Berlin, Cyberangriff

Giffey fordert nach Rhysida-Hack mehr Bundesgeld für Berlin

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 06:12 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Nach dem schweren Hackerangriff auf die Berliner Landesregierung fordert Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey deutlich mehr Unterstützung des Bundes für den Schutz der Hauptstadt-Infrastruktur. Zugleich verweist sie auf die Verantwortung von Kai Wegner und wirbt für ein neues Krisenreaktionszentrum in Berlin.

Giffey fordert mehr Bundesmittel für Berliner Infrastrukturschutz
Franziska Giffey (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey fordert nach dem Hackerangriff auf die Landesregierung deutlich mehr Geld vom Bund für den Schutz kritischer Infrastruktur in der Hauptstadt. Sie verweist dabei auf die besondere Rolle Berlins als politisches Zentrum und auf eine wachsende Bedrohungslage im Cyberraum.

Giffey drängt auf Anpassung des Hauptstadtfinanzierungsvertrags

Giffey sagte dem Magazin Politico, wenn Deutschland in irgendeiner Form angegriffen werde, sei Berlin ein elementares Ziel. Die Neuaushandlung des Hauptstadtfinanzierungsvertrags mit dem Bund müsse dieser Rolle Rechnung tragen, da Berlin als Hauptstadt andere und größere Herausforderungen habe als jede andere deutsche Stadt.

Nach ihren Worten nimmt die Bedrohungslage zu, weshalb massiv in die Sicherheit der digitalen Infrastruktur investiert werden müsse. Der Schutz von Verwaltung, öffentlichen Unternehmen und kritischer Infrastruktur solle weiter gestärkt werden. Sie verwies zudem auf hybride Anschläge überall in Deutschland und äußerte die Erwartung, dass die Schließung des Russischen Hauses weitere Reaktionen Russlands nach sich ziehen werde.

Forderung nach Krisenreaktionszentrum in Berlin

Aus Sicht der Wirtschaftssenatorin braucht Berlin ein eigenes Krisenreaktionszentrum. Zwar gebe es bereits Krisenstäbe und ein Cyberabwehrzentrum, für zukünftige Bedrohungslagen sei jedoch eine größere Einheit nötig. Diese solle die verschiedenen Akteure des Landes auch in Nicht-Krisenzeiten regelmäßig zu Abstimmung und Monitoring zusammenführen.

Giffey betonte, dass so ein Zentrum dazu beitragen könne, Informationen schneller zu bündeln und strukturiert auf neue Angriffsmuster zu reagieren. Ziel sei es, die Resilienz der Hauptstadt gegenüber digitalen und hybriden Bedrohungen zu erhöhen.

Verantwortung für den Hackerangriff bei Wegner

Die politische Verantwortung für den Hackerangriff und den Umgang mit den veröffentlichten Daten sieht Giffey beim Regierenden Bürgermeister Kai Wegner. Verwaltungsmodernisierung und Digitalisierung seien in der aktuellen Landesregierung zur Chefsache gemacht und vollständig in der Senatskanzlei angesiedelt worden.

Damit falle der Cyberangriff und der Umgang mit dem Datenabfluss in den Verantwortungsbereich Wegners, der dies nach Ansicht Giffeys nun managen und mit höchster Priorität behandeln müsse. Sie verbindet diese Kritik mit der Forderung, Schutzmechanismen und Krisenprozesse in der Berliner Verwaltung zu überprüfen und zu verstärken.

Details zum Angriff der Hackergruppe Rhysida

Anfang August hatte die Hackergruppe Rhysida Daten von zwei Berliner Senatsverwaltungen entwendet und anschließend eine Zahlung von 30 Bitcoin verlangt, was etwa zwei Millionen Euro entspricht. Am vergangenen Freitag veröffentlichten die Kriminellen rund 1,4 Millionen Datensätze, nachdem der Senat das Lösegeld nicht gezahlt hatte.

Nach bisherigen Erkenntnissen sind in den Datensätzen offenbar auch sicherheitsrelevante Informationen enthalten. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft war von dem Datenabfluss nicht direkt betroffen. Landesunternehmen sind jedoch in vielfacher Hinsicht mit der betroffenen Senatsverwaltung für Verkehr verbunden.

Mögliche Betroffenheit sensibler Informationen

Giffey erklärte, man arbeite eng zusammen und tausche teils auch sensible Informationen aus. Daher könne nicht ausgeschlossen werden, dass solche sensiblen Informationen in dem von den Hackern veröffentlichten Datenpaket enthalten sind.

Die Äußerungen der Wirtschaftssenatorin unterstreichen den Druck auf die Landesregierung, die eigene digitale Sicherheitsarchitektur zu verbessern und zugleich zusätzliche Unterstützung des Bundes zu gewinnen.

Der von Franziska Giffey adressierte Hackerangriff auf die Berliner Landesregierung unterstreicht die gewachsene Verwundbarkeit staatlicher Strukturen gegenüber digitalen Angriffen. Dass eine international aktive Gruppe wie Rhysida Millionen Datensätze erbeuten und ein Lösegeld in Kryptowährung fordern konnte, zeigt, wie sehr Berlin als Hauptstadt und Verwaltungszentrum im Fokus solcher Akteure steht.

Die Forderung nach mehr Bundesmitteln und einem eigenen Krisenreaktionszentrum in Berlin verweist auf ein strukturelles Spannungsfeld: Einerseits liegt die Zuständigkeit für die innere Sicherheit und Verwaltung grundsätzlich bei den Ländern, andererseits ist die Hauptstadt mit ihren Regierungsinstitutionen, Landesunternehmen und international vernetzten Infrastrukturen ein nationales Schutzgut. Giffey argumentiert, dass der Hauptstadtfinanzierungsvertrag diesen besonderen Risiken stärker Rechnung tragen müsse.

Politische Verantwortung und Cybersecurity-Strukturen

Bemerkenswert ist, dass Giffey die politische Verantwortung klar beim Regierenden Bürgermeister Kai Wegner verortet. Die Bündelung von Verwaltungsmodernisierung und Digitalisierung in der Senatskanzlei sollte Entscheidungswege verkürzen – erhöht aber zugleich die Erwartung, dass dort wirksame Schutzmechanismen etabliert und Krisen professionell gemanagt werden. Der massive Datenabfluss wirft daher Fragen nach Sicherheitsstandards, Notfallplänen und Transparenz gegenüber Betroffenen auf.

Hybride Bedrohungen und Folgen für Berlin

Wenn Giffey von „hybriden Anschlägen“ spricht und mögliche Reaktionen Russlands nach der Schließung des Russischen Hauses erwähnt, stellt sie den Cyberangriff in einen breiteren Kontext aus politischen Spannungen, Desinformation und digitaler Sabotage. Für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen in Berlin bedeutet dies, dass Datenschutz, IT-Sicherheit und Krisenkommunikation nicht nur technische, sondern zunehmend strategische Aufgaben der Landes- und Bundespolitik sind. Die Frage, ob und wie ein neues Krisenreaktionszentrum tatsächlich die Resilienz der Hauptstadt erhöht, wird die politische Debatte in den kommenden Monaten prägen.

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