Boris Rhein, AfD

Boris Rhein kritisiert CDU-Brandmauer und fordert neuen AfD-Kurs

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 13:51 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) stellt in einem Gastbeitrag den bisherigen Umgang mit der AfD infrage und kritisiert die Strategie einer „Brandmauer“. Statt Ausgrenzung fordert er eine klare inhaltliche Abgrenzung und stärkere argumentative Auseinandersetzung mit AfD-Positionen und deren Wählern.

Rhein fordert Ende der Ausgrenzung der AfD
Boris Rhein (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) fordert einen neuen Umgang mit der AfD und kritisiert die bisherige Strategie einer „Brandmauer“ gegenüber der Partei. In einem Gastbeitrag für die Zeitung „Welt“ plädiert er dafür, die AfD und ihre Wähler nicht auszugrenzen, sondern sich klar und argumentativ von ihr abzugrenzen.

Rhein warnt vor Verdrängung politischer Probleme

Rhein schreibt, Probleme verschwänden nicht, wenn man sie verschweige, verdränge, verleugne oder hinter „Brandmauern“ verbanne. Auch das Verbieten von Parteien löse aus seiner Sicht die dahinterliegenden Konflikte nicht. Er warnt davor, dass es die politischen Ränder stärke, wenn die politische Mitte bestimmte Themen nicht offen anspreche, nur weil sie bereits von der AfD aufgegriffen wurden oder weil die AfD möglichen Lösungen zustimmen könnte.

Kritik an Stigmatisierung im Kampf gegen Rechts

Der CDU-Politiker kritisiert die Stigmatisierung anderer Positionen im Namen eines Kampfs gegen Rechts. Stattdessen wolle er auf eine argumentative Auseinandersetzung setzen, sowohl mit der AfD als auch mit ihren Wählern. Alles, was Menschen beschäftige, ihnen Sorgen bereite und Angst mache, müsse aus seiner Sicht in einer politischen Mitte diskutiert werden können.

CDU soll sich klar nach beiden Seiten abgrenzen

Rhein betont, die CDU sei die einzige Partei, die eine klare Abgrenzung nach links wie auch nach rechts außen vollziehe. Diese klare Abgrenzung über Argumente durch eine bloße Ausgrenzung aus Abneigung zu ersetzen, führe nach seiner Darstellung dazu, dass Wähler sowie deren Einschätzungen und Themen vom offenen Diskurs und einer fairen politischen Auseinandersetzung ausgeschlossen würden. Das stärke am Ende die AfD, anstatt sie zu schwächen.

Die Wortwahl des hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein fällt in eine Phase, in der der Umgang der demokratischen Parteien mit der AfD zu den meistdiskutierten strategischen Fragen der Bundespolitik gehört. Mit seiner Kritik an der vielzitierten „Brandmauer“ greift Rhein einen Kernbegriff der bisherigen CDU-Linie auf und verschiebt die Debatte hin zur Frage, wie inhaltliche Auseinandersetzung und organisatorische Abgrenzung zusammenspielen sollen.

CDU-Linie und innerparteiliche Spannungen

In den vergangenen Jahren haben führende CDU-Politiker wiederholt betont, dass es keine Koalitionen oder Zusammenarbeit mit der AfD geben solle. Gleichzeitig zeigt sich in verschiedenen Landesverbänden, dass Abstimmungsverhalten in Parlamenten und kommunalen Gremien regelmäßig Diskussionen auslöst, wenn CDU-Fraktionen mit Stimmen der AfD Vorhaben durchsetzen oder deren Anträgen zustimmen. Vor diesem Hintergrund erhält Rheins Forderung nach „Abgrenzung statt Ausgrenzung“ besonderes Gewicht: Sie zielt auf eine schärfere inhaltliche Konfrontation, ohne die organisatorische Distanz zur AfD grundsätzlich infrage zu stellen.

Bedeutung für politische Kultur und Wählerschaft

Rhein betont die Rolle der „politischen Mitte“ und warnt davor, Sorgen und Probleme der Bürger aus dem offenen Diskurs herauszuhalten, nur weil sie auch von der AfD artikuliert werden. Damit knüpft er an eine breitere Diskussion über politische Repräsentation an, in der immer wieder die Frage auftaucht, ob sich Teile der Wählerschaft von etablierten Parteien nicht mehr ernst genommen fühlen und deshalb zur AfD wechseln. Die von ihm geforderte argumentative Auseinandersetzung stellt die Bemühung in den Vordergrund, diese Wähler zurückzugewinnen, ohne Positionen der AfD zu übernehmen.

Ausblick auf Bundes- und Landespolitik

Für die bundespolitische Debatte könnte Rheins Beitrag Druck auf die Union ausüben, ihre Begriffe und Strategien im Umgang mit der AfD zu präzisieren. In Hessen ist der Ministerpräsident zugleich Regierungschef und damit ein Akteur, dessen Positionen über parteipolitische Diskussionen hinausreichen. Ob seine Linie von anderen Landesregierungen oder der Bundes-CDU aufgegriffen wird, hängt auch von den kommenden Wahlergebnissen und der weiteren Entwicklung der AfD-Unterstützung in der Bevölkerung ab. Klar ist, dass die Frage, wie demokratische Parteien mit einer starken rechten Partei umgehen, die politische Agenda weiterhin bestimmen wird.

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