Historische Wahlniederlage für CDU: AfD siegt in Mecklenburg-Vorpommern, Linke triumphiert in Berlin
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 04:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie CDU hat bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin historische Niederlagen erlitten, während AfD und Linke deutlich zulegen.
AfD siegt, CDU scheitert in Mecklenburg-Vorpommern
In Mecklenburg-Vorpommern gewinnt die AfD nach Angaben der Landeswahlleitung mit 38,2 Prozent der Stimmen und mehr als einer Verdoppelung ihres Ergebnisses von vor fünf Jahren. Die SPD verzeichnet leichte Verluste und erreicht 35,5 Prozent, die Linke kommt mit 6,5 Prozent auf Platz drei. Die Grünen schaffen mit 5,7 Prozent den Einzug in den Landtag.
Die CDU bleibt mit 4,9 Prozent unter der Sperrklausel und verfehlt erstmals den Sprung in ein Landesparlament. Auch das Bündnis Sahra Wagenknecht scheitert knapp an der Fünf-Prozent-Hürde und erreicht 4,8 Prozent. Im Schweriner Landtag erhält die AfD künftig 32 Sitze, die SPD kommt auf 29 Mandate, Linke und Grüne sind mit jeweils 5 Sitzen vertreten.
Mögliche rot-rot-grüne Koalition in Schwerin
Die bisherige Koalition aus SPD und Linker Partei hat ihre Mehrheit verloren. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig könnte dennoch im Amt bleiben, wenn die Grünen als dritter Partner hinzukommen. Ein solches rot-rot-grünes Bündnis gilt als wahrscheinlich, da jenseits dieser Konstellation nur noch die AfD im Landtag vertreten ist.
Die AfD stellt zwar künftig die stärkste Fraktion, verfügt aber allein über keine Mehrheit. Da keine der anderen im Landtag vertretenen Parteien eine Zusammenarbeit mit ihr anstrebt, bliebe der AfD lediglich die Rolle der Oppositionsführerin.
Linke wird stärkste Kraft in Berlin
In Berlin gewinnt die Linke nach Auszählung aller Stimmen mit 25,7 Prozent und einem deutlichen Vorsprung vor den übrigen Parteien. Dahinter folgen CDU mit 18,8 Prozent, AfD mit 16,3 Prozent, Grüne mit 14,3 Prozent und SPD mit 12,1 Prozent der Stimmen. Die bisher regierende Koalition aus CDU und SPD verliert damit ihre Mehrheit im Abgeordnetenhaus.
Im neuen Berliner Parlament erhält die Linke 47 Sitze, die CDU kommt auf 34 Mandate, die AfD auf 29 und die SPD auf 22 Sitze. Die Grünen sind mit ihren Stimmenanteilen ebenfalls im Abgeordnetenhaus vertreten.
Rot-Grün-Rot in der Hauptstadt wahrscheinlich
In Berlin deutet vieles darauf hin, dass eine Dreierkoalition aus Linken, Grünen und SPD die Regierung bilden wird. Die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, eine 45-jährige Juristin mit türkischen Wurzeln, strebt das Amt der Regierenden Bürgermeisterin an. Die bislang oppositionellen Grünen haben bereits am Wahlabend Gesprächsbereitschaft für ein solches Bündnis signalisiert.
Ob die SPD, zuletzt Juniorpartner der CDU in der Landesregierung, einen Regierungswechsel in dieser Konstellation mitträgt, ist zunächst offen. Spitzenkandidat Steffen Krach hatte im Wahlkampf betont, mit ihm werde es die von der Linken angekündigte Enteignung großer Wohnungskonzerne in dieser Form nicht geben. Rechnerisch wäre auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD möglich, doch hätte es die CDU nach ihren Verlusten und dem Abstand zur Linken schwer, einen Regierungsauftrag zu beanspruchen.
CDU unter Druck, Wahlbeteiligung steigt deutlich
Die Kanzlerpartei CDU gerät nach diesem doppelten Rückschlag weiter unter Druck. Parteichef und Kanzler Friedrich Merz, bereits zuvor in der Kritik, erklärte noch am Abend, er wolle im Amt bleiben. Die Ergebnisse stellen die CDU sowohl im Nordosten als auch in der Hauptstadt vor grundlegende strategische Fragen.
In beiden Ländern ist die Wahlbeteiligung deutlich gestiegen. In Mecklenburg-Vorpommern lag sie bei 78,1 Prozent, in Berlin bei 74,2 Prozent. Damit nutzen deutlich mehr Bürgerinnen und Bürger als bei den vorangegangenen Wahlen ihr Stimmrecht.
Historischer Einschnitt für die CDU
Der Ausgang der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin markiert einen historischen Einschnitt für die CDU. Erstmals verfehlt die Partei in einem Flächenland den Einzug in den Landtag und verliert zugleich in der Hauptstadt klar gegen die Linke. Für Kanzler und Parteichef Friedrich Merz bedeutet dies eine deutliche Schwächung seiner innerparteilichen Autorität, weil die CDU sowohl im Osten als auch im urbanen Zentrum an Kraft verliert. Dies dürfte Debatten über Kurs, Personal und Strategie der Union neu anfachen.
Stärkung der politischen Ränder und komplexe Regierungsbildung
Die starken Zugewinne von AfD in Mecklenburg-Vorpommern und Linken in Berlin deuten auf eine weitere Polarisierung des Parteiensystems hin. Während die AfD trotz Wahlsieg mangels Koalitionspartner auf die Opposition verwiesen bleibt, könnten in beiden Ländern neue Dreierbündnisse nötig werden. In Schwerin ist eine rot-rot-grüne Konstellation wahrscheinlich, in Berlin läuft vieles auf ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD hinaus. Damit würden in beiden Fällen Parteien der linken Mitte und der Linken die Regierungsverantwortung tragen, während die bislang dominierende CDU aus zentralen Machtpositionen verdrängt würde.
Folgen für Bundespolitik und Gesellschaft
Bundespolitisch erhöhen die Ergebnisse den Druck auf die Kanzlerpartei, Antworten auf steigende Unzufriedenheit mit sozialer Lage, Wohnungsmarkt und Transformationspolitik zu geben. Die CDU muss sich zugleich mit der Frage befassen, wie sie im Osten und in Großstädten wieder stärker verankert werden kann. Für viele Bürgerinnen und Bürger werden die neuen Mehrheiten spürbare Auswirkungen auf Themen wie Wirtschafts- und Sozialpolitik, Klimaschutz, innere Sicherheit und Wohnungspolitik haben. Zugleich zeigt die gestiegene Wahlbeteiligung in beiden Ländern, dass das Vertrauen in demokratische Verfahren trotz Konflikten und Polarisierung weiterhin hoch ist.
