Halle: Jüdische Studenten erhalten Morddrohungen nach Blockade
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSErmittlungen und Folgen nach Halle
- Die JSUD will wegen der Morddrohungen gegen Mitglieder die Polizei einschalten.
- Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt gegen Blockadeteilnehmer wegen des Verdachts der Beleidigung.
- Ron Dekel kritisiert auch linken Antisemitismus und fordert Konsequenzen in der Berliner Linkspartei.
Morddrohungen nach Blockade vor Synagoge in Halle
Mitglieder der Jüdischen Studierendenunion Deutschland erhalten nach der Blockade des AfD-Politikers Hans-Thomas Tillschneider am Zugang zu einer Gedenkveranstaltung in Halle Morddrohungen. JSUD-Vorsitzender Ron Dekel sagte, seit der Aktion am Jahrestag des Anschlags auf die Synagoge von Halle 2019 habe die Zahl der Anfeindungen deutlich zugenommen.
JSUD will Polizei einschalten
Die Drohungen reichten bis zu Morddrohungen, sagte Dekel. Die JSUD schaffe es derzeit nicht, auf alle Nachrichten zu reagieren, und werde die Polizei noch einschalten.
Ermittlungen wegen Beleidigung
Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt gegen Teilnehmer der Blockade wegen des Verdachts der Beleidigung. Hintergrund ist der Vorwurf, sie hätten Tillschneider als „Nazi“ bezeichnet.
Streit über AfD-Pressemitteilung
Dekel kritisierte, Landtagspräsident Tobias Rausch habe die beteiligten Studenten in einer Pressemitteilung unwahrheitsgemäß als linke Studenten bezeichnet. Rausch und Tillschneider gehören beide der AfD an.
Debatte über Zugang zur Gedenkveranstaltung
Dekel rechtfertigte die Blockade mit dem Schutz von Überlebenden und Angehörigen der Opfer. Rechtsextremisten hätten in einer Synagoge nichts zu suchen, sagte er, und warf Tillschneider vor, mit Äußerungen wie „Schuldkult“ antisemitische Positionen zu vertreten.
JSUD warnt vor Antisemitismus von links
Zugleich kritisierte Dekel die mögliche Bildung einer linken Regierung in Berlin. Die Linkspartei stelle in Teilen eine erhebliche Gefahr für jüdisches Leben dar, weil sich ihre Führung nach seiner Darstellung nicht ausreichend von antisemitischen Positionen distanziere.
Von SPD und Grünen erwarte die JSUD, dies bei der Regierungsbildung zu berücksichtigen. Antisemitische Abgeordnete sollten nach Dekels Ansicht aus der Fraktion ausgeschlossen werden.
Die Morddrohungen gegen Mitglieder der Jüdischen Studierendenunion Deutschland stehen im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung über den Zugang eines AfD-Politikers zu einer Gedenkveranstaltung in Halle. Anlass war der Jahrestag des antisemitischen und rechtsextrem motivierten Anschlags auf die Synagoge und einen nahe gelegenen Imbiss am 9. Oktober 2019, bei dem zwei Menschen ermordet wurden.
Die Blockade hat zwei Ebenen: Zum einen geht es um den Schutz des Gedenkens vor einer politischen Instrumentalisierung. Zum anderen steht die Frage im Raum, wie weit Protest gegen einen gewählten Mandatsträger gehen darf. Gegen Teilnehmer wird wegen des Verdachts der Beleidigung ermittelt; zugleich schildert die JSUD eine Eskalation, die von Beschimpfungen bis zu Morddrohungen reicht.
Antisemitismus als politischer Konflikt
Die Debatte über Antisemitismus wird dabei von mehreren Seiten geführt. Die JSUD benennt sowohl rechtsextreme als auch linke Formen des Judenhasses und verbindet die aktuelle Auseinandersetzung mit der Regierungsbildung in Berlin. Für jüdische Studierende ist der Vorgang deshalb nicht nur ein Streit über eine einzelne Gedenkveranstaltung, sondern auch eine Frage der Sicherheit im politischen und universitären Alltag.
Folgen für Halle und Berlin
Politisch erhöht der Vorgang den Druck auf die Beteiligten, zwischen legitimer Kritik, persönlicher Herabwürdigung und konkreten Bedrohungen zu unterscheiden. Für die Sicherheitsbehörden steht zunächst die Aufklärung der Drohungen im Vordergrund; für die Justiz läuft parallel das Verfahren wegen möglicher Beleidigung.
