Gerhard Schröder feiert Putins 74. Geburtstag in Moskau
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 12:06 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSLinken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek hat den Besuch von Ex-Kanzler Gerhard Schröder bei der Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin als „rückgratlos“ kritisiert. Schröder nahm nach Angaben des Kremls an der Feier in Moskau teil.
Reichinnek verweist auf Verantwortung des Altkanzlers
„Putin ist ein Kriegsverbrecher, und dass Schröder ihn feiert, zeigt mal wieder seine politische und moralische Rückgratlosigkeit“, sagte Reichinnek dem „Tagesspiegel“ für dessen Samstagsausgabe. Gerade als Altkanzler habe Schröder eine besondere Verantwortung.
Reichinnek bezeichnete es als verstörend, dass Schröder Putin trotz des völkerrechtswidrigen Kriegs gegen die Ukraine weiterhin hofiere. Dies habe aus ihrer Sicht auch mit Schröders persönlichen finanziellen Interessen zu tun, denen er in Russland nachgegangen sei und weiterhin nachgehe.
Schröder war wegen Russland-Geschäfts in Moskau
Schröder war nach seiner Berufung in den Aufsichtsrat der russischen Handelskette Hyperglobus nach Moskau gereist. Nach Darstellung des Kremls erfuhr Putin am Mittwochmorgen aus den Medien von Schröders Anwesenheit in der russischen Hauptstadt und lud seinen früheren Weggefährten anschließend zu sich ein.
Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Wegen seiner engen Beziehung zu Putin und seiner Tätigkeiten für russische Energieunternehmen steht er seit Jahren in der Kritik.
Kritik an Schröders Nähe zum Kreml
Auch nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine traf sich Schröder wiederholt mit Putin. Reichinnek verbindet den aktuellen Besuch deshalb mit einer grundsätzlichen politischen und moralischen Bewertung von Schröders Russland-Kontakten.
Der Besuch fällt in eine Phase, in der Gerhard Schröders Verhältnis zu Wladimir Putin seit Jahren politisch umstritten ist. Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und übernahm nach seiner Amtszeit Funktionen bei russischen Energieunternehmen. Seine persönliche Nähe zum Kreml blieb auch nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine bestehen.
Die aktuelle Kritik richtet sich deshalb nicht nur gegen einen privaten Termin, sondern gegen die öffentliche Wirkung des Auftritts. Ein ehemaliger deutscher Regierungschef verleiht einer Begegnung mit dem russischen Präsidenten politische Sichtbarkeit, während Deutschland und die Europäische Union Russlands Krieg gegen die Ukraine verurteilen. Reichinnek verbindet den Besuch zudem mit Schröders früheren und aktuellen wirtschaftlichen Interessen in Russland.
Politische Wirkung des Besuchs
Für die deutsche Innenpolitik verschärft der Vorgang die Debatte über Schröders fortbestehende Beziehungen zu Putin. Andere Politiker kritisierten den Besuch ebenfalls scharf. Zugleich bleibt die Einordnung des Termins zweigeteilt: Schröder war nach aktuellen Berichten zunächst wegen seiner Tätigkeit im Aufsichtsrat der russischen Handelskette Hyperglobus nach Moskau gereist; der Kreml erklärte anschließend, Putin habe ihn zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen.
Damit steht neben der politischen Kritik auch die Frage im Raum, welche Rolle Schröder künftig als möglicher Gesprächskontakt zwischen Russland und europäischen Staaten spielen kann. Seine Nähe zu Putin kann Kontakte erleichtern, schränkt aus Sicht seiner Kritiker aber zugleich seine politische Glaubwürdigkeit als unabhängiger Vermittler ein.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Schröder feiert Putins Geburtstag in Moskau“ (08.10.2026)
Der Bericht bestätigt Schröders Teilnahme an Putins Geburtstagsfeier in Moskau und stellt den geschäftlichen Anlass der Reise in den Mittelpunkt. Anders als die politische Kritik hebt er vor allem die Darstellung des Kremls hervor, wonach Putin Schröder nachträglich eingeladen habe.
Frankfurter Rundschau: „‚Verrat und Schande‘: Altkanzler Schröder reist zu Putins Geburtstagsparty“ (09.10.2026)
Die Frankfurter Rundschau bestätigt den Besuch ebenfalls, legt den Schwerpunkt jedoch auf die parteiübergreifende Kritik an Schröders Nähe zu Putin. Damit ergänzt der Artikel die sachliche Darstellung des Treffens um die politische Reaktion in Deutschland.
Einigkeit besteht über Schröders Teilnahme und den geschäftlichen Reiseanlass. Unterschiede zeigen sich vor allem bei der Gewichtung: Während der eine Bericht den Ablauf und die Kreml-Darstellung betont, rückt der andere die politischen Vorwürfe in den Vordergrund.

