Ifo-Studie: Gemeinsames Sorgerecht stärkt Väter und Kinder
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 09:53 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSGemeinsames Sorgerecht stärkt nach einer Trennung laut einer neuen Studie des Ifo-Instituts Familien wirtschaftlich und gesundheitlich. Bei strittigen Fällen profitieren Väter demnach spürbar, während für Mütter keine messbaren Nachteile festgestellt wurden.
Studie mit schwedischen Gerichts- und Registerdaten
Die Forscher werteten 56.188 Gerichtsurteile aus 45 schwedischen Bezirksgerichten zwischen 1992 und 2021 aus. Die Entscheidungen wurden mit Registerdaten zu Einkommen, Bildung, Gesundheit und Kriminalität verknüpft.
Nach Angaben des Instituts steigen bei Vätern mit gemeinsamem Sorgerecht die Einkommen, besonders bei Männern mit niedrigem Einkommensniveau. Zudem sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Antidepressiva-Einnahme um 17 Prozentpunkte.
Vorteile für Kinder, keine messbaren Nachteile für Mütter
Auch die Kinder schneiden den Ergebnissen zufolge besser ab: Ihre Testergebnisse verbessern sich, außerdem besuchen sie häufiger bessere Schulen. Für Mütter zeigen sich weder positive noch negative Effekte.
Auch Befürchtungen, gemeinsames Sorgerecht erhöhe das Risiko häuslicher Gewalt, bestätigten die Daten nach Angaben der Studie nicht. Damit richtet sich die Untersuchung gegen die verbreitete Annahme, bei Sorgerechtsfragen müsse der Vorteil eines Elternteils automatisch auf Kosten des anderen gehen.
Einordnung für die Debatte
Die Studie versteht sich als Beitrag zu familienpolitischen Diskussionen über Sorgerechtsregelungen, die in vielen Ländern geführt werden. Sie liefert dafür einen breiten empirischen Datensatz, der den Blick von Einzelfällen auf langfristige Muster lenkt.
Die neue Ifo-Studie ordnet eine seit Jahren kontrovers geführte familienpolitische Debatte neu ein: Statt eines Nullsummenspiels zeigt sie Vorteile eines gemeinsamen Sorgerechts für Väter und Kinder, ohne messbare Nachteile für Mütter. Für die politische Diskussion ist das relevant, weil Sorgerechtsentscheidungen nach Trennungen häufig unter dem Verdacht stehen, ein Elternteil werde automatisch auf Kosten des anderen gestärkt.Besonders wichtig ist der methodische Zugriff der Forscher: Sie stützen sich auf umfangreiche schwedische Gerichts- und Registerdaten über einen langen Zeitraum. Das macht die Ergebnisse für die Debatte belastbar, weil nicht nur Einzelfälle, sondern zehntausende Entscheidungen ausgewertet wurden. Zugleich bleibt der Befund auf den untersuchten Kontext bezogen; Familienrecht, Gerichte und gesellschaftliche Rahmenbedingungen unterscheiden sich zwischen Ländern deutlich.
Bedeutung für die Familienpolitik
Wenn gemeinsames Sorgerecht nach einer Trennung wirtschaftliche Stabilität fördert und die Bildungswege von Kindern verbessert, spricht das gegen pauschale Annahmen, wonach solche Regelungen vor allem Konflikte verschärfen. Für Deutschland ist das vor allem als Argument in der rechtspolitischen Abwägung interessant, etwa wenn es um die Balance zwischen Kindeswohl, Elternrechten und Schutz vor Gewaltvorwürfen geht.
Was die Zahlen nahelegen
Die gemeldeten Effekte bei Einkommen, Gesundheit und Schulleistungen weisen darauf hin, dass Verantwortung und Kontakt zu beiden Elternteilen mehr Stabilität schaffen können. Dass bei Müttern keine messbaren Vor- oder Nachteile sichtbar sind, schwächt zugleich das verbreitete Argument, gemeinsames Sorgerecht müsse zwangsläufig zulasten eines Elternteils gehen. Für künftige Debatten dürfte daher weniger die Grundfrage „gemeinsam oder allein“ im Mittelpunkt stehen als die Frage, unter welchen Bedingungen gemeinsame Lösungen gut funktionieren.
