Hilfsorganisation, Entwicklungshilfe

Uns steht eine neue Aids-Epidemie bevor: Der Stopp der US-Entwicklungshilfe torpediert die Aidsbekämpfung in Nigeria und Simbabwe / (Serie: Der Wegfall von USAID und seine Folgen, Teil 3)

04.03.2026 - 04:30:00 | presseportal.de

Harare/Abuja - Viele Länder in Subsahara-Afrika erfahren durch die Streichungen der US-Entwicklungsgelder bei der Gesundheitsversorgung dramatische Einschnitte. Schon vor der Zerschlagung von USAID waren die Zahlungen der Entwicklungszusammenarbeit in Bezug auf die globale Gesundheit rückläufig, der US-Rückzug setzt eine bedrohliche Zäsur, etwa wegen des Wegfalls von HIV/Aids-Programmen. Laut Schätzungen könnte dies zu 6,6 Millionen mehr HIV-Neuinfektionen und zu rund drei Millionen zusätzlichen Aidswaisen führen. Nigeria und Simbabwe sind besonders von HIV betroffen. 2025 beliefen sich dort die US-Kürzungen im Gesundheitsbereich je auf rund 60 Prozent. Makunura Addmore, Leiter der SOS-Kinderdörfer Simbabwe, sagt: "Uns steht eine neue Aids-Epidemie bevor, schon jetzt kommt es vielerorts zu Behandlungsunterbrechungen, die HIV-Übertragungen werden zunehmen - und damit auch die Zahl der Aids-Waisen und kranken Kinder."

"Uns steht eine neue Aids-Epidemie bevor": Der Stopp der US-Entwicklungshilfe torpediert die Aidsbekämpfung in Nigeria und Simbabwe / (Serie: Der Wegfall von USAID und seine Folgen, Teil 3) - Foto: presseportal.de

Länder wie Nigeria und Simbabwe sind keine Einzelfälle. In einer Serie zeigen die SOS-Kinderdörfer, welche Folgen die Auflösung der US-Entwicklungsbehörde USAID und der Stopp zentraler Förderprogramme für Kinder und Familien in besonders betroffenen Ländern haben. Weitere Berichte aus Asien, Afrika und Südamerika folgen.

In Nigeria steht die Gesundheitsversorgung vor dem Kollaps

In Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas, leben - nach Südafrika - die meisten von HIV betroffenen Menschen. Bislang hat PEPFAR, das weltweit größte Hilfsprogramm der USA zur Aids-Bekämpfung, rund 90 Prozent der HIV-Behandlungskosten übernommen und damit 1,6 Millionen Menschen von zwei Millionen Erkrankten geholfen. Auch hier wurde drastisch gekürzt. Chijioke Nwakaudu, Finanzbeauftragter der SOS-Kinderdörfer Nigeria, sagt: "Der Finanzierungsstopp hat landesweit zu einer sofortigen Unterbrechung von Gesundheitsdienstleistungen geführt und die Versorgung mit HIV-Medikamenten gerät immer mehr ins Stocken. Unsere Regierung muss die Selbstversorgung im Gesundheitsbereich jetzt extrem beschleunigen." Stark betroffen sei auch der Bereich der Mutter-Kind-Gesundheit. So sei die Müttersterblichkeitsrate im Norden Nigerias schon jetzt zehnmal so hoch wie im Süden. 2024 seien mehr als die Hälfte aller Gesundheitsprogramme im Norden von USAID getragen worden. Durch die Streichungen würde die Zahl der Todesfälle weiter steigen. "Der USAID-Cut verfestigt den Kreislauf der Armut, denn Kinder, die ihre Eltern durch oftmals vermeidbare Krankheiten verlieren oder selbst chronisch krank sind, haben kaum Chancen auf sozialen Aufstieg", sagt Nwakaudu.

Rückschritte bei der Aidsbekämpfung in Simbabwe

Die USA waren auch in Simbabwe das wichtigste Geberland im Gesundheitsbereich, investiert wurde vor allem in die Mutter-Kind-Gesundheit und in HIV-Programme. In Simbabwe leben rund 1,3 Millionen Menschen mit HIV, über zehn Prozent sind unter 19 Jahre alt. "Nicht zuletzt wegen der PEPFAR-Förderung konnten wir echte Fortschritte bei der Aids-Bekämpfung verzeichnen. Bei 96 Prozent der HIV-Infizierten konnte die Viruslast mit Medikamenten stark unterdrückt werden, 95 Prozent der Erkrankten erhielten Behandlungen. Jetzt werden wir eine Umkehrung der Situation erleben", sagt Makunura Addmore, Leiter der SOS-Kinderdörfer Simbabwe. Bis Ende 2025 seien die Versorgungsmaßnahmen mit Hilfe des US-Außenministeriums weitestgehend aufrechterhalten worden. Anfang 2026 hätten die USA dann entschieden, die Gesundheitshilfen für Simbabwe komplett einzustellen, da Verhandlungen über ein bilaterales Finanzierungsabkommen mit dem Land gescheitert seien. Fast zeitgleich habe Simbabwe mit der Einführung eines neuen HIV-Präventionsmedikaments einen großen Fortschritt erzielt. Ohne US-Finanzierungshilfen sei eine flächendeckende Versorgung mit dem Medikament aber kaum mehr umsetzbar. "Die Streichungen sind ein Weckruf für Regierungen im globalen Süden, sie führen ihnen ihre übermäßige Abhängigkeit von Entwicklungsgeldern vor Augen. Sie müssen mehr Verantwortung für die eigene Bevölkerung übernehmen. Damit unsere Gesundheitsversorgung in nächster Zeit jedoch nicht komplett zusammenbricht, und dass den Tod von Millionen Kindern und Erwachsenen zur Folge hat, muss die internationale Gemeinschaft jetzt handeln."

Hintergrund zur Serie: Die Folgen des USAID-Stopps

Die SOS-Kinderdörfer dokumentieren in einer Reihe von Berichten die Auswirkungen der Auflösung von USAID auf besonders betroffene Länder. Neben Nigeria und Simbabwe gehören dazu unter anderem Peru, Kolumbien, Thailand und die Ukraine. USAID zählte jahrzehntelang zu den größten Gebern weltweit. Mit der Eingliederung in das US-Außenministerium im Februar 2025 wurden zahlreiche Programme gestoppt oder massiv gekürzt - mit direkten Folgen für Gesundheitsversorgung, Kinderschutz, humanitäre Hilfe, Friedensförderung und Kriminalitätsbekämpfung. Laut einer Studie der Fachzeitschrift ,The Lancet' könnten die Einschnitte bis 2030 zum Tod von bis zu 4,5 Millionen Kindern beitragen.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Boris Breyer
Pressesprecher SOS-Kinderdörfer weltweit
Tel.: 0160 - 984 723 45
E-Mail: boris.breyer@sos-kd.org
www.sos-kinderdoerfer.de

Original-Content von: SOS-Kinderdörfer weltweit e.V. übermittelt durch news aktuell

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