Kita-Politik, Frühkindliche Bildung

Grüne fordern verpflichtendes Kita-Jahr für alle Kinder

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 06:36 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Die Grünen fordern ein verpflichtendes und beitragsfreies letztes Kita-Jahr für alle Kinder. Zusätzlich verlangt die Bundestagsfraktion dauerhaft drei Milliarden Euro jährlich für Qualitätsstandards und weitere Investitionen.

Grünen-Papier setzt auf frühe Förderung

  • Die Bundestagsfraktion verabschiedete das Positionspapier „Jeder Anfang zählt“ zur frühkindlichen Bildung.
  • Das Startklar-Jahr soll vor der Einschulung verpflichtend und beitragsfrei sein.
  • Gefordert werden drei Milliarden Euro jährlich sowie elf Milliarden Euro für Kita-Investitionen.
Namensschild in einer Kita (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Grünen-Fraktion fordert Startklar-Jahr vor der Schule

Die Grünen wollen für alle Kinder in Deutschland ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr vor der Einschulung einführen. Das sogenannte „Startklar-Jahr“ soll beitragsfrei sein und jedem Kind zusätzliche Förderung ermöglichen.

Bund und Länder sollen Umsetzung klären

Die Forderung steht in einem neuen Positionspapier zur frühkindlichen Bildung, das die Grünen-Bundestagsfraktion verabschiedet hat. Der Bund soll mit den Ländern über Umsetzung und Finanzierung sprechen.

Eltern sollen nach dem Vorschlag bereits zum ersten Geburtstag über ihren Kita-Rechtsanspruch informiert und bei der Suche nach einem Platz unterstützt werden. Anja Reinalter, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, sagte, mit einem verbindlichen und beitragsfreien Startklar-Jahr solle jedem Kind die Förderung ermöglicht werden, die es vor der Einschulung brauche.

Grüne gehen über geplantes Bundesgesetz hinaus

Mit dem Konzept gehen die Grünen über das geplante Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz hinaus. Das SCQEG soll bundesweit verbindliche Erhebungen zum Sprach- und Entwicklungsstand von vierjährigen Kindern vorsehen und bei festgestellten Defiziten eine anschließende Förderung ermöglichen.

Drei Milliarden Euro jährlich gefordert

Die Grünen verlangen außerdem einen unbefristeten Kita-Qualitätspakt von Bund und Ländern. Der Bund soll dafür dauerhaft drei Milliarden Euro pro Jahr bereitstellen; im Gegenzug sollen bundesweit einheitliche Qualitätsstandards gesetzlich verankert werden.

Zusätzlich soll das Kita-Investitionsprogramm aus dem Sondervermögen auf elf Milliarden Euro aufgestockt werden. Bei einer öffentlichen Anhörung zum SCQEG hatten Sachverständige vor einer unzureichenden Finanzierung der Reform gewarnt.

Bundesmittel bislang zeitlich begrenzt

Das Kita-Gesetz der Bundesregierung sieht für zusätzliche Aufgaben Bundesmittel über eine veränderte Umsatzsteuerverteilung an die Länder vor. Geplant sind 1,493 Milliarden Euro jährlich für 2027 und 2028, 1,243 Milliarden Euro im Jahr 2029 sowie 993 Millionen Euro jährlich von 2030 bis 2034.

Die Grünen kritisieren, dass die Bundesmittel perspektivisch halbiert würden und der Bund ab 2035 vollständig aus der Finanzierung aussteigen wolle. Frühkindliche Bildung müsse dauerhaft finanziert werden, um Bildungschancen weniger stark vom Elternhaus abhängig zu machen.

Mit dem vorgeschlagenen „Startklar-Jahr“ verschieben die Grünen den Schwerpunkt frühkindlicher Bildung von einer freiwilligen Betreuungsleistung hin zu einem verbindlichen Übergang vor der Schule. Der Ansatz knüpft an die im geplanten SCQEG vorgesehenen Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen bei Vierjährigen an, geht aber darüber hinaus: Nicht nur festgestellte Förderbedarfe, sondern jedes Kind soll im letzten Kita-Jahr erreicht werden.

Für Familien wäre die Beitragsfreiheit die zentrale praktische Folge. Sie könnte die Teilnahme unabhängig vom Einkommen erleichtern, löst aber allein nicht das Platzproblem. Die Umsetzung hängt deshalb davon ab, ob Länder und Kommunen zusätzliche Gruppen, Fachkräfte und Förderangebote finanzieren können. Der von den Grünen geforderte dauerhafte Bundesanteil von drei Milliarden Euro jährlich zielt genau auf diese strukturelle Lücke.

Finanzierung bleibt der entscheidende Streitpunkt

Die dts-Meldung stellt den Grünen-Vorschlag einer zeitlich begrenzten Bundesbeteiligung gegenüber. Nach den genannten Plänen sinkt diese Beteiligung ab 2029 stufenweise und endet nach 2034. Damit stehen zwei Modelle gegenüber: dauerhaft verbindliche Qualitätsanforderungen mit langfristiger Finanzierung oder eine zunächst befristete Unterstützung der Länder.

Für Eltern wäre neben der Kostenfrage vor allem der Zugang entscheidend. Die Grünen wollen bereits zum ersten Geburtstag über den Kita-Rechtsanspruch informieren und bei der Platzsuche helfen. Ob ein verpflichtendes Jahr bundesweit praktikabel wird, hängt damit an klaren Zuständigkeiten, ausreichenden Plätzen und einer verlässlichen Aufteilung der Kosten zwischen Bund, Ländern und Kommunen.

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