Gregor Gysi fordert Ausschluss von Vanessa Emde
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 09:26 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSOffene Fragen bei Koçak
- Gregor Gysi stellt bei Ferat Koçaks Kontakten zum Remmo-Clan weitere Klärungen in Aussicht.
- Koçak habe nach Gysis Darstellung einen Fehler begangen; mögliche Konsequenzen bleiben an die Prüfung offener Fragen gebunden.
- Gysi hält eine rot-grün-rote Koalition im Bund langfristig für möglich und bezeichnet sie als Alternative zu einer AfD-Beteiligung.
Gysi fordert Ausschluss von Vanessa Emde
Gregor Gysi hofft auf den Ausschluss der Berliner Linken-Abgeordneten Vanessa Emde aus der Linksfraktion. Im Podcast von Paul Ronzheimer bezeichnete er das Anzweifeln des Existenzrechts Israels und Aufrufe zur Tötung israelischer Soldaten als antisemitisch und für seine Partei als indiskutabel.
Existenzrecht Israels als rote Linie
Gysi sagte, das Existenzrecht Israels sei für ihn eine Grenze. Es brauche rote Linien, die nicht überschritten werden dürften.
Fragen zu Koçaks Kontakten
Auch zu den Kontakten des Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak zu Remmo seien noch Fragen offen, sagte Gysi. Nach seiner Darstellung ist der Vorgang weitgehend aufgeklärt, Koçak habe aber einen Fehler begangen.
Gysi stellte mögliche Konsequenzen in Aussicht. Wenn weitere Fragen geklärt seien und Konsequenzen gezogen werden müssten, werde man diese auch ziehen.
Koalitionsperspektive im Bund
Langfristig hält Gysi eine rot-grün-rote Koalition auf Bundesebene für möglich. Ein solches Bündnis wäre für ihn eine „fantastische Aussicht im Vergleich zu einer Beteiligung der AfD“.
Auf die Frage nach einer möglichen Umsetzung sagte Gysi, dies sei durchaus möglich. Früher habe praktisch alles gegen eine solche Koalition gesprochen, doch es könne passieren.
Der Vorstoß von Gregor Gysi fällt in eine bereits zugespitzte innerparteiliche Auseinandersetzung über den Umgang der Berliner Linken mit Vanessa Emde. Im Mittelpunkt stehen Äußerungen zum Existenzrecht Israels und zu israelischen Soldaten. Für Gysi markieren diese Punkte eine rote Linie, die innerhalb der Partei nicht überschritten werden dürfe.
Ein Ausschluss aus einer Fraktion ist politisch und rechtlich weitreichender als eine öffentliche Distanzierung. Er kann die parlamentarische Zusammenarbeit dauerhaft verändern, ohne dass damit automatisch das Mandat der betroffenen Abgeordneten endet. Ein laufendes Verfahren zum Ausschluss eines AfD-Abgeordneten aus einer Fraktion lenkt zusätzlich Aufmerksamkeit auf die rechtlichen Grenzen solcher Entscheidungen.
Konflikt über politische Grenzen
Parallel steht der Umgang mit Ferat Koçaks Kontakten zum Remmo-Clan im Raum. Gysi bewertet Koçaks Verhalten als Fehler, lässt aber weitere Klärungen offen. Damit verbindet sich die Debatte über Israel-Positionen mit einer zweiten Frage nach politischen und persönlichen Standards der Fraktion.
Für die Linke birgt der Streit mehrere Folgen: Er kann die Abgrenzung zu antisemitischen Positionen schärfen, zugleich aber die Zusammenarbeit im Berliner Landesverband belasten. Gysis Überlegung zu einer möglichen rot-grün-roten Koalition auf Bundesebene zeigt zudem, dass die Debatte auch die strategische Ausrichtung der Partei berührt. Eine solche Perspektive setzt aus seiner Sicht klare inhaltliche Grenzen und politische Kooperationsfähigkeit voraus.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: „Linke fordert Rücktritt von Vanessa Emde: ‚Jetzt reicht’s!‘“ (04.11.2026)
Der Beitrag berichtet über Rücktrittsforderungen gegen Emde und stellt ebenfalls ihre Position zum Existenzrecht Israels in den Mittelpunkt. Anders als die dts-Meldung konzentriert sich der Artikel auf den Druck aus der Berliner Linken und nicht auf Gysis Äußerung im Podcast.
taz: „Fraktionsausschluss vor Gericht: Rauswurf als Präzedenzfall“ (05.11.2026)
Der Artikel ordnet die Debatte über Emde in den rechtlichen Streit um den Ausschluss eines Abgeordneten aus einer Fraktion ein. Er bestätigt damit den institutionellen Kontext, legt den Schwerpunkt aber auf die rechtlichen Voraussetzungen und die offene Frage, wie weit Fraktionen bei einem Ausschluss gehen dürfen.
Gemeinsam ist den Beiträgen die Einordnung des Streits als Konflikt über Israels Existenzrecht und die Grenzen der Zusammenarbeit. Unterschiede bestehen beim Schwerpunkt: Während die dts-Meldung Gysis Forderung und Koçaks Fall verbindet, rücken die taz-Beiträge den Berliner Parteikonflikt und die rechtliche Dimension in den Vordergrund.
