Grün-Rot-Rot im Bund: Audretsch hält Koalition für möglich
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 16:42 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Andreas Audretsch, hat sich für eine mögliche grün-rot-rote Koalition im Bund offen gezeigt. Zugleich bezeichnete er eine Zusammenarbeit der Grünen mit der Union als weitere Option.
Audretsch kritisiert Union und SPD
„Wir sehen gerade, dass Union und SPD gemeinsam nur Stillstand produzieren und alle gegen sich aufbringen. Wir brauchen einen Aufbruch für unsere Gesellschaft. Grün-Rot-Rot könnte dafür eine Hoffnung sein, natürlich unter klaren Bedingungen“, sagte Audretsch am Donnerstag dem „Spiegel“.
Nach seinen Worten regieren die Grünen bereits in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gut mit der CDU. Auch daraus könne etwas Neues für Deutschland entstehen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt seien.
Streit über Linke und CDU
Mit der Linken gebe es Gemeinsamkeiten bei sozialen Fragen. Klärungsbedarf bestehe jedoch in der Außenpolitik und beim Thema Antisemitismus, sagte der Grünen-Politiker.
Bei einer Zusammenarbeit mit der CDU wären nach Audretschs Einschätzung harte Verhandlungen beim Klimaschutz und in sozialen Fragen zu erwarten. Zudem brauche es eine „harte Absage an die Rechtsextremen der AfD“.
Kritik an Ines Schwerdtner
Audretsch kritisierte die Co-Vorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner. Sie hatte Überlegungen der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge für eine grün-rot-rote Koalition zurückgewiesen und erklärt, die Linke stehe nicht als Mehrheitsbeschaffer für Machtspielchen zur Verfügung.
Es verwundere ihn sehr, dass Schwerdtner diesen Weg rigoros dicht mache und diese Hoffnung begraben wolle, sagte Audretsch. Wenn Schwerdtner konkrete soziale und ökologische Veränderungen anstrebe, sei jetzt die Zeit für Offenheit und nicht für Blockaden.
Andreas Audretschs Vorstoß fällt in eine Phase, in der mögliche Bündnisse jenseits der bestehenden schwarz-roten Bundesregierung stärker ins Zentrum rücken. Der Grünen-Fraktionsvize verbindet die Offenheit für Grün-Rot-Rot mit einer scharfen Kritik an Union und SPD und nennt zugleich eine Zusammenarbeit mit der Union als mögliche Alternative.
Für ein Bündnis aus Grünen, SPD und Linken wären vor allem drei Konfliktfelder entscheidend: die Außen- und Sicherheitspolitik, der Umgang mit Antisemitismus sowie die Ausgestaltung von Klima- und Sozialpolitik. Audretsch selbst benennt diese Differenzen ausdrücklich. Damit beschreibt er keine fertige Koalitionsperspektive, sondern ein politisches Angebot, das an inhaltliche Bedingungen geknüpft ist.
Bundespolitische Bedeutung
Die Debatte hat über taktische Koalitionsüberlegungen hinaus Bedeutung für die strategische Positionierung der Grünen. Die Partei hält damit mehrere Optionen offen: ein Bündnis mit SPD und Linken ebenso wie eine Zusammenarbeit mit der Union. Entscheidend wäre, ob die beteiligten Parteien gemeinsame Projekte definieren könnten und ob außenpolitische sowie innenpolitische Grundsatzfragen ausreichend geklärt würden.
Aktuelle Entwicklungen in Berlin zeigen zugleich, dass ein rot-grün-rotes Bündnis auch auf Landesebene an konkreten Fragen wie Antisemitismus, innerer Sicherheit und Regierungsfähigkeit gemessen wird. Für die Bundesebene bleibt deshalb offen, ob die jetzt geforderte politische Offenheit in belastbare Verhandlungen überführt werden kann.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FOCUS online: „Grüne sorgen für Klarheit und stellen Union ins Abseits“ (07.10.2026)
Der Beitrag ordnet Katharina Dröges Vorstoß für Rot-Rot-Grün als bundespolitische Option ein und stellt die ablehnende Reaktion von Ines Schwerdtner gegenüber. Damit bestätigt er den zentralen Konflikt zwischen grüner Öffnung und der Zurückhaltung der Linken, setzt den Schwerpunkt jedoch auf Dröges vorherige Initiative.
rbb24: „Linke, Grüne und SPD beenden Vorgespräche zu Sondierungen ohne Ergebnis“ (08.10.2026)
Der Bericht konzentriert sich auf die Berliner Landesebene und die dortigen Gespräche von Linken, Grünen und SPD. Er ergänzt die bundespolitische Debatte um praktische Konfliktfelder wie Antisemitismus und Regierungsbildung, ohne Audretschs Koalitionsaussage selbst zum Gegenstand zu machen.
Die Beiträge machen übereinstimmend deutlich, dass Rot-Rot-Grün als politische Option diskutiert wird, zugleich aber erhebliche programmatische und strategische Differenzen bestehen. Während der FOCUS die bundespolitische Öffnung der Grünen hervorhebt, zeigt der rbb die konkreten Hürden auf Landesebene.
