Ilse Aigner, Bundespräsidentenwahl

Ilse Aigner: CDU will erste Bundespräsidentin nominieren

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 16:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die CDU will die bayerische Landtagspräsidentin in ihren Führungsgremien offiziell für das höchste Staatsamt vorschlagen. Union und SPD verfügen bei der Wahl über eine Mehrheit, während Grüne, AfD und Linke unterschiedlich auf die Personalie reagieren.

Wahltermin und parteipolitische Folgen

  • Friedrich Merz will Ilse Aigner den CDU-Führungsgremien in Berlin offiziell vorschlagen.
  • Die Bundesversammlung wählt am 30. Januar die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier.
  • Eine Wahl Aigners würde die Debatte über mögliche CSU-Kanzlerkandidaten beeinflussen.
  • Die Entscheidung für die CSU-Politikerin Ilse Aigner ist gefallen. - Bild: Sven Hoppe/dpa
  • CSU-Chef Söder hatte sich schon im Frühjahr für seine Parteifreundin starkgemacht. - Bild: Peter Kneffel/dpa
  • Die Grünen werfen Kanzler Merz vor, er habe den Prozess der Kandidatenkür verstolpert. - Bild: Christoph Soeder/dpa
Die Entscheidung für die CSU-Politikerin Ilse Aigner ist gefallen.  - Bild: Sven Hoppe/dpa CSU-Chef Söder hatte sich schon im Frühjahr für seine Parteifreundin starkgemacht.  - Bild: Peter Kneffel/dpa Die Grünen werfen Kanzler Merz vor, er habe den Prozess der Kandidatenkür verstolpert.  - Bild: Christoph Soeder/dpa

Union legt sich auf Ilse Aigner fest

Die CDU hat sich nach der CSU auf Ilse Aigner als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin festgelegt. CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz will die 61 Jahre alte bayerische Landtagspräsidentin den CDU-Führungsgremien am Sonntag und Montag in Berlin offiziell vorschlagen.

Merz verweist auf vereinbartes Verfahren

Merz äußerte sich zunächst nicht namentlich zu Aigner und verwies auf das zwischen CDU und CSU vereinbarte Verfahren. Bei einer Veranstaltung in Hagen sagte er, er halte sich an die Absprachen und habe sich auf eine Frau festgelegt.

Das Vorgehen stieß bei den Grünen und zuvor auch in der CDU auf Kritik. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann bezeichnete die Suche als unprofessionell und dem Amt unwürdig. Der frühere Grünen-Chef Omid Nouripour sagte, Merz sei erneut ein wichtiges Personalverfahren entglitten.

Unterstützung von Union und SPD

SPD-Chef Lars Klingbeil kündigte an, eine Kandidatur Aigners zu begrüßen und zu unterstützen. Union und SPD verfügen in der Bundesversammlung, die am 30. Januar die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier wählt, über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.

Auch aus den Grünen gibt es Sympathien für Aigner. Haßelmann lobte ihr Auftreten in den bisherigen politischen Ämtern. In der Union wurde die mögliche Nominierung dagegen ausdrücklich begrüßt.

AfD und Linke lehnen Kandidatur ab

AfD-Chef Tino Chrupalla wandte sich gegen Aigner und forderte ein Staatsoberhaupt, das alle Deutschen einen solle. Linksfraktionschefin Heidi Reichinnek sprach sich für eine überparteiliche Kandidatur aus.

Aigner wäre erste Frau im Amt

Aigner wäre die erste Bundespräsidentin und zugleich die erste CSU-Politikerin an der Spitze des Staates. CSU-Chef Markus Söder hatte sie bereits im April als mögliche Kandidatin ins Gespräch gebracht.

Eine Wahl Aigners könnte auch die Debatte über die nächste Kanzlerkandidatur der Union beeinflussen. Dass die CSU zugleich das Staatsoberhaupt und den Kanzler stellt, gilt im politischen Berlin als schwer vorstellbar.

Die geplante Nominierung Aigners fällt in eine Phase, in der das Amt des Bundespräsidenten besondere parteiübergreifende Zustimmung erfordert. Gewählt wird das Staatsoberhaupt nicht direkt, sondern von der Bundesversammlung, die aus den Bundestagsabgeordneten und einer gleich großen Zahl von Ländervertretern besteht.

Für die Union und die SPD ist die Personalie deshalb politisch besonders relevant: Beide Parteien verfügen in der Bundesversammlung über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Eine zusätzliche Unterstützung durch die Grünen könnte die Wahl breiter absichern, während AfD und Linke bereits eine parteiunabhängigere Lösung verlangen.

Verfahren und politische Folgen

Merz verweist auf ein zwischen CDU und CSU vereinbartes Verfahren und will Aigner den Führungsgremien offiziell vorschlagen. Die Kritik richtet sich daher weniger gegen Aigner selbst als gegen die lange und öffentlich sichtbar gewordene Suche nach einer Kandidatin.

Aigner wäre die erste Frau und zugleich die erste CSU-Politikerin im höchsten Staatsamt der Bundesrepublik. Ihre Nominierung hätte zudem Folgen für die innerunionale Machtbalance: Wenn die CSU das Staatsoberhaupt stellte, wäre eine gleichzeitige Besetzung des Kanzleramts durch einen CSU-Politiker politisch schwerer vorstellbar.

Entscheidung im Januar

Die Bundesversammlung soll am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden. Bis dahin müssen die Unionsgremien die Kandidatur formal beschließen und die Parteien ihre Unterstützung in der Bundesversammlung festlegen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Personalverfahren entglitten": Aigner steht fest, Merz schweigt weiter (07.11.2026)

Der Beitrag bestätigt die Festlegung der Union auf Aigner und stellt Merz' Zurückhaltung sowie die Kritik aus den Grünen in den Mittelpunkt. Zusätzlich wird die Verteidigung des Suchprozesses durch CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann beschrieben.

Stern: „Bundespräsidentenwahl: Ilse Aigner ist die ungekürte Kandidatin“ (07.11.2026)

Der Stern hebt den breiten Zuspruch für Aigner, die Kritik am Verfahren und die mögliche Bedeutung für die Nachfolgefrage in der Union hervor. Übereinstimmung besteht bei der geplanten offiziellen Vorlage in den CDU-Gremien und beim Wahltermin am 30. Januar.

Beide Beiträge sehen Aigners Kandidatur als politisch weitgehend festgelegt, unterscheiden sich aber beim Schwerpunkt: n-tv rückt Merz' Vorgehen und seine Verteidigung des Verfahrens in den Vordergrund, während der Stern stärker auf die parteipolitischen Folgen blickt.

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