THW Kiel, SG Flensburg-Handewitt

Handball-Nordderby: Videobeweis sorgt nach 31:31 zwischen Kiel und Flensburg für Ärger

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 15:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt trennen sich im 117. Nordderby 31:31. Ein per Videobeweis aberkanntes Tor in der Schlusssekunde sorgt für heftige Kritik und eine Debatte über mögliche Trainer-Challenges.

  • Die Überprüfung der letzten Szene des Derbys sorgte beim THW Kiel für Ärger und Unverständnis. - Bild: Frank Molter/dpa
    Die Überprüfung der letzten Szene des Derbys sorgte beim THW Kiel für Ärger und Unverständnis. - Bild: Frank Molter/dpa
  • Domen Makuc verfolgte gebannt die Video-Überprüfung der letzten Derby-Szene. - Bild: Frank Molter/dpa
    Domen Makuc verfolgte gebannt die Video-Überprüfung der letzten Derby-Szene. - Bild: Frank Molter/dpa
  • Die Flensburger durften nach Videobeweis über einen Punkt jubeln. - Bild: Frank Molter/dpa
    Die Flensburger durften nach Videobeweis über einen Punkt jubeln. - Bild: Frank Molter/dpa
Die Überprüfung der letzten Szene des Derbys sorgte beim THW Kiel für Ärger und Unverständnis. - Bild: Frank Molter/dpa Domen Makuc verfolgte gebannt die Video-Überprüfung der letzten Derby-Szene. - Bild: Frank Molter/dpa Die Flensburger durften nach Videobeweis über einen Punkt jubeln. - Bild: Frank Molter/dpa

Der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt haben sich im 117. Nordderby der Handball-Bundesliga 31:31 (18:14) getrennt, nachdem der vermeintliche Kieler Siegtreffer in der Schlusssekunde nach Videobeweis aberkannt worden war.

Makuc’ Schrittfehler entscheidet die Schlussphase

Julian Köster hatte den Ball in letzter Sekunde ins Tor geworfen und damit zunächst den Kieler Jubel ausgelöst. Nach minutenlanger Betrachtung der Bilder entschieden die Unparteiischen jedoch auf einen Schrittfehler von Vorbereiter Domen Makuc.

THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi beschrieb die Stimmung als schmerzhaft. Torhüter Andreas Wolff sprach von einer „erbärmlichen Schiedsrichterleistung“ und kritisierte, die Unparteiischen hätten so lange zurückgespult, bis sie einen Verstoß gegen Kiel gefunden hätten.

Kiel kritisiert Einsatz des Videobeweises

Auch Kreisläufer Hendrik Pekeler stellte infrage, was die Schiedsrichter zur Überprüfung veranlasst habe. Trainer Börge Lund bemängelte, dass bei einer immer weiter zurückreichenden Kontrolle eine klare Grenze fehle.

Der Deutsche Handballbund forderte nach der Kritik eine sachliche Analyse und einen respektvollen Umgang miteinander. Zugleich verwies der Verband darauf, dass alle Beteiligten das Regelwerk detailliert kennen müssten.

Pajovic bringt Trainer-Challenge ins Gespräch

Flensburgs Trainer Ales Pajovic zeigte Verständnis für den Ärger der Kieler, war mit dem gewonnenen Punkt aber zufrieden. Er brachte eine Challenge-Möglichkeit für Trainer ins Gespräch, damit Mannschaften nicht ausschließlich von den Entscheidungen der Schiedsrichter abhängig seien.

Auch Flensburgs Rückraumspieler Simon Pytlick bezeichnete die Entscheidung als hart und erklärte, bei einem umgekehrten Ausgang wäre er möglicherweise ebenfalls verärgert gewesen. Marko Grgic merkte an, dass bei einer derart strengen Anwendung des Videobeweises viele Spiele deutlich weniger Tore haben könnten.

Flensburg bleibt Tabellenführer

Beide Teams stehen nach dem Remis bei 11:1 Punkten. Flensburg behauptete wegen der besseren Tordifferenz die Tabellenführung vor Kiel.

Für den THW geht es am Mittwoch beim deutschen Meister SC Magdeburg weiter. Flensburg startet am selben Tag in der European League gegen BM Granollers.

Videobeweis als Regel- und Ermessensfrage

Die Schlusssekunde macht ein grundsätzliches Spannungsfeld im Handball sichtbar: Der Videobeweis soll gravierende Fehlentscheidungen korrigieren, kann aber selbst zum Mittelpunkt eines Spiels werden, wenn die Überprüfung weit in die vorherige Aktion zurückreicht. Im Derby wurde nicht der Torwurf von Julian Köster allein bewertet, sondern die Vorbereitung durch Domen Makuc.

Für die Diskussion ist deshalb entscheidend, welche Eingriffsschwelle gilt und wie weit eine Szene zurückverfolgt werden darf. Kiels Kritik richtet sich weniger gegen die Existenz der Technik als gegen ihre Anwendung und die fehlende Transparenz der Entscheidung. Flensburg erkennt den technischen Fehler an, hält die Konsequenz angesichts der Häufigkeit solcher Schrittfehler aber für hart.

Spitzengruppe bleibt eng zusammen

Sportlich verändert das Remis die Ausgangslage an der Tabellenspitze nur begrenzt: Beide Mannschaften bleiben nach sechs Spieltagen punktgleich, Flensburg liegt wegen der besseren Tordifferenz vorn. Für Kiel folgt bereits am Mittwoch die nächste schwere Prüfung beim deutschen Meister SC Magdeburg; Flensburg startet am selben Abend in der European League.

Die Debatte dürfte damit über das Derby hinausreichen. Eine Challenge-Möglichkeit für Trainer könnte die Zahl strittiger Eingriffe begrenzen oder die Verantwortung stärker auf die Teams verlagern. Sie würde allerdings neue Fragen nach Anzahl, Zeitpunkt und zulässigem Anlass solcher Anträge schaffen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

NDR: „Drama im Derby! Kiel gibt Sieg gegen Flensburg-Handewitt aus der Hand“ (26.09.2026)

Der Bericht bestätige das 31:31 und beschreibe die minutenlange Überprüfung des vermeintlichen Kieler Siegtreffers. Anders als die dpa-Meldung ordne er die Entscheidung ausdrücklich als korrekt ein und hebe zusätzlich den Spielverlauf sowie die vergebenen Chancen des THW vor der Schlussphase hervor.

n-tv: „„Sehr unglücklich für uns“: Denkwürdiges Handball-Nordderby endet dramatisch mit Remis“ (26.09.2026)

Der Artikel bestätige den aberkannten Treffer wegen eines erkannten Schrittfehlers und stelle die Bedeutung des Derbys als Spitzenspiel heraus. Er setze einen anderen Schwerpunkt auf die sportliche Vorgeschichte beider Vereine, während die Frage nach der Angemessenheit des Videobeweis-Einsatzes offen und kontrovers bleibe.

Beide Berichte stimmten beim Ergebnis und beim Ablauf der Schlussaktion überein; der NDR bewerte die Entscheidung als korrekt, während n-tv stärker den Kieler Frust und die sportliche Entwicklung beider Teams hervorhebe.

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