Karsten Wildberger, Grundeinkommen

Grundeinkommen: Wildberger prüft Antwort auf KI-Jobwandel erneut

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 06:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger hält ein Grundeinkommensmodell als mögliche Antwort auf KI-bedingte Veränderungen am Arbeitsmarkt offen. Finanziert werden könnten Umschulungen und der Umbau nach seiner Vorstellung auch über Steuern auf KI-Geschäfte.

Wildberger will Grundeinkommens-Konzept weiter prüfen
Karsten Wildberger am 09.10.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Wildberger prüft KI-Folgen für den Arbeitsmarkt

  • Bundesdigitalminister Karsten Wildberger will das Konzept hinter dem Grundeinkommen erneut prüfen.
  • Den Begriff „bedingungsloses Grundeinkommen“ möchte der CDU-Politiker künftig nicht mehr verwenden.
  • Wildberger will Umschulungen und den Arbeitsmarktumbau aus Wachstum sowie Steuern auf KI-Geschäfte finanzieren.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) hält die Idee eines Grundeinkommens als Antwort auf KI-bedingte Umbrüche am Arbeitsmarkt weiter offen. Im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“ sagte er, das Konzept hinter dem Begriff wolle er sich erneut genau ansehen, die Bezeichnung selbst aber nicht mehr verwenden.

Begriff gilt als vorbelastet

Wildberger begründete den Schritt damit, dass der Ausdruck „bedingungsloses Grundeinkommen“ vorbelastet sei. An der dahinterstehenden Idee wolle er dennoch festhalten und sie mit Blick auf die Folgen künstlicher Intelligenz erneut prüfen.

Nach Einschätzung des Ministers wird das künftige Wachstum maßgeblich durch KI entstehen. Dieses Wachstum werde langfristig zwar mehr Beschäftigung hervorbringen, allerdings in anderen Berufen als heute.

Minister warnt vor dauerhaftem Jobtrend

Derzeit schaffen Unternehmen, die mit KI wachsen, nach Wildbergers Darstellung sogar zusätzliche Arbeitsplätze. Für die Zukunft wolle er dafür jedoch nicht garantieren.

Für den notwendigen Umbau des Arbeitsmarkts setzt der Minister auf Umschulungen und wirtschaftliches Wachstum. Zusätzlich sollen aus seiner Sicht KI-Geschäfte wegen ihrer hohen Umsätze stärker zur Finanzierung beitragen.

Steuern sollen Umbau mitfinanzieren

Wildberger sagte, der extrem hohe Umsatz mit der Technologie müsse besteuert werden. Mit den Einnahmen könne der Umbau des Arbeitsmarkts finanziert werden.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) teile diese Sicht, erklärte Wildberger. Für den Umbau müsse zunächst Geld vorhanden sein; dafür sei Wachstum erforderlich.

Frühere Aussage zum Grundeinkommen

Bereits im März hatte Wildberger erklärt, ein bedingungsloses Grundeinkommen könne Teil der Lösung für KI-bedingte Veränderungen am Arbeitsmarkt sein. Nun rückt er von der Bezeichnung ab, hält die zugrunde liegende Idee aber weiter für prüfenswert.

Die Debatte über ein Grundeinkommen erhält durch den raschen Einsatz generativer KI eine neue Begründung: Nicht nur einzelne Tätigkeiten, sondern ganze Berufsbilder könnten sich verändern. Zugleich zeigen aktuelle Entwicklungen, dass KI zunächst auch zusätzliche Beschäftigung schaffen kann. In Deutschland entstehen etwa rund um Rechenzentren neue Stellen, während der übrige Technologiesektor zugleich unter Druck steht.

Wildbergers Ansatz verbindet deshalb drei Instrumente: Wirtschaftswachstum, berufliche Neuqualifizierung und eine stärkere Beteiligung KI-intensiver Geschäftsmodelle an der Finanzierung. Das verschiebt die Diskussion weg von einer pauschalen Auszahlung für alle hin zu der Frage, wie Übergänge zwischen schrumpfenden und entstehenden Tätigkeiten abgesichert werden können. Eine solche Finanzierung setzt allerdings voraus, dass zusätzliche Steuern tatsächlich erhoben werden können, ohne Investitionen und Standortentscheidungen zu verzerren.

Für Beschäftigte bedeutet die Debatte vor allem, dass Weiterbildung und berufliche Anpassung politisch an Gewicht gewinnen. Für Unternehmen stellt sich die Frage, wie Produktivitätsgewinne verteilt werden. Offen bleibt, ob ein steuerfinanzierter Umbau, gezielte Transfers oder ein universelles Grundeinkommen am Ende die tragfähigste Antwort wäre. Die Bundesregierung müsste dafür Ziele, Empfänger, Finanzierung und Verhältnis zu bestehenden Sozialleistungen konkret festlegen.

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