Gottesdienst zur Deutschen Einheit: Bremer Stadtmusikanten als Vorbild
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 10:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMit einem ökumenischen Gottesdienst im Bremer Dom haben die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit begonnen.
Rund 1.000 Ehrengäste im Dom
Zu den rund 1.000 Ehrengästen gehörten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Der Gottesdienst wurde live im ZDF übertragen und auf mehreren Leinwänden auf dem Festgelände gezeigt.
Im Mittelpunkt stand das Motto der Feierlichkeiten: „Viele Stärken – ein Land“. Die Predigten griffen damit das Thema Stärke und die Frage auf, wie gemeinsamer Zusammenhalt entstehen kann.
Die Stadtmusikanten als Beispiel
Bernd Kuschnerus, Kirchenpräsident der Bremischen Evangelischen Kirche, verwies auf die vier Tiere aus dem Märchen der Brüder Grimm: Esel, Hund, Katze und Hahn. Sie seien verschieden und gerade deshalb aufeinander angewiesen, sagte Kuschnerus. Nächstenliebe bedeute, die Gaben anderer wahrzunehmen und füreinander einzusetzen.
Appell gegen Spaltung
Der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier erinnerte daran, dass die Tiere im Märchen bedroht seien und sich deshalb zusammenschlössen. Auch heute lebten die Menschen in einer Zeit des Umbruchs, in der vertraute Strukturen und Lebenszusammenhänge an Grenzen kämen oder keinen Halt mehr gäben.
Viele Menschen fühlten sich überfordert oder ohnmächtig und zögen sich zurück, sagte Meier. Sie dürften nicht allein gelassen werden. Einheit und Zusammenhalt trügen nur dort, wo Menschen sie mit Haltung und Überzeugung lebten und sich gegen Spaltung und Polarisierung stellten.
Einheit als Aufgabe
Der Tag der Deutschen Einheit erinnert an den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990. 2026 jährt sich die staatliche Einheit damit zum 36. Mal. Die zentralen Feierlichkeiten in Bremen verbinden diesen historischen Bezug mit einem dreitägigen Bürgerfest.
Das Motto „Viele Stärken – ein Land“ rückt dabei nicht nur Gemeinsamkeiten, sondern auch unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten in den Mittelpunkt. Zur Bremer Veranstaltung werden mehr als 400.000 Besucher erwartet; geplant sind zahlreiche Konzerte, Diskussionen, Ausstellungen und Mitmachangebote.
Historische Unterschiede bleiben Thema
Die gesellschaftliche Einheit ist weiter ein Prozess. Unterschiede bei Einkommen, Vermögen, wirtschaftlicher Entwicklung und politischer Wahrnehmung prägen die Debatte über Ost und West auch Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung. Zugleich haben sich Lebensverhältnisse angenähert und gemeinsame Institutionen gefestigt.
Für Besucher bedeutet das Fest neben Unterhaltung auch politische Information: Verfassungsorgane und die Bundesländer stellen ihre Arbeit vor. Der Gottesdienst setzt einen zusätzlichen Akzent, indem er Zusammenhalt als praktisches Handeln beschreibt – nicht als Gleichförmigkeit.
Bremer Fest mit bundesweiter Bedeutung
Dass Bremen die Feier ausrichtet, lenkt den Blick auf einen Stadtstaat mit maritimer, industrieller und wissenschaftlicher Prägung. Die öffentliche Veranstaltung soll Geschichte, Gegenwart und politische Beteiligung verbinden. Der Appell gegen Spaltung und Polarisierung richtet sich damit nicht nur an die Ehrengäste, sondern an die Gesellschaft insgesamt.
