Gerhard Schröder besucht Putins Geburtstagsfeier in Moskau
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 15:59 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSGrünen-Chefin Franziska Brantner hat den Besuch von Altkanzler Gerhard Schröder bei der Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin als „politischen Offenbarungseid“ bezeichnet. Nach Angaben des Kremls war Schröder bei Putin, der am Mittwoch seinen 74. Geburtstag feierte.
Brantner kritisiert Schröders Nähe zu Putin
„Putin lässt die Ukraine bombardieren, jeden Tag sterben Zivilisten - und Gerhard Schröder sucht weiter seine Nähe“, sagte Brantner den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Der Grünen-Chefin zufolge führt Putin einen „imperialistischen Krieg“ und wolle Grenzen mit Gewalt verschieben.
Putin wolle der Ukraine zudem das Recht nehmen, selbst über ihre Zukunft zu entscheiden, erklärte Brantner. „Wer sich in dieser Lage mit dem Aggressor gemein macht, spricht nicht für Deutschland“, fügte die Grünen-Vorsitzende hinzu.
Schröder war zu Besuch in Moskau
Schröder war nach Kremlangaben in Moskau, als Putin seinen 74. Geburtstag feierte. Der frühere Bundeskanzler unterhält seit Jahren eine enge Beziehung zum russischen Präsidenten.
Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Wegen seiner Verbindungen zu Putin und seines Engagements für russische Energieunternehmen steht er in Deutschland seit Jahren in der Kritik.
Der Besuch fällt in eine Phase, in der Schröders Russland-Verbindungen erneut öffentlich sichtbar werden. Der frühere Bundeskanzler war nach seiner Amtszeit in führenden Funktionen russischer Energieunternehmen tätig und blieb politisch eng mit Wladimir Putin verbunden. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 steht diese Nähe besonders stark in der Kritik.
Die politische Bedeutung des Treffens liegt deshalb weniger in einem einzelnen privaten Geburtstagsbesuch als in der fortgesetzten öffentlichen Verbindung eines ehemaligen deutschen Regierungschefs mit dem Kreml. Schröder verfügt zwar über kein Regierungsamt mehr, sein Auftreten wird in Deutschland jedoch weiterhin als Signal verstanden. Für die Grünen verschärft der Besuch den Gegensatz zwischen deutscher Unterstützung für die Ukraine und Schröders persönlicher Nähe zur russischen Führung.
Politische Wirkung und offene Fragen
Der Kreml stellt Schröder als alten Freund Putins dar und nutzt damit eine Beziehung, die seit Jahren bekannt ist. Zugleich war Schröder nach seiner Berufung in den Aufsichtsrat der russischen Handelskette Hyperglobus nach Moskau gereist. Das Treffen verbindet somit wirtschaftliche Aktivitäten in Russland mit einem politischen Symboltermin.
Für die deutsche Debatte dürfte entscheidend bleiben, ob Schröder seine Kontakte als möglichen Gesprächskanal verstanden wissen will oder ob sie vor allem seine persönliche Bindung an Putin dokumentieren. Der Kreml hatte ihn bereits zuvor als möglichen Vermittler zwischen Russland und der Europäischen Union genannt. Angesichts des andauernden Krieges und der deutschen Unterstützung für die Ukraine bleibt diese Rolle politisch umstritten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „'Geburtstagsparty bei Kriegsverbrecher': Altkanzler Schröder laut Kreml bei Putin-Feier“ (09.10.2026)
Der Artikel bestätigt die Teilnahme Schröders an Putins Geburtstagsfeier und stellt die scharfe Kritik deutscher Politiker heraus. Einen zusätzlichen Schwerpunkt legt er auf die Reaktionen von Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Katrin Göring-Eckardt.
n-tv: „Altkanzler besucht Kremlchef: Schröder feiert Putins Geburtstag in Moskau“ (08.10.2026)
n-tv bestätigt den Besuch und ordnet ihn in Schröders Reise nach Moskau sowie seine neue Funktion im Aufsichtsrat der russischen Handelskette Hyperglobus ein. Anders als die Frankfurter Rundschau konzentriert sich der Beitrag stärker auf den Ablauf des Besuchs und Schröders langjährige Verbindung zu Putin.
Beide Beiträge stimmen beim zentralen Vorgang überein. Unterschiede bestehen vor allem bei der Gewichtung: Während die Frankfurter Rundschau die politische Empörung betont, rückt n-tv den wirtschaftlichen Anlass der Moskau-Reise und Schröders mögliche Vermittlerrolle in den Vordergrund.

