Ilse Aigner: CDU soll CSU-Politikerin am Montag nominieren
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 14:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundesversammlung entscheidet im Januar
- Markus Söder brachte Ilse Aigner im April als Kandidatin für das höchste Staatsamt ins Gespräch.
- Die Bundesversammlung tritt am 30. Januar zur Wahl des Bundespräsidenten oder der Bundespräsidentin zusammen.
- Aigner wäre die erste CSU-Politikerin und die erste Frau an der Staatsspitze der Bundesrepublik.
Ilse Aigner steht vor offizieller Unionsnominierung
Die CDU-Spitze soll am Montag über Ilse Aigner als gemeinsame Kandidatin von CDU und CSU für das Amt der Bundespräsidentin entscheiden. Die Wahl in der Bundesversammlung ist für den 30. Januar vorgesehen.
Entscheidung der CDU-Führung erwartet
Das Präsidium der CDU kommt bereits am Sonntagabend zu einer informellen Vorbesprechung zusammen. Es wird erwartet, dass Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz die 61 Jahre alte bayerische Landtagspräsidentin dort offiziell vorschlägt.
CSU-Chef Markus Söder hatte Aigner bereits im April als Kandidatin ins Gespräch gebracht. In dieser Woche verständigte sich nach Angaben mehrerer hochrangiger Quellen aus der Union auch die CDU-Führung informell auf sie.
SPD signalisiert Unterstützung
Aigner kann neben der Union auch mit Unterstützung der SPD rechnen. Zudem gibt es Sympathien bei den Grünen. Union und SPD verfügen in der Bundesversammlung gemeinsam über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.
Damit gilt eine Wahl Aigners als wahrscheinlich. Sie wäre nach zwölf Männern in 77 Jahren Bundesrepublik die erste Frau an der Staatsspitze.
Karriere vor dem höchsten Staatsamt
Für Aigner wäre die Wahl der Höhepunkt ihrer politischen Laufbahn. Sie war Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Ministerin im Bund und in Bayern und ist seit 2018 Präsidentin des bayerischen Landtags.
Als Bundespräsidentin müsste sie parteiübergreifend wirken und in politischen Krisen stabilisieren. In einem Instagram-Beitrag zu ihrer Zeit als Landtagspräsidentin betonte sie ihren Anspruch, parteipolitisch neutral zu bleiben und zugleich Demokratie und Verfassung zu schützen.
Merz und Söder unter politischem Druck
Merz hatte sich lange nicht öffentlich auf Aigner festgelegt und auf eine Entscheidung nach den Landtagswahlen im September verwiesen. Söder war dagegen mit seinem Vorschlag früh an die Öffentlichkeit gegangen und hatte Aigner im Oktober auf dem CSU-Parteitag Rückenwind gegeben.
In der CDU wurde Söders Vorgehen als Vorpreschen wahrgenommen. In der CSU sorgte der lange Findungsprozess der CDU für Unmut. Die offizielle Einigung könnte deshalb zwar die Personalfrage klären, das Vertrauen zwischen den Unionsparteien aber nur schrittweise wiederherstellen.
Folgen für CDU-Frauen und CSU
Auch CDU-Politikerinnen wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien, Annegret Kramp-Karrenbauer und Ines Claus waren als mögliche Kandidatinnen genannt worden. Ihre nicht erfolgte Nominierung muss ihre politischen Karrierechancen jedoch nicht beeinträchtigen.
Für die CSU wäre Aigner die erste Politikerin der Partei im höchsten Staatsamt. Söder verlöre zugleich eine mögliche innerbayerische Konkurrentin. Eine weitere Kanzlerkandidatur des CSU-Chefs dürfte durch eine Aigner-Wahl schwieriger werden, weil zwei der höchsten Staatsämter kaum dauerhaft bei der CSU liegen würden.
Koalition braucht gemeinsame Vermittlung
Für die Koalition ist Aigner grundsätzlich eine anschlussfähige Kandidatin, weil die SPD ihre Unterstützung bereits signalisiert hat. Ein später Wechsel auf eine CDU-Kandidatin hätte dagegen das Risiko eines Koalitionsstreits erhöht.
Die formelle Entscheidung der CDU-Führung steht noch aus. Danach muss die Bundesversammlung am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden.
Die Entscheidung über die Nachfolge Frank-Walter Steinmeiers ist eng mit dem Kräfteverhältnis in der Union verknüpft. Die Bundesversammlung wählt das Staatsoberhaupt am 30. Januar 2027. Sie besteht aus den 630 Bundestagsabgeordneten und einer gleich großen Zahl von Wahlleuten aus den Ländern.
Union und SPD verfügen dort nach den vorliegenden Mehrheitsverhältnissen gemeinsam über etwa 50 Stimmen mehr als die erforderliche Mehrheit. Eine gemeinsame Kandidatur würde deshalb nicht nur Aigners Wahlchancen erhöhen, sondern auch die Zustimmung der Koalitionspartner sichtbar machen. Sympathien aus den Grünen könnten zusätzlich die überparteiliche Ausstrahlung der Kandidatin stärken.
Signal für Union und Staatsamt
Aigner wäre nach zwölf Männern in 77 Jahren Bundesrepublik die erste Frau im Amt. Zugleich käme erstmals eine CSU-Politikerin an die Staatsspitze. Das verleiht der Personalie über die konkrete Wahl hinaus Bedeutung für die Repräsentation des höchsten Staatsamtes.
Für Friedrich Merz und Markus Söder endet mit der Einigung ein monatelanger innerparteilicher Konflikt, der das Verhältnis zwischen CDU und CSU belastet hat. Die Entscheidung schafft damit eine Voraussetzung für eine engere Zusammenarbeit, beseitigt aber nicht automatisch den politischen Konkurrenzdruck zwischen den Parteichefs.
Die nächsten formellen Schritte
Entscheidend ist zunächst das Votum der CDU-Führung am Montag. Erst danach ist die gemeinsame Nominierung der Union offiziell abgeschlossen. Für die Koalition hängt viel davon ab, ob die Personalentscheidung als gemeinsamer Beschluss vermittelt wird und nicht als Ergebnis eines öffentlichen Machtkampfs.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Ilse Aigner soll laut ARD-Informationen Bundespräsidentin werden“ (06.11.2026)
Der Beitrag berichtet, CDU und CSU wollten Aigner als Kandidatin vorschlagen, und hebt die mögliche Mehrheit von Union und SPD in der Bundesversammlung hervor. Anders als die dpa-Meldung nennt er zusätzlich die Größe der Bundesversammlung und ordnet die Rolle der Grünen sowie einen möglichen AfD-Gegenkandidaten ein.
ZDFheute: „Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden: Kandidatin der Union“ (06.11.2026)
Der Artikel beschreibt die Zustimmung der CDU als entscheidenden Schritt und stellt die Personalie in den Zusammenhang des Machtkampfs zwischen Merz und Söder. Zusätzlich schildert er Aigners beruflichen Weg und ihre politische Laufbahn; offen bleibt dort zunächst die formelle Verkündung durch die CDU.
Beide Beiträge stimmen darin überein, dass Aigner als gemeinsame Unionskandidatin vorgesehen ist und am 30. Januar gewählt werden soll. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Während der eine Beitrag die Mehrheitsverhältnisse und das Verfahren betont, rückt der andere den innerparteilichen Konflikt und Aigners Biografie in den Mittelpunkt.
