Bund muss ĂŒber Gasförderung vor Borkum entscheiden
14.08.2024 - 17:02:42(neu: Reaktion des niederlÀndischen Wirtschaftsminsteriums)
HANNOVER/BORKUM (dpa-AFX) - Die umstrittene Erdgasförderung vor der Nordseeinsel Borkum wird zu einem Fall fĂŒr die Bundesregierung. Zwar erteilte das zustĂ€ndige niedersĂ€chsische Landesamt dem niederlĂ€ndischen Energiekonzern One-Dyas eine auf 18 Jahre befristete Genehmigung. Allerdings bedarf es fĂŒr die Bohrungen, die unter dem Meeresboden in deutsches Gebiet reichen, auch eines Abkommens zwischen Deutschland und den Niederlanden. AuĂerdem wollen UmweltverbĂ€nde weiterhin rechtlich gegen das Projekt vorgehen.
Druck bekommt die Bundesregierung unter anderem von Fridays for Future und Greenpeace. Klimaaktivistin Luisa Neubauer sagte, Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und AuĂenministerin Annalena Baerbock (beide GrĂŒne) mĂŒssten nun zeigen, ob sie "auf der Seite eines fossilen Klimaschmutzkonzerns oder auf der Seite der Menschen, Umwelt und Energiewende" stĂŒnden.
Habeck will Gerichtsentscheidungen zum Gasprojekt abwarten
Wirtschaftsminister Habeck reagierte zurĂŒckhaltend auf die Genehmigung des niedersĂ€chsischen Landesamts fĂŒr Bergbau, Energie und Geologie und sagte, er wolle mögliche Gerichtsentscheidungen abwarten. "Das ist heute keine gerichtsfeste Entscheidung, sie wird sicherlich beklagt werden", sagte der GrĂŒnen-Politiker in Berlin. Erst wenn die relevanten Urteile gefallen seien, werde entschieden, ob das Abkommen zwischen Deutschland und den Niederlanden unterzeichnet werde.
Es gehe um ein vergleichsweise kleines Gasfeld, sagte Habeck. "Es ist weniger als der Jahresbedarf des deutschen Gasverbrauchs, und das wird sich dann ja ĂŒber Jahrzehnte strecken." Der Effekt auf Energiesicherheit oder Preise sei höchstens minimal. "Und es ist ein sehr, sehr sensibles ökologisches Gebiet", betonte Habeck. Der Nationalpark Wattenmeer sei "eine Perle in dem Naturschutz". Im Falle einer Gasförderung drohe das Unesco-Welterbe aberkannt zu werden.
Das Bundesumweltministerium hatte schon vor der Entscheidung des Landesamts erklÀrt, man sehe eine "Zementierung von fossilen Infrastrukturen" kritisch und eine mögliche Genehmigung "mit Blick auf den Meeresschutz mit Sorge".
UmweltverbÀnde und Stadt Borkum protestieren
Ein BĂŒndnis um die Deutsche Umwelthilfe kĂŒndigte an, alle rechtlichen Mittel gegen das Projekt auszuschöpfen. Die Partner hatten kĂŒrzlich vor dem Verwaltungsgericht in Oldenburg schon erreicht, dass ein Kabel zur Stromversorgung der Bohrinsel vorerst nicht verlegt werden darf. Auch die Stadt Borkum will rechtliche Schritte prĂŒfen.
Niederlande erwarten schnelle Einigung
Die Niederlande erwarten nun, dass das bilaterale Abkommen schnell unterzeichnet wird. Beide LĂ€nder hĂ€tten zunĂ€chst abgewartet, bis alle notwendigen Genehmigungen erteilt waren, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Den Haag. Da dies nun auch auf deutscher Seite der Fall, sei, könne das Verfahren dazu beginnen. Der Vertrag mĂŒsse spĂ€testens am 1. Dezember fertig sein, damit noch in diesem Winter die Gasförderung starten könne.
Niedersachsen sieht finale Entscheidung beim Bund
Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) sagte, die letzte Entscheidung liege beim Bund: "Das sind letztlich auch energie- und geostrategische Entscheidungen, die der Bund hier treffen muss." Der Umweltminister des Landes, Christian Meyer von den GrĂŒnen, sagte, aus Sicht des Klimaschutzes seien neue fossile Gas- oder Ălförderungen unnötig.
Das niedersĂ€chsische Landesamt hatte erklĂ€rt, mit der Genehmigung sei geregelt, dass die Förderung vorzeitig ende, sobald durch die WĂ€rmewende in Deutschland kein Erdgas mehr als EnergietrĂ€ger benötigt wird. "Solange aber in Deutschland noch Erdgas verbraucht wird, gilt: Das aus heimischen LagerstĂ€tten geförderte Erdgas ist erheblich weniger klimaschĂ€dlich als das importierte", sagte der PrĂ€sident der Behörde, Carsten MĂŒhlenmeier.
Bis zu 13 Milliarden Kubikmeter Gas
Der Konzern One-Dyas will noch in diesem Jahr damit beginnen, vor den Inseln Borkum und Schiermonnikoog Erdgas zu fördern. Dazu soll eine Förderplattform auf niederlĂ€ndischem Gebiet rund 20 Kilometer nordwestlich von Borkum errichtet werden. Geplant sind Bohrungen, die in einer Tiefe von 1,5 bis 3,5 Kilometern schrĂ€g ins deutsche Gebiet abgelenkt werden. Die erwartete förderbare Menge Erdgas fĂŒr das gesamte Vorhaben belĂ€uft sich auf 4,5 bis 13 Milliarden Kubikmeter. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Bundesnetzagentur in Deutschland rund 81 Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht.

