Heidenau, Stolpersteine

Heidenau beschließt Stolperstein-Verbot – breite Kritik an CDU und AfD

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 17:02 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Stadtrat von Heidenau hat einen Antrag von CDU und AfD beschlossen, künftig keine neuen Stolpersteine im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich zu verlegen. Stattdessen soll das Gedenken vorzugsweise auf dem Nordfriedhof stattfinden – dagegen formiert sich bundesweit Kritik.

  • In Heidenau sollen künftig keine Stolpersteine mehr im öffentlichen Straßenraum verlegt werden.  - Bild: Robert Michael/dpa
    In Heidenau sollen künftig keine Stolpersteine mehr im öffentlichen Straßenraum verlegt werden. - Bild: Robert Michael/dpa
  • Der umstrittene Beschluss geht auf einen Antrag von CDU und AfD zurück.  - Bild: Robert Michael/dpa
    Der umstrittene Beschluss geht auf einen Antrag von CDU und AfD zurück. - Bild: Robert Michael/dpa
In Heidenau sollen künftig keine Stolpersteine mehr im öffentlichen Straßenraum verlegt werden.  - Bild: Robert Michael/dpa Der umstrittene Beschluss geht auf einen Antrag von CDU und AfD zurück.  - Bild: Robert Michael/dpa

Der Stadtrat von Heidenau hat am Donnerstagabend beschlossen, künftig keine neuen Stolpersteine im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus zu verlegen.

Gedenken soll auf den Nordfriedhof

Dem Antrag von AfD und CDU zufolge soll das Gedenken vorzugsweise auf dem Nordfriedhof stattfinden, sodass ein direktes Betreten der Gedenkelemente ausgeschlossen ist. Viele Bürger, Angehörige und Initiativen empfänden Stolpersteine im Gehwegbereich als unangemessene Form der Erinnerung, heißt es in der Begründung.

Die kleinen, meist spendenfinanzierten Messingplatten werden am letzten bekannten Wohn- oder Wirkungsort von Opfern des Nationalsozialismus verlegt. Auf ihnen stehen Namen und Lebensdaten der Verfolgten.

Stadtverwaltung hatte Antrag abgelehnt

Die Heidenauer Stadtverwaltung hatte empfohlen, den Antrag abzulehnen. Sie verwies darauf, dass Stolpersteine im öffentlichen Raum sichtbar seien und eine unmittelbare Auseinandersetzung mit der Geschichte ermöglichten.

Bürgermeisterin Conny Oertel sagte, in der Debatte sei es nicht um das Ob des Gedenkens gegangen, sondern um die Form. Bereits verlegte Stolpersteine bleiben bestehen.

Breite Kritik an der Entscheidung

Die Entscheidung löste bundesweit Kritik aus. Israels Botschafter Ron Prosor schrieb auf X: „Ich bin beschämt.“ Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) bezeichnete das Verbot als Skandal und warnte davor, jüdische Menschen und ihre Geschichte aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen.

Die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch nannte es den „völlig falschen Weg“, Orte der Erinnerung aus dem Stadtbild zu entfernen. Grünen-Chef Felix Banaszak kritisierte die Begründung, man könne auf Stolpersteinen herumtreten, als absurd.

Initiator kritisiert CDU

Auch Gunter Demnig, Initiator des Stolperstein-Projekts, reagierte scharf. Nach den Wahlerfolgen der AfD sei eine solche Entscheidung zu erwarten gewesen, sagte der Künstler. Der CDU warf er vor, sich von christlichen Werten entfernt zu haben.

Kritik kam zudem von Linken und SPD im sächsischen Landtag. Der SPD-Abgeordnete Albrecht Pallas forderte den Stadtrat auf, die Entscheidung zu überdenken. In Heidenau gibt es bislang Stolpersteine an zwei Standorten.

Dezentrales Gedenken im Alltag

Stolpersteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus am letzten bekannten Wohn- oder Wirkungsort. Ihr Ansatz unterscheidet sich damit grundlegend von einem zentralen Mahnmal: Die Erinnerung wird in Straßen, Wohnviertel und tägliche Wege integriert. In Heidenau liegen bislang fünf Steine an zwei Standorten. Bereits verlegte Steine bleiben bestehen.

Der Streit berührt deshalb nicht nur die Gestaltung eines Gedenkortes, sondern die Frage, wie sichtbar historische Verantwortung im öffentlichen Raum sein soll. Die Stadtverwaltung hatte argumentiert, ein Friedhof könne einen zusätzlichen Erinnerungsort schaffen, die Verbindung zu den früheren Lebensorten der Verfolgten aber nicht ersetzen. Für Angehörige und Initiativen steht dabei die individuelle Biografie im Mittelpunkt.

Lokale Entscheidung mit überregionaler Wirkung

Der Beschluss reiht sich in eine länger geführte Debatte über Stolpersteine ein. Kritiker wenden ein, die Namen würden im Boden liegen und könnten betreten oder verschmutzt werden. Andere sehen gerade darin eine bewusste Unterbrechung des Alltags und eine Aufforderung, innezuhalten. München nutzt auf städtischem Grund andere Erinnerungszeichen, während Stolpersteine in vielen europäischen Ländern verbreitet sind.

Politisch besonders bedeutsam ist die gemeinsame Initiative von CDU und AfD. Der sächsische CDU-Generalsekretär Tom Unger distanzierte sich vom pauschalen Ausschluss und bezeichnete Stolpersteine als legitime Form des Erinnerns. Für Bürgerinnen und Bürger bleibt vorerst entscheidend, ob und wie der geplante zentrale Gedenkort auf dem Nordfriedhof umgesetzt wird.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

MDR: „Stadtrat folgt AfD- und CDU-Antrag: Keine neuen Stolpersteine in Heidenau“ (25.09.2026)

Der Bericht bestätige den Beschluss und ordne die Abstimmung mit 13 Ja-Stimmen, sechs Gegenstimmen und einer Enthaltung ein. Er hebe zusätzlich hervor, dass bereits verlegte Steine bleiben sollten, der Standort Nordfriedhof noch nicht feststehe und sich die sächsische CDU vom pauschalen Ausschluss distanziere.

Tagesspiegel: „‚Sollte ihr C vielleicht streichen‘: Stolperstein-Initiator kritisiert CDU nach Heidenauer Votum“ (25.09.2026)

Der Artikel bestätige das Abstimmungsergebnis und setze einen Schwerpunkt auf die Kritik des Projektinitiators Gunter Demnig an der Zusammenarbeit von CDU und AfD. Anders als der MDR-Bericht rücke er stärker die politische Bedeutung des Vorgangs sowie die Reaktion des Internationalen Auschwitz-Komitees in den Mittelpunkt.

Beide Berichte stimmten darin überein, dass der Stadtrat weitere Stolpersteine im öffentlichen Straßenraum ablehne. Offen bleibe, wie der zentrale Gedenkort ausgestaltet werde und ob die Entscheidung politisch oder rechtlich noch verändert werde.

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