Frauenbasketball, Weltmeisterschaft

Heim-WM-Coup in Berlin: Deutsche Basketballerinnen stürmen ins Halbfinale und greifen nach WM-Medaille

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 15:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Deutschlands Basketballerinnen stehen nach einem klaren Sieg über Europameister Belgien überraschend im WM-Halbfinale von Berlin und greifen nach einer Medaille. Gegen Frankreich soll der kometenhafte Aufstieg in die Weltspitze weitergehen.

  • Die deutschen Frauen bejubelten das Halbfinale. - Bild: Andreas Gora/dpa
    Die deutschen Frauen bejubelten das Halbfinale. - Bild: Andreas Gora/dpa
  • Deutschlands Basketballerinnen wollen auch gegen Frankreich jubeln. - Bild: Andreas Gora/dpa
    Deutschlands Basketballerinnen wollen auch gegen Frankreich jubeln. - Bild: Andreas Gora/dpa
  • Bundestrainer Olaf Lange hat die deutschen Basketballerinnen auf ein anderes Niveau gehoben. - Bild: Andreas Gora/dpa
    Bundestrainer Olaf Lange hat die deutschen Basketballerinnen auf ein anderes Niveau gehoben. - Bild: Andreas Gora/dpa
  • Frieda Bühner hat auch vor Frankreich keine Angst. - Bild: Andreas Gora/dpa
    Frieda Bühner hat auch vor Frankreich keine Angst. - Bild: Andreas Gora/dpa
Die deutschen Frauen bejubelten das Halbfinale. - Bild: Andreas Gora/dpa Deutschlands Basketballerinnen wollen auch gegen Frankreich jubeln. - Bild: Andreas Gora/dpa Bundestrainer Olaf Lange hat die deutschen Basketballerinnen auf ein anderes Niveau gehoben. - Bild: Andreas Gora/dpa Frieda Bühner hat auch vor Frankreich keine Angst. - Bild: Andreas Gora/dpa

Deutschlands Basketballerinnen haben bei der Heim-WM in Berlin erstmals in ihrer Geschichte das Halbfinale erreicht und greifen völlig überraschend nach einer Medaille.

Historischer Sieg über Europameister Belgien

Nur eine Woche nach der deutlichen 30-Punkte-Niederlage zum Auftakt gegen Spanien bezwang die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes Europameister Belgien mit 93:74 und katapultierte sich damit in die Weltspitze. Ex-Nationalspielerin und TV-Expertin Ireti Amojo lobte die Mannschaft als weltklasse, während Anführerin Leonie Fiebich ankündigte, das Team wolle den historischen Moment gemeinsam feiern.

Halbfinale gegen Frankreich, möglicher Traumgegner USA

Im Halbfinale treffen die Gastgeberinnen an diesem Samstag um 16.30 Uhr in Berlin auf Titelkandidat Frankreich. Im Falle eines Erfolgs ginge es im Finale am Sonntag gegen Topfavorit USA oder erneut gegen Spanien. Aus deutscher Sicht wäre insbesondere ein Duell mit dem US-Superteam um Caitlin Clark ein Traumfinale.

Olaf Lange als prägende Figur

Bundestrainer Olaf Lange sprach mit Blick auf den Sieg gegen Belgien vom besten Tag im deutschen Basketball. Für den Coach ist das Turnier in seiner Heimatstadt Berlin besonders emotional, zumal er bereits vor vier Jahren bei einer WM mit Australien Bronze gewonnen hatte. Jetzt erlebt er eine andere Dimension, weil er das Erfolgsprojekt im eigenen Land und mit der deutschen Mannschaft verantwortet.

Klarer Plan und neues Selbstbewusstsein

Lange hat dem Team innerhalb kurzer Zeit einen klaren Plan vermittelt und das Potenzial der Spielerinnen geweckt. Fiebich bezeichnete den Trainer als fehlendes Puzzleteil und betonte, sie habe sich in der Nationalmannschaft noch nie so wohl und frei gefühlt. Diese neue Freiheit und das gewachsene Selbstbewusstsein führten gegen Belgien zu einem rauschhaften Basketball-Abend mit großer Begeisterung auf den Rängen.

Team im Rausch und gestiegene Ansprüche

Während auf der Tribüne Basketball-Legende Dirk Nowitzki und Verbandspräsident Ingo Weiss jubelten, sprach Fiebich davon, dass Deutschland kein Underdog mehr sei. Die Gegner hätten das Team nun im Visier und wüssten, dass mit den Deutschen zu rechnen sei. Die Mannschaft wolle den Schwung nutzen und sehen, wie weit sie bei dieser WM noch kommt.

Frankreich als nächster Härtetest

Frankreich, Olympia-Zweiter von 2024, gilt als besonders stark, weil das Team schnelle und physische Spielerinnen vereint und damit ein komplettes Paket bietet. Dass die Französinnen wegen ihrer direkten Qualifikation ins Viertelfinale ein Spiel weniger absolviert haben als Deutschland, bewertet Lange nicht als entscheidend, da er die Einsatzzeiten gut verteilt sieht und mit frischer Energie rechnet.

Nyara Sabally im besonderen Schuhwerk

Nyara Sabally, deren Einsatz vor dem Turnier noch fraglich war, wollte sich die WM in ihrer Heimatstadt Berlin keinesfalls entgehen lassen. Gegen Belgien überzeugte sie mit einem Double Double und lief dabei in Schuhen ihrer zwei Jahre älteren Schwester Satou auf. Satou fehlt wegen der Nachwirkungen einer Gehirnerschütterung, ist durch das besondere Schuhwerk aber symbolisch ein wenig Teil des Teams.

Revanchechance nach Olympia

Nach dem Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Spielen 2024 sieht Deutschland im Duell mit Frankreich eine Gelegenheit zur sportlichen Revanche. Kapitänin Marie Gülich betonte, die Mannschaft sei inzwischen ein anderes Team als bei Olympia. Die junge Frieda Bühner ergänzte selbstbewusst, Frankreich sei zwar ein sehr gutes Team, doch Deutschland gehöre nun ebenfalls zu den besten vier Teams der Welt und sei damit selbst richtig stark.

Historischer Schritt für den deutschen Frauenbasketball

Der Halbfinaleinzug der deutschen Basketballerinnen bei der Heim-WM in Berlin markiert einen Einschnitt für den Frauenbasketball in Deutschland. Erstmals spielt eine deutsche Auswahl bei einem globalen Turnier um Medaillen und etabliert sich damit sichtbar in der internationalen Spitze. Für viele Spielerinnen ist dies die erste Erfahrung, vor ausverkauften Rängen und großem Medieninteresse ein K.o.-Spiel auf Weltklasseniveau zu bestreiten. Die deutliche Steigerung innerhalb weniger Tage – vom klaren Auftaktverlust gegen Spanien hin zum Sieg über Europameister Belgien – unterstreicht, dass das Team taktisch und mental gewachsen ist.

Rolle des Bundestrainers und der Generation um Fiebich und Sabally

Eine zentrale Figur dieser Entwicklung ist Bundestrainer Olaf Lange. Er hat innerhalb kurzer Zeit eine klare Spielidee implementiert und das vorhandene Talent im Kader strukturiert. Dass Führungsspielerin Leonie Fiebich von einem Puzzleteil spricht, das gefehlt habe, zeigt, wie sehr Trainer und Mannschaft harmonieren. Parallel wächst eine Generation von Spielerinnen heran, die internationale Erfahrung aus WNBA und europäischen Spitzenligen mitbringt. Nyara Sabally steht exemplarisch für diesen Typ: Sie nutzt die Heim-WM nach verletzungsbedingt unsicherem Status zu einem starken Auftritt und setzt mit ihrem Double Double ein sportliches Ausrufezeichen.

Signalwirkung für Verband, Nachwuchs und Öffentlichkeit

Der Erfolg hat Auswirkungen über das Turnier hinaus. Der Deutsche Basketball Bund erhält Argumente, um Frauenprogramme, Nachwuchsförderung und professionelle Strukturen weiter auszubauen. Junge Spielerinnen sehen erstmals, dass ein deutsches Team gegen europäische Topnationen bestehen und bei einer WM um Edelmetall spielen kann. Zugleich könnte der Eindruck eines „Rausch-Abends“ mit prominenter Unterstützung auf den Rängen dazu beitragen, dass mehr Fans, Sponsoren und Medien den Frauenbasketball dauerhaft wahrnehmen. Unabhängig vom Ausgang gegen Frankreich hat die Mannschaft ihren Status als Underdog abgelegt und wird künftig von Gegnern und Öffentlichkeit anders eingeordnet.

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