern. Seit 2018 steht sie als Präsidentin an der Spitze des bayerischen Landtags. Das höchste Staatsamt würde sie in einer Zeit übernehmen, in der dem überparteilichen Staatsoberhaupt eine stabilisierende und verbindende Rolle zukommt.
Merz und Söder unter Druck
CSU-Chef Markus Söder hatte Aigner bereits im April als Kandidatin ins Gespräch gebracht. Merz hielt sich zunächst zurück; dadurch entstand der Eindruck, die Führung bei der Kandidatensuche sei der CSU überlassen worden.
Für Söder hätte Aigners Wahl eine doppelte Wirkung: In Bayern fiele eine mögliche persönliche Konkurrentin weg, zugleich rückte eine eigene spätere Kanzlerkandidatur weiter in die Ferne. Zwei der höchsten Staatsämter bei der CSU gelten als politisch kaum durchsetzbar.
Andere Parteien bereiten sich vor
Die Grünen haben Sympathien für Aigner erkennen lassen, aber keine uneingeschränkte Unterstützung zugesagt. Die AfD will einen eigenen Kandidaten aus der Mitte der Gesellschaft aufstellen; die Linke hat sich noch nicht abschließend entschieden.
Die Kandidatur Aigners steht im Zusammenhang mit der Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, dessen Amtszeit nach zehn Jahren endet. Die Bundesversammlung wählt das Staatsoberhaupt am 30. Januar; ihr gehören die 630 Bundestagsabgeordneten und eine gleich große Zahl von Ländervertretern an.
Für die Koalition hat die Verständigung eine besondere Bedeutung. Die SPD unterstützt Aigner, während CDU und CSU ihre gemeinsame Linie nun formal absichern müssen. Nach den Mehrheitsverhältnissen verfügen Union und SPD in der Bundesversammlung über einen Vorsprung von etwa 50 Stimmen. Eine zusätzliche Unterstützung durch die Grünen wäre politisch dennoch relevant, weil sie den Anspruch einer parteiübergreifenden Kandidatur stärken würde.
Amt mit überparteilicher Funktion
Das Bundespräsidentenamt ist nicht mit der politischen Leitung der Bundesregierung vergleichbar. Das Staatsoberhaupt repräsentiert Deutschland, fertigt Gesetze aus und kann in politischen Krisen moderierend wirken. Aigners bisherige Ämter als Bundes- und Landesministerin sowie als Präsidentin des bayerischen Landtags prägen daher die Erwartung, dass sie über Parteigrenzen hinweg arbeiten kann.
Formaler nächster Schritt
Entscheidend ist zunächst das Votum der CDU-Gremien am Montag. Danach beginnt die Phase, in der Aigner sich den Fraktionen vorstellen und um Unterstützung werben kann. Die AfD hat einen eigenen Kandidaten angekündigt; die Linke ist noch nicht abschließend festgelegt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Steinmeier-Nachfolge - Merz legt sich auf Ilse Aigner als Kandidatin für Bundespräsidentenamt fest“ (08.11.2026)
Der Beitrag berichtet, Merz wolle Aigner am Montag den CDU-Gremien vorschlagen. Er hebt zusätzlich hervor, dass Unterstützung auch bei den Grünen vorhanden sei, während AfD und Linke Aigner ablehnten.
Stern: „Merz schlägt Montag CDU-Präsidium Aigner als Bundespräsidentin vor“ (08.11.2026)
Der Stern bestätige Merz’ Festlegung und den geplanten Vorschlag an die CDU-Spitzengremien. Der Schwerpunkt liege wie bei der dpa-Meldung auf dem nächsten formalen Schritt und dem Wahltermin am 30. Januar.
Beide Beiträge stützten damit die bevorstehende CDU-Nominierung. Offen bleibe bis zum Gremienvotum die formale Bestätigung; Unterschiede ergäben sich vor allem bei der Gewichtung von Mehrheiten und parteipolitischer Unterstützung.
