Ilse Aigner erhält Jubel, Merz schweigt zur Präsidentenwahl
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 13:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundesversammlung entscheidet im Januar 2027
- Friedrich Merz begrüßte Ilse Aigner beim CSU-Parteitag in München namentlich.
- Die Bundesversammlung soll am 30. Januar 2027 über das neue Staatsoberhaupt entscheiden.
- Markus Söder warb am Vortag erneut öffentlich für Aigner.
Merz lässt Aigner-Frage beim CSU-Parteitag offen
Bundeskanzler Friedrich Merz hat beim CSU-Parteitag in München keine Angaben dazu gemacht, wann und wie Union und Koalition die Kandidatur für das Bundespräsidentenamt klären wollen. In seiner gut 50-minütigen Rede ging der CDU-Vorsitzende nicht auf die Personalie ein.
Aigner erhält beim Auftakt großen Applaus
Merz begrüßte zu Beginn seiner Rede nach CSU-Chef Markus Söder auch Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner namentlich. Die Delegierten reagierten mit Jubel und erhoben sich von ihren Plätzen.
Aigner saß in der ersten Reihe und winkte mit beiden Händen in die Münchner Messehalle. Merz hatte sie ebenso wie Bundesforschungsministerin Dorothee Bär bereits beim Einzug mit Küsschen links und rechts begrüßt.
Söder wirbt erneut für CSU-Kandidatin
Markus Söder hatte am Freitag in seiner Parteitagsrede erneut für Aigner als nächste Bundespräsidentin plädiert. Die Entscheidung werde zwar „woanders gefällt“, sagte der CSU-Chef, fügte aber hinzu: „Das wäre eine tolle Sache.“
CDU hält eigenen Anspruch offen
Aigner wird in der CSU seit Längerem als mögliche Kandidatin für das Bundespräsidentenamt gehandelt. Söder hatte sie Ende April erstmals für den Posten ins Gespräch gebracht.
Die Haltung der CDU-Führung bleibt offen. Kurz vor dem CSU-Parteitag hieß es aus CDU-Parteikreisen, die CDU habe den Anspruch nicht aufgegeben, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aus ihren Reihen zu nominieren. Merz hat sich zu der Frage bislang nicht öffentlich geäußert.
Die Personalie Ilse Aigner verbindet mehrere offene Fragen der deutschen Bundespolitik. Die CSU wirbt öffentlich für die bayerische Landtagspräsidentin, während die CDU ihren Anspruch auf einen eigenen Vorschlag für das Bundespräsidentenamt bislang nicht aufgegeben hat.
Die Bundesversammlung soll am 30. Januar 2027 über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden. Ihr gehören die 630 Abgeordneten des Bundestags und ebenso viele Vertreter der 16 Bundesländer an. Eine formelle Kandidatenkür steht noch aus.
Union sucht gemeinsamen Vorschlag
Traditionell beansprucht die stärkste Fraktion im Bundestag das Vorschlagsrecht für das Staatsoberhaupt. Bei einer gemeinsamen Nominierung müssten CDU und CSU dennoch eine Personalie finden, die innerhalb der Union und möglichst auch über das Regierungslager hinaus Zustimmung erhält.
Aigner bringt dafür politische Erfahrung und ein überparteiliches Profil mit. Zugleich erhöht jeder öffentliche Vorstoß der CSU den Abstimmungsdruck auf die CDU-Führung. Merz’ Schweigen bei seinem Auftritt in München lässt die zentrale Personalentscheidung offen.
Entscheidung mit Koalitionswirkung
Die Kandidatenfrage berührt auch das Verhältnis von CDU, CSU und SPD. In der Koalition gibt es den Wunsch nach einer Frau im höchsten Staatsamt, während in der Union zusätzlich die Frage des eigenen Vorschlagsrechts und der parteiinternen Balance eine Rolle spielt.
Für die politische Öffentlichkeit bleibt damit entscheidend, wann Merz einen Namen festlegt und ob sich die Schwesterparteien auf Aigner oder eine andere Persönlichkeit verständigen. Bis dahin dürfte der öffentliche Druck auf die CDU-Führung anhalten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: „Wird es erstmals eine Bundespräsidentin geben? Die CSU drängt auf Nominierung von Ilse Aigner“ (23.10.2026)
Der Beitrag ordnet Aigner als mögliche Kandidatin ein und beschreibt den Druck der CSU auf Merz. Anders als die aktuelle Rede konzentriert er sich auf die Vorgeschichte, den Termin der Bundesversammlung und den Konflikt zwischen CSU-Wunsch und offenem CDU-Anspruch.
Bayerischer Rundfunk: „CSU-Parteitag endet mit Rede von Bundeskanzler Merz“ (24.10.2026)
Der Bericht bestätigt, dass Aigners mögliche Kandidatur den Parteitag beschäftigt hat, und hebt Söders erneute Unterstützung hervor. Im Mittelpunkt steht dort der Ablauf des Parteitags, während die dpa-Meldung den ausbleibenden Schritt von Merz in der Kandidatenfrage herausstellt.
Beide Beiträge verbinden die offene Entscheidung mit Söders Unterstützung für Aigner. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Schwerpunkt: Der Bayerische Rundfunk berichtet über den Parteitagsverlauf, ZDFheute über die parteipolitische Vorgeschichte und die noch ausstehende Einigung.
